Zehntausende Euro kostet ein Studium, über die Jahre gesehen. Lebenshaltung und Lernmittel zwingen viele angehende Akademiker schon heute dazu, Nebenjobs nachzugehen, Bafög zu beantragen oder auf Zuschüsse der Eltern zurückzugreifen. Wer dies nicht kann, dem bietet sich künftig die Chance des Studiums auf Pump.

Angestoßen von der Diskussion um Studiengebühren, entsteht derzeit ein neuer Markt - der Markt für Studienkredite. Mit großen Werbeaufwand bringen Banken in den kommenden Wochen die ersten Finanzierungsmodelle an den Markt, mit denen sie gezielt die Finanzierung der laufenden Ausgaben während der Studienzeit anbieten. Damit gehen sie weit über die reine Finanzierung der Studiengebühren hinaus, die künftig je nach Bundesland bei maximal 500 Euro pro Semester liegen werden. Doch was großzügig klingt, hat viele Haken. Sehen Studenten die neuen Kredite als Königsweg aus der finanziellen Klemme, könnte sie das Studium auf Pump direkt in die Schuldenfalle führen.

Der erste Vorstoß kam von der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Unabhängig vom Studienfach und vom Einkommen der Eltern, sollen Studierende maximal zehn Semester lang bis zu 650 Euro pro Monat erhalten können - allerdings nur als Kredit und nicht als Zuschuss. Geplant ist ein variabler Zinssatz, der, sollte die aktuelle Niedrigzinsphase anhalten, gut fünf Prozent betragen würde. Je nachdem, ob nach dem Studium gleich Karriere gemacht wird oder durch Arbeitslosigkeit und Kindererziehungszeiten Einkommensausfälle auftreten, kann sich die Rückzahlung über 10 bis 25 Jahre erstrecken. Vor wenigen Wochen allerdings verschob die KfW den Start ihres Kreditprogramms vom Wintersemester 2005 ins Sommersemester 2006. Das neue Produkt solle nicht im bevorstehenden Wahlkampf in eine Diskussion um Bildungsfinanzierung und Studiengebühren geraten, so die Begründung der staatlichen Bank.

Damit hat zumindest rein terminlich die Deutsche Bank als bundesweit agierender Konkurrent die Nase vorn. Von Oktober an will sie in ausgewählten Filialen in Universitätsstädten einen Studienkredit anbieten. Allerdings ist in ihrem Angebot der Zins deutlich höher als beim KfW-Modell: Zwischen 5,9 und 9,9 Prozent sollen die Studenten zahlen. Andere, regionale Angebote für die oft klamme Zielgruppe gibt es schon seit längerer Zeit, so etwa den SpaFöK-Kredit der Flensburger Sparkasse oder den Campus-Credit der Nord-Ostsee-Sparkasse.

Wer 19 200 Euro aufnimmt, muss 31 700 Euro zurückzahlen

Allen Modellen ist gemeinsam, dass die Auszahlung des Kredites nicht auf einen Schlag erfolgt, sondern in monatlichen Raten während des Studiums. Die Obergrenze hängt vom Anbieter ab: Während die Deutsche Bank bis zu 800 Euro pro Monat auszahlt, bekommen die studierenden Kreditkunden der beiden norddeutschen Sparkassen maximal 300 Euro pro Monat. Sicherheiten wie beispielsweise eine Bürgschaft der Eltern werden nicht verlangt. Nach Abschluss des Studiums müssen die Kredite ebenfalls in monatlichen Raten wieder abgestottert werden. Zahlungspausen oder die Streckung der Rückzahlung durch reduzierte Raten sind in unterschiedlichem Umfang möglich.

Die Gefahren lauern im Detail. So liegt zum Beispiel aufgrund der langen Gesamtlaufzeit und des Zinseszinseffektes der tatsächliche finanzielle Aufwand in der Regel weit höher als die Summe der Auszahlungsbeträge. Ein Rechenbeispiel der Deutschen Bank zeigt: Wenn über vier Jahre hinweg 400 Euro ausgezahlt werden und der Absolvent die aufgelaufenen Schulden direkt im Anschluss daran im Lauf von neun Jahren zurückzahlt, liegt die Summe der Rückzahlungen inklusive Zinsen bei 31 700 Euro, während im Lauf des Studiums nur 19 200 Euro ausgezahlt wurden.