Der weite Schlossplatz in Berlin war schon für manches Ideologiegefecht gut, neuerdings toben da sogar Wahlkampfschlachten. Stolz waren sie vorige Woche aufgezogen, die SPD-Mannen um Bundesbauminister Stolpe, um lauthals zu verkünden: Die Qual sei vorüber, die Lösung gefunden, das Schloss werde gebaut, in zwei Jahren schon. Eine selbst in Auftrag gegebene Studie, so ihre Kunde, habe geklärt, was zu klären war. Und also jubelten die großen Zeitungen der Republik, ihr kritischer Geist wahlkampfvernebelt.

Alle berichteten voll Überschwang, obwohl das 170-seitige Gutachten bis heute nicht veröffentlicht ist, nur eine Kurzfassung wurde ausgehändigt. Doch auch diese wirft mehr Probleme auf, als sie löst. Süffisant wies denn auch Norbert Lammert, wahrscheinlich der künftige CDU-Kulturstaatsminister, in der Berliner Zeitung, darauf hin, dass die entscheidende Frage unbeantwortet bleibt: die der Finanzierung. Klar ist nur, dass die 900 Millionen Euro Baukosten, die das Gutachten als Maximalsumme nennt, viel zu niedrig angesetzt sind. Teuer wird vor allem das Graben im Berliner Sand: Neun Meter tief will man hinab, um alle Nutzer des Humboldt-Forums unterzubringen. Kein Wort aber sagt die Studie darüber, wie viel das kostet. Beim Pergamon-Museum nebenan, gebaut 1907 bis 1930, verzehnfachte sich einst die erwartete Bausumme.

Auch wenn aus den 900 Millionen keine 9 Milliarden werden dürften - die Kalkulation ist wackelig. Man will die gewaltige Summe auf 30 Jahre strecken, mithin den Enkeln das aufbürden, was die Heutigen nicht aufbringen können.

Und ein Viertel soll auch noch das Land Berlin übernehmen, das aber nicht mal weiß, wie es neue Dächer für seine Museen bezahlen will.

Ebenso unsicher die privaten Geldquellen: Von den 80 Millionen Euro, die laut Bundestagsbeschluss für die Fassadenimitation durch Spenden aufgebracht werden sollen, ist in der Studie plötzlich keine Rede mehr, auch hier scheint der Steuerzahler einspringen zu müssen. Und dass durch Public-Private Partnership nennenswerte Beiträge zu erwarten sind, ist ebenfalls unwahrscheinlich. Ein privates Luxushotel soll die Finanzierung stützen, doch schon heute gibt es in Berlin viel zu viele davon. Investoren? Keine!

Zudem ist zweifelhaft, ob der Neubau überhaupt genug Platz für ein Hotel bietet. Rund 100 000 Quadratmeter Nutzfläche werde es geben, sagt das Gutachten. Doch das reicht kaum für die Hauptmieter, die Außereuropäischen Sammlungen, die Landesbibliothek und die Humboldt-Sammlung. Außerdem: Will man wirklich die wunderbaren Kunst- und Kultobjekte - jetzt noch in Dahlem - in die Katakomben verbannen, nur damit ein Hotel einziehen kann? Oben residiert das Geld, im Keller haust Kultur?

Doch von solchen Fragen und Unwägbarkeiten will Minister Stolpe nichts wissen. Ihm geht es nicht um Klärung, sondern um schöne Schlagzeilen. Und darum, das Schicksal des Palasts der Republik zu besiegeln - in sechs Wochen schon werden die Abrissverträge unterzeichnet. Dabei ließen sich viele Millionen sparen, wenn man das Stahlgerüst der Ruine weiter nutzte (ZEIT Nr.