HochschuleDie Eliteschmiede

Exklusive Allianzen von 

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Braucht Deutschland Elitehochschulen? Seit eineinhalb Jahren debattieren Wissenschaft und Politik, Professoren und Studenten diese Frage. Nur eine Gruppe ist kaum zu vernehmen, deren Erfahrung und Auftrag sie für die Diskussion geradezu prädestiniert: die elf Begabtenförderwerke. Mit Stipendien und Seminaren unterstützen sie rund 13000 hoch begabte Jungakademiker, 0,7 Prozent der Studentenschaft, die Crème de la Crème des akademischen Nachwuchses also.

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Die Studienstiftung des Deutschen Volkes, der größte und traditionsreichste Förderer, gibt seine Zurückhaltung nun auf und prescht mit einem neuen Programm vor. Parallel zum laufenden Lehrbetrieb organisiert die Stiftung für ihre Stipendiaten wissenschaftliche Kollegs, die sie – etwas großspurig – "virtuelle Eliteuniversität" nennt.

Das erste geisteswissenschaftliche Kolleg startet kommenden Monat standesgemäß in einem thüringischen Schloss. Hundert Stipendiaten erforschen gemeinsam mit angesehenen Professoren eine Woche lang "Die Wiederkehr des Verdrängten: Antike, Mythos und Religion". Gleichzeitig führt die Studienstiftung Verhandlungen mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), um ihren Schützlingen den privilegierten Zugang zu deren Graduiertenkollegs zu eröffnen.

Andere Begabtenorganisationen sehen die Eliteoffensive der Studienstiftung jedoch mit Argwohn. Von einem "PR-Trick" ist die Rede oder der "Aufkündigung der guten Beziehungen zwischen den Förderwerken". Anstoß nimmt die Konkurrenz vor allem an der neuen Zusammenarbeit der Studienstiftung mit dem bayerischen Staat. Der Freistaat ist das einzige Bundesland, das eine umfangreiche eigenständige Begabtenförderung betreibt.

Zum neuen Semester hat Bayern die Hilfe für die besten Landeskinder unter den Studenten reformiert. Neben Stipendien sieht das neue Eliteförderungsgesetz nun eine stärkere intellektuelle Unterstützung vor, insbesondere eine "frühzeitige Einbindung in die Spitzenforschung". Verantwortlich für die Auswahl der Studenten und die inhaltliche Profilierung des Eliteprogramms ist die Studienstiftung.

Diese exklusive Allianz mit dem bayerischen Staat gefährdet das Gebot der Vielfalt der deutschen Begabtenförderung. Danach soll die zukünftige Elite Deutschlands möglichst staatsfern und plural gefördert werden, unter Einbeziehung aller wichtigen gesellschaftlichen Gruppen: Kirchen, Sozialpartner, Parteien. Im bayerischen Eliteprogramm jedoch erlangt die Studienstiftung ein Monopol. "Gewachsene Strukturen werden hier ausgehebelt", kritisiert deshalb der Leiter des Evangelischen Studienwerkes Villigst, Klaus Holz.

Die Studienstiftung kümmert das allerdings wenig. "Wir müssen uns weiterentwickeln", sagt Generalsekretär Gerhard Teufel. Er sieht eine andere Gefahr: "Wenn die Universitäten selbst irgendwann die Förderung der besten Studenten übernehmen, dann stellt sich die Frage, was wir noch für eine Aufgabe haben." 

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