Es ist ein schöner Abend für den Kanzler. Die Gäste genießen die laue Abendluft, von der Spree hört man das Lachen der Touristen. Der Hausherr soll eine Skulptur enthüllen; Günter Grass hält eine Laudatio, in der er Gerhard Schröder als Friedenskanzler lobt. Im Garten des Kanzleramts flanieren Künstler, Schauspieler, ein paar Medienleute, jede Menge Schröder-Freunde. Im Hintergrund glänzt das Kanzleramt in der Abendsonne. Die Szene ist wie geschaffen für ein rot-grünes Erinnerungsbild.

Nur wollen sie genau das natürlich nicht, erinnern, resümieren, bilanzieren. Die Berater nicht, der Kanzler nicht und auch seine Frau nicht. Es ist gar nicht so einfach, mit Doris Schröder-Köpf in diesen Tagen über ihre sieben rot-grünen Jahre zu reden, dafür muss man keine Journalistin sein, um zu merken, wenn eine Frage nach Abschied riecht. Wahlkämpfer denken nicht an Abschied, sondern an Sieg.

Wie funktioniert das, in diesen Tagen? Ist Wahlkampf immer ein bisschen Selbsthypnose, wie Siegmar Gabriel kürzlich behauptet hat? Man muss es machen wie ein Profiboxer, sagt sie: mit extremer Konzentration auf den jeweils nächsten Tag. So wie Dariusz Michalczewski, der auch zum Freundeskreis der Schröders gehört: Das Essen am Abend vorher ist wichtig, der Schlaf, die Fitness. Zweifel werden auf die Zeit nach der Entscheidung vertagt. So leben die Schröders, wenn Wahlkampf ist. "Man will es so machen, dass man sich hinterher nichts vorzuwerfen hat", sagt Schröder-Köpf. "Nicht so wie bei Edmund Stoiber, dem 2002 am Ende ein paar tausend Stimmen fehlten."

Ihr Mann hat bis zur Wahl keinen Tag mehr frei. "Den Gerd würd’s jetzt zu Hause gar nicht halten", sagt sie.

Der Kanzler hat seine Frau an diesem Abend ein paar Mal suchen müssen und zu sich vor die Kameras gezogen. Sie hält sich zurück in diesem Wahlkampf. Seit dem letzten Interview ist ein halbes Jahr vergangen, wenn Schröder-Köpf doch mit Journalisten spricht oder Beiträge schreibt, geht es meist um den Vorrang der Familie. Sie will sich vor allem um die beiden Töchter kümmern, die 14-jährige Klara und die vierjährige russische Adoptivtochter Viktoria. Spaziergänge mit den beiden sind im Moment wichtiger als jede Party in Berlin. Öffentliche Auftritte beschränkt sie auf das Nötigste: Wahlkampfauftakt in Hannover, Tag der offenen Tür im Kanzleramt, SPD-Parteitag, Papstbesuch. Mehr geht nicht. Der Kanzler hat sich und seine Agenda zur Abstimmung gestellt, nicht sich und seine Frau.

2002, im letzten Wahlkampf, klang das manchmal anders. Zumindest textete jemand von der SPD-Basis, man wähle "Doris ihren Mann seine Partei", und schließlich warben in ganz Deutschland SPD-Mitglieder mit dem Spruch. Doris war Kult.

Die meisten Wähler hatten sie im Jahr davor erst richtig kennen gelernt, als sie in Lesungen ihr Buch vorstellte, das den Politikbetrieb für Kinder und Jugendliche erklärte, oder für das Sorgentelefon "Nummer gegen Kummer" Spenden sammelte. Sie sprach mit vielen Journalisten, gab Interviews zu Erziehungsfragen, und ab und zu lud sie eine Runde von Parlamentskorrespondentinnen zum Essen ins Kanzleramt ein, einige davon alte Kolleginnen aus ihren Zeiten als Bonn-Korrespondentin für die Kölner Boulevardzeitung Express und für Bild.