Wenn es um Studiengebühren und -kredite geht, wird oft auf die gängige Praxis in anderen Ländern wie den USA oder Großbritannien verwiesen. Weitaus weniger Bereitschaft zu Vergleichen mit andern Ländern herrscht hingegen, wenn es um das Volumen der Stipendien von Staat und Wirtschaft geht. Hier nämlich besteht der Nachholbedarf nicht beim Kassieren, sondern beim Spendieren.

Beispiel USA: Zwar sind dort hohe Studiengebühren gang und gäbe, dafür greifen Staat und Wirtschaft den Studierenden aber auch gern mit Stipendien unter die Arme. So erhielten US-Studenten im vergangenen Jahr 122 Milliarden Dollar an Unterstützung von staatlichen Stellen und privaten Stiftern. Allein über das staatliche Pell-Stipendium erhalten Studenten jährlich 12,7 Milliarden Dollar - das sind 42 US-Dollar pro Einwohner. Das wiederum ist nur ein Teil des gesamten Stipendienmarktes in den USA, der von Staat, Hochschulen und Wirtschaft finanziert wird.

Eher bescheiden erscheinen demgegenüber die Zahlen des wohl bekanntesten staatlichen Stipendiums in Deutschland: Für das Bafög, das zumindest teilweise als Zuschuss gewährt wird, stehen nach den neuesten Zahlen aus dem Bildungsministerium 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Das sind 18,30 Euro pro Bundesbürger.

Auch Förderprogramme, die von den Hochschulen selbst oder aus der Wirtschaft finanziert werden, sind in Deutschland längst nicht so verbreitet wie in anderen Ländern. Der mit Abstand größte Stipendienanbieter ist die von Bund, Ländern und privaten Sponsoren getragene Studienstiftung des deutschen Volkes mit derzeit rund 6000 Stipendiaten. Ansonsten gibt es nicht einmal eine Hand voll Einrichtungen, die jeweils mehr als 1000 Studenten ein Stipendium gewähren.

Während Studienkredite von den Anbietern groß beworben werden, sind Neuentwicklungen im Bereich der Stipendien derzeit Mangelware. Zwar kündigte bereits im März der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) durch seinen Präsidenten Jürgen Thumann vollmundig an, die Industrie sei bereit, Geld in die Hand zu nehmen. Passiert ist seitdem jedoch nichts, konkrete Planungen zu BDI-Stipendien oder Studienfonds gibt es nicht. Man wolle erst einmal abwarten, bis die Studiengebühren auch tatsächlich eingeführt werden, heißt es auf Nachfrage beim BDI.