Köthen

Der Patient: Köthen, laut Prospekt idyllisch zwischen Saale, Elbe, Mulde und Fuhne gelegen beziehungsweise daniederliegend. 30 000 Einwohner, Tendenz schrumpfend. Die Diagnose: klassisches Nachwendesyndrom, Leerstand, leere Kassen, fast jeder Vierte ohne Arbeit. Prognose: weitgehend hoffnungslos, jedenfalls aus Sicht der Schulmedizin, und so weit auch nicht ungewöhnlich.

Aber jetzt, die Therapie: Köthen will sich selbst heilen - mit den Mitteln der Homöopathie! Wo, wenn nicht hier, sollte diese Behandlung anschlagen?

Schließlich lebte und arbeitete in Köthen im 19. Jahrhundert Dr. Samuel Hahnemann höchstselbst, der Begründer dieser alternativen Heil- und Heilslehre, dessen 250. Geburtstag seine Anhänger gleich das ganze Jahr gewidmet haben: 2005, das Jahr der Homöopathie.

Köthen selbst belässt es, getreu dem Prinzip, dass weniger mehr hilft, bei den zwei Homöopathietagen am vergangenen Wochenende. 1200 Gäste, Vorträge über Heimtierhomöopathie und Heilfasten, dazu Apfelsäfte aus historischen Sorten und ein in Leipzig produziertes Gebräu namens Gosebier, das den Vorzug hat, die Lieblingssorte Doktor Hahnemanns zu sein oder jedenfalls deren Namen zu tragen - wie all das der kranken Kleinstadt wieder auf die Beine helfen soll, das mochte sich dem Besucher des Hom öopathiespektakels noch nicht recht erschließen.

Andererseits, die Zweifel schulmedizinisch verbildeter Skeptiker sind seit je das tägliche Brot des Homöopathen - gerade erst hat die renommierte britische Medizinzeitschrift The Lancet es wieder für richtig gehalten, ein paar eher ernüchternde Befunde zur Wirksamkeit homöopathischer Therapien vorzulegen.

Einen Mann wie Hans-Werner Thote ficht das nicht an. Thote ist Rentner und Manager der Köthener Homöopathie- und Wissenschaftsservice GmbH. Wir haben eine einfache Weisheit aus der Homöopathie auf die Stadt übertragen, sagt er. Genau wie den menschlichen Körper begreifen wir sie als komplexen Organismus, den man als Ganzes betrachten muss.