Wolfgang Bauer gehörte zu denen, die Schluss machten. Mit dem Schweigen der fünfziger und sechziger Jahre. In den Theaterstücken Magic Afternoon, Change und Die Gespenster wurden Wirklichkeiten ausgesprochen. Derbe Schlafzimmerwirklichkeiten waren das, die das Politische enthüllten. Das waren Skandale. Riesenskandale. 1968 fand in Österreich im Theater statt.

Wolfgang Bauer war der Revolutionärpopstar davon. Revolutionär. Avantgardist.

Das sind Etiketten, die ihr eigenes Ablaufdatum liefern. Und. Die Gesellschaft wandte sich dem Duo Thomas Bernhard/Claus Peymann zu. Da konnte die im Theater sitzende Mittelschicht über die Oberschicht lachend richten.

Man musste sich nicht selbst als Aufsteiger auf der Bühne sehen. Und. Dem Theater wurde Sexualität erspart. Das war feiner. Die sozialrealistischen Stücke Wolfgang Bauers verweigerten sich einer ähnlichen Ästhetisierung. Mit dem Peymannschen Burgtheater wurden dann die Skandale verlernt. Wolfgang Bauer verschwand. Wolfgang Bauer schrieb weiter. Im Roman Der Fieberkopf oder in den genialen Mikrodramen entwickelte er Entwürfe, die der internationalen Avantgarde der Zeit zuzurechnen sind. Während aber Wilson, Shaffer, Grotowski oder Beck ihre Entwürfe realisierten, schrieb Wolfgang Bauer sie für die Nichtrealisierung. Die Theateravantgarde löste sich in den Mainstream auf.

Wolfgang Bauer blieb in seinem Verzicht auf die Theaterrealität immer Avantgarde. Das ist ein Kunstwerk an sich, ein langer Kampf gegen die öffentliche Etikettierung. Im Nachruf des ORF werden die frühen Stücke als die künstlerischen Höhepunkte Wolfgang Bauers bezeichnet. So wird einer zu einem Frühverbrannten gemacht. Die Kritik benutzte Bauers angegriffenen Gesundheitszustand, um die Texte der letzten Jahre abtun zu können. Das sind Probleme einer Kritik, die der Literatur ihrer Zeit nicht gewachsen ist.

Wolfgang Bauer war der Dramatiker, der in einer Vielstimmigkeit von Bildsprachen die Realität als widerspruchsvoll und bizarr nachwies. Ein bildlakonischer Absurdist. Und ein großartiger Interpret seiner eigenen Texte. Am 26. August ist er gestorben, mit 64 Jahren.