DIE ZEIT: Wie viele Hurrikane sind in diesem Jahr bereits über den atlantisch-karibischen Raum und Amerika hinweggefegt?

Ernst Rauch: Sie fegen in alphabetischer Reihenfolge, Katrina ist Nummer elf der benannten Tropenstürme und Hurrikane. Hinzu kommen noch zwei unbenannte, schwächere Stürme.

ZEIT: Reicht das Alphabet aus bis Sylvester?

Rauch: Im Mittel der vergangenen Jahrzehnte wurden etwa zehn Tropenstürme jährlich benannt. Die Saison dauert vom Mai bis in den Dezember. Obwohl die Hauptsaison erst begonnen hat – sie schwächt sich im Oktober wieder ab –, hatten wir bereits so viele Tropenstürme wie normalerweise im gesamten Jahr. Wir erwarten noch fünf bis acht weitere Stürme in dieser überaktiven Saison im Atlantik und in der Karibik.

ZEIT: Warum?

Rauch: Mehrere Faktoren spielen eine Rolle. Erstens eine Jahrzehnte dauernde natürliche Schwankung der Sturmaktivität. Ab 1995 begann sie zu steigen, in den beiden vergangenen Jahren lagen die Werte bei 15 bis 16 Ereignissen, etwa die Hälfte mehr als langjährig üblich. Ob wir heuer den Rekordwert von 21 aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts erreichen oder gar überschreiten, ist noch offen. Bereits im Juni und im Juli 2005 verzeichneten wir eine absolute Rekordaktivität.

ZEIT: Und was sind die weiteren Faktoren?

Rauch: Die Wassertemperaturen im Golf von Mexiko und im Atlantik liegen ein bis vier Grad höher als üblich. Je wärmer das Oberflächenwasser ist, umso mehr und intensivere Stürme entstehen. Auch da gibt es natürliche Schwankungen.

ZEIT: Spielt der Treibhauseffekt eine Rolle?

Rauch: Die natürlichen Schwankungen werden überlagert von einem Trend zu vermehrten Stürmen. Deren Zahl steigt sowohl in flauen Phasen als auch in sturmreichen Jahren. Die genaue Ursache ist noch unbekannt, aber der Trend passt zu den Prognosen, dass die Klimaerwärmung zu größerer Sturmaktivität führt.