Einfach war das Verhältnis zwischen der Stadt Brühl und ihrem bedeutendsten Sohn nie. Zur ersten Max-Ernst-Ausstellung im städtischen Schloss kamen 1951 so wenige Besucher, dass am Ende ein sattes Defizit entstand und die Stadt entschied, das 1947 entstandene Gemälde Geburt der Komödie kurzerhand zu verkaufen. Max Ernst war verstimmt, vor seinem Tod schenkte er Brühl dann aber doch noch verschiedene Arbeiten, die bislang im kleinen Max-Ernst-Kabinett zu sehen waren. Die Kölner Kreissparkasse ergänzte die Kollektion nach und nach, vor allem um Papierarbeiten, Frühwerke und rund 70 Skulpturen. Vom kommenden Wochenende an sind all diese Werke nun in einem umgebauten Vergnügungslokal, dem Brühler Pavillon aus dem Jahr 1844, zu sehen, der dann als Max-Ernst-Museum eröffnet wird.

Zusammengestellt wurde die Ausstellung von dem Kunsthistoriker Werner Spies.

Durch seine langjährige Freundschaft mit dem Künstler hat er seit Jahrzehnten das Vermittlungsmonopol: Jede bedeutende Ausstellung des Künstlers wurde von ihm kuratiert, eine andere Sicht auf das Ernst-OEuvre war nie möglich. Sie ist es auch jetzt in Brühl nicht. Spies hat seine Kontakte genutzt, um eine respektable Retrospektive des Künstlers zu inszenieren. Rund hundert Leihgaben - darunter etwa fünfzig Ölgemälde - ergänzen die Sammlung des Museums. Viele der wichtigen waren auch in den Max-Ernst-Retrospektiven von 1991 und 1999 zu sehen. Das mag für ihre Bedeutung sprechen, kündet aber nur wenig von kuratorischem Wagemut. Man geht in Brühl auf Nummer sicher.

Das gilt auch für den Umbau des historischen Gebäudes durch den Architekten Thomas van den Valentyn, der einen neuen zentralen Trakt einfügte. Kurz vor der für April geplanten Eröffnung waren angeblich erhebliche Baumängel aufgetreten, der Termin musste verschoben werden. Auf die Mängel hingewiesen hatte die Museumsdirektorin Bettina Mette - ihr wurde gekündigt. Immerhin hat sich das von ihr kritisierte Vorhaben, als Museumsdepot einen unterirdischen Raum zu nutzen, durch den die wasserführenden Rohre der Klimaanlage verlaufen, inzwischen zerschlagen. Verstärkt wurden die Querelen allerdings durch das wenig souveräne Verhalten von Oberbürgermeister Michael Kreuzberg (CDU). In einer denkwürdigen Sitzung des Hauptausschusses der Stadt Brühl Ende April verweigerte er der Opposition im Gutsherrenton (Ich wehre mich gegen diese Nötigung) gar die Veröffentlichung der aus öffentlichen Mitteln bezahlten relevanten Gutachten. Sie sind aus unerfindlichen Gründen bis heute unter Verschluss geblieben.

Ebenfalls unklar ist, warum der Museumsleiterin eigentlich gekündigt wurde.

Gemutmaßt wird, dass die Max-Ernst-Stiftung mit einer Frühstücksdirektorin gerechnet hatte, die unter Werner Spies vor allem die laufenden Geschäfte des Museums koordiniert hätte. Mettes eigenständige Position sei auf zunehmenden Unwillen gestoßen. Offiziell nimmt die Stiftung aus arbeitsrechtlichen Gründen keine Stellung zur von ihrem dreiköpfigen Vorstand ausgesprochenen Kündigung. Ihm sei zu den Gründen nichts bekannt, kommentierte seinerzeit auch Werner Spies, immerhin Vorstand von Rat und Kuratorium der kündigenden Stiftung, den Vorgang lapidar. So wird man am Ende den Eindruck nicht los, dass der Adler Ernst ins Nest Brühl noch immer nicht so recht passen will.