D ie gute Nachricht ist: In kaum einem Bereich der Wirtschaft arbeiten so viele Frauen in einer Führungsposition wie in der Public-Relations-Branche: Immerhin 22 Prozent der Chefsessel besetzen hier Frauen. Die schlechte Nachricht ist: Sie verdienen im Schnitt etwa 900 Euro weniger im Monat als ihre männlichen Kollegen – bei gleicher Arbeit. Und sie sind häufiger in zuarbeitenden und produzierenden Funktionen beschäftigt, wohingegen planerische und organisatorische Managementaufgaben vor allem von Männern wahrgenommen werden, so die Ergebnisse einer gerade veröffentlichten Studie der Universität München über Karrierechancen von Frauen und Männern in der PR-Branche.

Dabei sind Frauen, rein statistisch gesehen, in der Überzahl: 53 Prozent der in der PR-Branche Beschäftigten sind laut Studie weiblich. Unter den Berufsanfängern sind es sogar über 80 Prozent. Kein Wunder, schließlich wird Frauen in Sachen Kommunikation landläufig eine besondere Begabung zugesprochen. Die als "weiblich" geltenden Eigenschaften wie gutes Konfliktmanagement, Instinkt und das Gespür, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen, sind in der Branche Schlüsselqualifikationen. Eigentlich also ein ideales Spielfeld für aufstiegswillige Frauen. Doch der Widerspruch zwischen angeblicher Naturbegabung und tatsächlichen Karrierechancen ist groß. "Frauen stehen bei Gehalt, Aufgabenspektrum und Aufstiegschancen ganz klar hintenan", sagt Romy Fröhlich, Professorin am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IfKW) der Ludwig-Maximilians-Universität München und Mitautorin der Studie.

Für die Wissenschaftlerin steht fest: Ausgerechnet die Eigenschaft, die Frauen angeblich besonders für Berufe der Public Relations qualifiziert, steht ihrer Karriere im Weg. Mag das vermeintlich weibliche Kommunikationstalent beim Berufseinstieg und auf unteren Hierarchiestufen noch als Vorteil fungieren, erweist es sich bei weiteren Karriereschritten schnell als Eigentor. Plötzlich wird der sympathischen Kollegin mangelnde Durchsetzungsfähigkeit, schwach ausgebildete Führungskompetenz und konfliktscheues Teamverhalten attestiert. "Freundlichkeitsfalle" nennt die Autorin Fröhlich dieses Phänomen: "Wer einmal als ›nettes PR-Mädel‹ abgestempelt ist, wird beim nächsten Meeting zwar freundlich angelächelt, aber nicht mehr ernst genommen."

Sie haben keine Lust auf Machtkämpfe

Barbara Bierach erstaunt das wenig. Die Autorin des Bestsellers Das dämliche Geschlecht – Warum es kaum Frauen im Management gibt, ist überzeugt: Vielen Frauen ist es viel zu anstrengend, Karriere zu machen. Anstatt unzählige Machtkämpfe mit Kollegen durchzustehen und Freizeit zu opfern, sitzen sie lieber mit einer Frauenzeitschrift auf dem Balkon. Prinzipiell in Ordnung, findet Bierach: "Aber dann darf man auch nicht über die bösen, bösen Männer schimpfen, die einen nicht mitspielen lassen wollen. Die Frauen müssen sich schon selbst die Hälfte des Himmels nehmen, die ihnen zusteht."

Das Erstaunliche: Es schimpft niemand. Mehr als 80 Prozent aller Befragten in der PRBranche äußerten sich in der Studie "zufrieden" oder "sehr zufrieden" über den Beruf. Ihre Karrierechancen beurteilten Frauen sogar leicht besser als Männer. Nur eine Minderheit von sechs Prozent nannte die Benachteiligung von Frauen oder die Unvereinbarkeit von Familie und Beruf als Grund für persönliche Unzufriedenheit. Allerdings verzichten 82 Prozent aller PR-Frauen laut Studie lieber in einer Art vorauseilendem Gehorsam ganz auf ein Kind, bei den Männern sind es nur 46 Prozent. Gerade die ausgeprägte Dienstleistungsmentalität in PR-Berufen verlange ein ausgesprochen hohes Maß an zeitlicher Flexibilität, sagt eine selbstständige PR-Beraterin.

"In Deutschland scheitern die Frauen gleich an zwei Fronten," sagt Barbara Bierach, "sie machen keine Karriere und kriegen keine Kinder." Tatsache ist, dass in fast allen anderen westlichen Industrieländern der Prozentsatz arbeitender Mütter höher ist als in Deutschland. Während hierzulande laut Angaben der Familienzeitschrift Eltern nur etwa 58 Prozent aller Mütter berufstätig sind, sind es in Norwegen 77 und in Dänemark gar 78 Prozent. Und in den Nachbarländern bekommen die Frauen auch noch mehr Kinder. Deutschland gehört da in Europa zu den Schlusslichtern.