Finanzinvestoren Wer stoppt die Rendite-Jäger?Seite 2/2

Auch andere Beschäftigte wehren sich inzwischen, wenn sie befürchten, dass ihr Unternehmen ausgeblutet werden soll. So gingen die Mitarbeiter des Markenfabrikanten Grohe tagelang auf die Straße. Bei MTU wandte sich jetzt der Betriebsrat hilfesuchend an den Kanzler. Und auch bei Mobilcom rumort es. Hartnäckig hält sich dort der Verdacht, dass es nach dem Einstieg des neuen Investors TPG stattliche Sonderdividenden geben soll, die womöglich auch noch mit Krediten finanziert werden müssten. Selbst Schwergewichte wie DaimlerChrysler, die Commerzbank oder Siemens sind ins Visier von Hedge Fonds geraten.

Diese Art der Finanzinvestoren stellen sich »auf sieben fette Jahre ein«, schreibt das Handelsblatt. Besonders attraktiv ist für sie der deutsche Mittelstand. Weil die Banken bei der Kreditvergabe restriktiv seien, eröffne sich ein breites Spektrum an interessanten Investmentchancen, heißt es in Fachkreisen dazu. Noch ist der Mittelstand das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Erfreulich viele Unternehmen reüssieren mit langem Atem, guter Qualität, qualifizierten und loyalen Mitarbeitern. Wer schützt sie vor der Gier der Rendite-Jäger?

Im Wahlkampf ist nach der Heuschrecken-Debatte nichts mehr von alldem zu hören. Dabei wäre schon viel gewonnen, nur eine Regel zurückzunehmen, die der Fehlentwicklung Vorschub leistet: Veräußerungsgewinne bleiben in Deutschland steuerfrei. So wollten es die Sozialdemokraten. Damit lösten sie selbst aus, was sie anschließend beklagten. Auch die Regulierung von Hedge Fonds sollte auf die Agenda der politischen Parteien. Schließlich fordern einige Akteure in der Branche selbst, dem Wilden Westen Grenzen zu setzen. Tauchen aber die Politiker der nächsten Regierung ab, bleibt als einzige Regulierung, dass die vermögenden Geldanleger – beispielsweise auf ihren Reisen – die Folgen ihrer Anlagestrategie selbst zu spüren bekommen.

 
Leser-Kommentare
    • Colon
    • 05.09.2005 um 12:11 Uhr

    Bravo und vielen Dank Frau Lütge! Jäger sind keine Förster, auch wenn Förster manchmal zur Waldpflege auf die Jagd gehen.
    Internationale Grossbanken und Investmentgesellschaften betrachten langfristige Renditen von 15-25% als oberstes Ziel ihres Wirtschaftshandelns. Bei Privat-Equity Firmen und Hedge Fonds versucht man diese Renditen sogar noch zu übertreffen. Langsam nähern sich die Profitmargen für grosse Kapitalien wieder den mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Zinsen im Italien der Medici und dem
    Augsburg der Fugger und Welser.
    Firmenmanager oder Alteigentümer werden selbstverständlich an diesen Renditen beteiligt oder abgefunden! Firmenmitarbeiter sind die einzigen Menschen, die den Druck der internationalen Konkurrenz, die wachsende Produktivität von Maschinen und künstlicher Intelligenz und die, betriebs- wirtschaftlich über längere Zeiträume nicht zu haltenden, Renditeerwartungen von Anleger-Firmen mit allen Folgen tragen müssen.
    Härtere Besteuerung von Veräußerungsgewinnen, Tobin- Steuer
    und Neuaufbau der Arbeitnehmermacht wären sinnvolle Wege zur
    Kontrolle. Doch wer von den etablierten Parteien setzte so etwas um, angesichts des überlegenen Erpressungspotentials
    der Kapitaleigner?

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