Welches Urteil wusste George Bush einst mit scharfen Durchblick über sämtliche Insassen von Guantánamo zu fällen? Das sind schlimme Leute! Doch von zumindest 15 der Internierten weiß das US-Verteidigungsministerium seit längerem, dass sie sich beim bösesten Willen nicht als enemy combatants (frei übersetzt: üble Lumpen) einstufen lassen. Es handelt sich um Uiguren, Vertreter einer muslimischen Minderheit tief aus dem Südwesten Chinas. Dort kämpft das Turkvolk für einen unabhängigen Staat. Sprich, gegen das kommunistische Pekinger Zentralregime. Sprich, für die Prinzipien der freien Welt. Sie machen's also wie George Bush, im Grunde.

Üblicherweise legt Washington solchen wackeren Widerständlern deshalb nicht Handschellen an, sondern Orden und Patronengurte. Doch der globale Antiterrorkampf hieße nicht so, wenn er aufs Kleingedruckte achten würde.

Irgendwann im Herbst 2001 hoben Kopfgeldjäger ein Trainingscamp in Pakistan aus. Die Uiguren wollten sich dort in Waffenkunde schulen lassen. Ui-was?, haben die Häscher vielleicht noch gefragt, bevor sie den Asiaten Säcke über die Köpfe zogen. Erst im Verhörlager Guantánamo gelang es den Kollateralhäftlingen, sich zu erklären. Zwischen euch und uns gab es nie Probleme. Wir unterstützen Amerika!, beteuerte einer der Inhaftierten laut Vernehmungsprotokoll.

Seit Ende 2003 müht sich das Pentagon, wie nun bekannt wurde, im Stillen, die Uiguren loszuwerden. Nach China sollen sie nicht zurück, schließlich drohe dort Folter. Also fragten die USA bei über 20 Staaten an - doch weder Schweden noch Finnland, noch die Schweiz wollten die suspekten Unschuldigen aufnehmen.

Zudem fürchteten sie - wie die USA - den Zorn Pekings. In Berlin hat die US-Regierung nach Auskunft des Auswärtigen Amtes gar nicht erst angeklopft.

Was sehr rücksichtsvoll war. Denn, klar, wir wissen, Guantánamo ist schlimm.

Aber die Leute von da, sind die nicht auch - ein bisschen schlimm womöglich?