Eigentlich ist Kohlendioxid (CO2) harmlos. Jeder hat es im Atem und schlürft es gern. Als Kohlensäure bringt dieses Gas Bier und Mineralwasser zum Sprudeln. Aus Mund und Glas verschwindet es in die Atmosphäre – und steigert unmerklich ein riesiges Problem. CO2 wirkt als Treibhausgas wärmeisolierend und erhöht so die Temperatur auf der Erde. Leider entfleucht es nicht nur Mensch und Bier, sondern in riesigen Mengen auch aus Autos, Flugzeugen, Heizanlagen und Kraftwerken, die fossile Brennstoffe wie Erdöl, Gas oder Kohle verfeuern. Indirekt trägt jeder Deutsche jährlich mit zehn Tonnen CO2 zum Treibhauseffekt bei. Wie Wirbelstürme geboren werden BILD

Der weltweite Ausstoß steigt, sollte aber deutlich sinken. Nur zwei Wege führen zu diesem Ziel: Entweder weniger fossile Energie verbrauchen – oder das beim Verfeuern unweigerlich entstehende Kohlendioxid abfangen und von der Atmosphäre wegsperren. CO2-Sequestrierung (Englisch: Absonderung) geistert als neues Zauberwort durch die Umwelttechnik. Das Klimagas soll im Kraftwerk abgetrennt und sicher deponiert werden.

Mehr als 25 Milliarden Tonnen CO2 pustet die Menschheit jedes Jahr in die Atmosphäre, ein Drittel davon stammt allein aus Kohlekraftwerken. Die Umwandlung von Kohle in Elektrizität ist daher die mit Abstand größte Gefahr für das Klima. Und sie wächst noch, allen Klimakonferenzen zum Trotz. Denn der Strom für Chinas Wirtschaftsboom wird aus den gewaltigen Kohlevorräten des Landes gewonnen. Die CO2-Sequestrierung könnte besonders dort zur Wunderwaffe gegen den Treibhauseffekt werden. Das klingt faszinierend. Realistisch ist es – zumindest vorerst – nicht. Das Einsammeln, Transportieren und Einlagern von CO2 ist kompliziert und gelingt nicht ohne Energieverluste. Trotzdem prophezeiten in einer europaweiten Meinungsumfrage 88 Prozent von 670 befragten Energieexperten, eine praktische Anwendung dieser Technik – allerdings wohl erst nach 2020.

Die US-Regierung investiert viel Geld in die CO2-Vermeidungsforschung

Viele offene Fragen sind bis dahin zu klären. Auf einer Liste der Internationalen Energie-Agentur stehen 105 einschlägige Forschungsprojekte, rund die Hälfte davon laufen in Nordamerika. 500 Millionen Dollar stellt die US-Regierung in den nächsten zehn Jahren für Entwicklung und Bau eines Versuchskraftwerks zur Verfügung: In ihm soll Kohle in Gas umgewandelt und bereits vor der Verbrennung klimaunschädlich gemacht werden.

Auch in Deutschland wird mit dieser Technik experimentiert, allerdings in erheblich kleinerem Maßstab. "Die Amerikaner stecken immer sehr viel Geld in Demonstrationsanlagen, besonders effizient war das bisher aber nicht", sagt Roland Berger, der an der Universität Stuttgart eine Technik zur CO2-Abscheidung in Kohlekraftwerken entwickelt. Fünf Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung. Bis Ende nächsten Jahres soll das Konzept eines kleineren Versuchskraftwerks vorliegen. Sein Wirkungsgrad soll trotz CO2-Abscheidung noch 90 Prozent eines konventionellen Kohlekraftwerks erreichen .

Auch die Deponierung von CO2 wird weltweit erforscht. Seit 1996 presst der norwegische Ölkonzern Statoil jährlich eine Million Tonnen CO2 in ausgediente Bohrlöcher des Sleipner-Gasfeldes unter der Nordsee. Das lohnt sich sogar, weil Statoil damit die weltweit einmalige norwegische CO2-Steuer auf die geförderte fossile Energie einspart. Eine kanadische Ölgesellschaft drückt mit ähnlich großen Mengen CO2 die verbliebenen Ölreste aus einem fast vollständig ausgebeuteten Feld. Auch das lohnt sich. Ob das Treibhausgas jedoch über längere Zeit im Untergrund bleibt oder schon nach einigen Jahren wieder austritt, ist bisher nicht geklärt. Vor allem ehemalige Öl- und Gasfelder ähneln mit ihren vielen Bohrlöchern eher einem Schweizer Käse als einem hermetisch abgedichteten Endlager.