Im Gefühlshaushalt der Franzosen rangiert es gleich hinter Großprojekten wie TGV und Airbus: das 8000 Kilometer lange nationale Autobahnnetz. Doch jetzt will die Pariser Regierung unter Dominique de Villepin ihre bis zu 75-prozentigen Anteile an den öffentlichen Betreibergesellschaften verkaufen.

Schon warnt die linke Opposition vor der Verschleuderung unserer Familienjuwelen. Beim Bieterverfahren mit 18 internationalen Interessenten sollen mindestens 13 Milliarden Euro erlöst werden. Dagegen wenden Kritiker der Privatisierung ein, dass die blitzsauberen Bitumenbänder bis zum Auslauf der staatlichen Konzessionen im Jahr 2032 etwa 35 Milliarden Euro an Gebühren erwirtschaften. Dem hält das Finanzministerium entgegen, 13 Milliarden bar auf die Hand seien heute - Zinsen und Inflation eingerechnet - genauso viel wie 35 Milliarden in 30 Jahren. Aussichtsreiche Bieter sind der französische Gigant Vinci, der über seine Tochter Cofiroute auch am deutschen Mautbetreiber Toll Collect beteiligt ist, sowie die italienische Autostrade (Benetton-Gruppe) und der spanische Betreiber Albertis. Und schon wird darüber gestritten, was mit dem zu erwartenden Geldsegen zu tun sei. Kritiker fordern Investitionen in neue grands projets, während die Regierung einen Teil der Staatsschulden von einer Billion Euro abbauen will. Trotz aller Proteste will sich die Regierung nicht von der Einsicht abbringen lassen: Der Betrieb von Mautstationen und Baukolonnen gehört heutzutage nicht mehr zu den zentralen Staatsaufgaben.