Die Antwort scheint auf den ersten Blick leicht: Schwarze Oberflächen absorbieren mehr Sonnenstrahlen als weiße. Deshalb heizen sich schwarze Autos im Sommer besonders stark auf. Aber Schwarz nimmt nicht nur mehr Wärme auf, es strahlt auch mehr Wärme ab. Und der menschliche Körper produziert ständig Wärme, die irgendwie nach außen geleitet werden muss. Das kann schwarze Kleidung besser.

Was wiegt nun stärker? Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. 1978 haben drei Zoologen der Washington State University die Frage für Vögel untersucht – weißes gegen schwarzes Federkleid. Ihr Ergebnis: Es kommt auf die Nebenbedingungen an. Bei Windstille wurde schwarzen Vögeln besonders heiß, ein weißes Federkleid kühlte besser. Die Ergebnisse kehrten sich allerdings um, als man eine leichte Brise von mehr als 10 Kilometern pro Stunde wehen ließ. Weil der Wind Hitze vom Körper wegtransportiert und so die Wärmeabstrahlung unterstützt, waren plötzlich die schwarzen Vögel im Vorteil. Am günstigsten war ein luftiges schwarzes Federkleid – das entspricht der Empfehlung, es wie die Tuareg zu halten und locker fallende dunkle Kleidung zu tragen.

Die wenigsten von uns laufen aber in wallenden Gewändern herum. In Bezug auf eng anliegende T-Shirts kamen dänische Forscher zum gegenteiligen Ergebnis: Sie ließen Testpersonen auf einem Trainingsrad strampeln und bestrahlten ihren Rücken mit künstlichem Sonnenlicht. Dabei trugen die Versuchspersonen weiße oder schwarze Hemden aus Baumwolle oder Polyester. Ergebnis: Man schwitzt in schwarzer Baumwolle am meisten, in weißem Polyester am wenigsten.

Insgesamt sind aber die Unterschiede sehr gering. Vielleicht tragen die Nomaden der Sahara ja auch deshalb Schwarz, weil sie es sich im Gegensatz zu den Mitgliedern des saudischen Königshauses nicht leisten können, täglich den sandigen Umhang zu wechseln. Christoph Drösser

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