Die Rede vom "Big Bang" in der Telekommunikation, als 1998 die Marktkonkurrenz für Telefonanbieter eingeführt wurde, empfanden viele Franzosen damals als reichlich hoch gegriffen. Zwar konnten die Kunden erstmals zwischen den Preisen verschiedener Anbieter beim Telefonieren wählen. Doch der Durchbruch zur integrierten Kommunikation geschah erst Ende 2003. Damals preschte ein Branchenzwerg namens Free vor, ein kleiner Netz-Provider, der erstmals Fernseh-, Telefon- und Internet-Dienste aus einer Hand anbot. Mehr als 500000 Nutzer hat er heute. Vom Erfolg des Nebenbuhlers überrascht, startete auch der ehemalige Monopolist France Télécom im vergangenen Jahr seine digitale Offensive.

In weniger als zwei Jahren wurden Frankreichs Kommunikationsnetze radikal modernisiert. Und weil die Anbieter einander scharf beäugen, wird Telefonieren, Surfen und Fernsehen über traditionelle Kupferkabel, die digital zu Hochgeschwindigkeitsleitungen aufgerüstet wurden, immer billiger.

Gleichwohl bleibt der direkte Vergleich der Provider verwirrend. Während das Basisprogramm von Free inklusive Receiver, Telefon und High-Speed-Internet-Verbindung für 29,90 Euro im Monat erhältlich ist, fallen dafür bei France Télécom 50,90 Euro monatlich an. Hinzu kommen 75 Euro Kaution für den Receiver, die jedoch bei Rückgabe des Gerätes in einwandfreiem Zustand erstattet werden. Free kann allerdings nur per Internet oder – bei technischen Problemen – über eine Hotline kontaktiert werden. Dagegen wirbt France Télécom mit zahlreichen Filialen im ganzen Land und der Unterstützung durch Télécom-Mitarbeiter bei der Wartung vor Ort.

Schwer durchschaubar ist zudem das Bouquet der Programme, von deren Qualität man sich oft erst nach Vertragsabschluss überzeugen kann. Free offeriert im Basisangebot mehr als 90 Kanäle – darunter ein Dutzend europäische und orientalische Sender, Nachrichten- und Regionalkanäle; traditionelle und neue Publikumssender wie Arte, Eurosport und der Musiksender ZIK. Über dieses Standardprogramm können weitere Programme einzeln oder im Paket hinzugekauft werden.

Dagegen wirkt das teurere Kompaktprogramm von France Télécom nicht ganz so verlockend. Das Basispaket enthält 36 französische und internationale Sender – darunter ARD, CNN und BBC –, kostenlose Telefonverbindungen ins französische Festnetz und High-Speed-Internet-Verbindungen. Trotzdem haben sich bis Mitte 2005 Jahres mehr als 130000 Franzosen für das Angebot von France Télécom entschieden; bis Ende des Jahres rechnet das Unternehmen mit einem Anstieg auf 200000. Ein Grund dafür ist, dass die Kunden eben den bewährten persönlichen Service wollen – und dafür auch mehr zu zahlen bereit sind.