Jetzt nimmt sich Yahoo! das Fernsehen vor. Die Firma, die bisher eine Fülle von Internet-Informationsdiensten wie Wettervorhersagen, Reisevermittlung, Nachrichten und Partnersuche anbietet, will ins TV-Geschäft. Speziell fürs Internet angefertige Sendungen hat Yahoo! bereits ausgestrahlt, etwa Sonderfolgen der erfolgreichen amerikanischen Reality-TV-Serien The Apprentice mit Donald Trump. Weitere solcher Produktionen sind geplant. Yahoo! will künftig sogar eigene Programme aufnehmen: von Sport über Nachrichten bis hin zu Talkshows. Vor allem aber will Yahoo! aus der Kombination von Fernsehen und Internet ein neues Geschäftsmodell schaffen. Das Internet erlaubt es Zuschauern, die Inhalte ähnlich wie beim Pay-per-View-Fernsehen nach Lust und Laune abzurufen – oder es liefert Links zu weiteren Informationen, auf die ein Internet-Fernsehzuschauer klicken kann. Das ist ein Königreich für Werber.

Allerdings ist Yahoo! mit solchen Versuchen längst nicht mehr allein. Verschiedene Programmanbieter machen es bereits möglich, Sendungen aufzurufen. Als AOL und Fernsehsender wie ABC und MTV kürzlich weltweit das Live-8-Benefizkonzert übertrugen, gab es mehr Zuschauer im Internet (rund 15 Millionen) als im Fernsehen (etwa 5 Millionen).

Werbespots auf solchen beliebten Kanälen kosten bereits ähnlich viel wie solche im Fernsehen. Andere Anbieter versuchen, Geld für ihre (dann werbefreien) Online-Fernsehsendungen zu kassieren. Der Online-Dienst Real Networks ist ein Pionier in diesem Geschäft: Für 12,99 Dollar im Monat können Abonnenten eine Fülle von Fernsehsendungen schauen, außerdem kostenlos Musik herunterladen, Spiele spielen und dergleichen mehr. Auch CNN will im Herbst einen kostenpflichtigen Dienst anbieten, der Live-Sendungen und archivierte Sendungen anzeigenfrei ausstrahlt. Für 14,95 Dollar im Monat kann man sich beispielsweise Spiele der Major League Baseball anschauen.

Wobei freilich die Frage bleibt: Gibt es einen Markt für so viel Extrafernsehen? Anzeigenfinanzierte Programme können die meisten Amerikaner schon jetzt kostenlos per Antenne oder ab 20 Dollar im Monat per Kabel oder Satellit empfangen. Oft haben sie dann mehrere hundert Kanäle zur Auswahl, und viele abonnieren zusätzlich anzeigenfreie, kostenpflichtige Kanäle. Dann steigen die monatlichen Kosten fürs Fernsehen leicht auf 40 bis 60 Dollar.

Viele Marktbeobachter glauben, dass die Einwohner der Vereinigten Staaten in Zukunft tatsächlich noch mehr fernsehen könnten als bisher. Nach Informationen der Medienforschungsgesellschaft Eurodata verbringt ein Amerikaner im Durchschnitt schon heute 4 Stunden und 28 Minuten vor dem Fernseher, 86 Minuten mehr als der weltweite Durchschnitt. Fernsehmacher, Kabel- und Telefongesellschaften richten sich daher auf einen Verteilungskampf ein. Sie investieren Milliarden Dollar in schnellere Netzwerke. Mehr als hundert örtliche Telefongesellschaften bieten bereits heute den Zugang zu verschiedenen Fernsehangeboten im Internet. Der Telefonriese SBC hat inzwischen sogar ein eigenes Team von Medienexperten angeheuert, das Inhalte wie Filme und Archive von Fernsehsendungen zusammenkaufen soll.