new orleans

Gewalt ohne Ende

Was lehrt uns die Katastrophe von New Orleans? Dass die Menschheit nur bedingt zivilisierbar ist, sagt der Apokalyptiker James Graham Ballard. Fragen an den Großmeister der Science-Fiction-Literatur

Was lehrt uns die Katastrophe von New Orleans? Dass die Menschheit nur bedingt zivilisierbar ist, sagt der Apokalyptiker James Graham Ballard. Fragen an den Großmeister der Science-Fiction-Literatur.

Es gibt kaum eine denkbare Katastrophe, die James Graham Ballard nicht beschrieben hätte. Mysteriöse Zyklone. Überschwemmte Kontinente. Kollabierende Zivilisationen. Geboren 1930 in Shanghai, Anfang der vierziger Jahre übergesiedelt nach Großbritannien, wo er heute noch lebt, polemisiert Ballard unermüdlich gegen den neuzeitlichen Fortschrittsfanatismus, gegen die vollindustrialisierte Technokratie und ihre demoralisierende Wirkung. oder oder lauten die Titel seiner apokalyptischen Science-Fiction-Romane, ohne die die Endzeitvisionen von Anthony Burgess, Don DeLillo, Walker Percy oder Michel Houellebecq nicht zu verstehen sind.

DIE ZEIT: Sie haben immer wieder den Kollaps der aufgeklärten Gesellschaft angesichts lebensgefährlicher Bedrohungen beschrieben. Fühlen Sie sich von den Ereignissen in New Orleans bestätigt?

James Graham Ballard: Ich fürchte, schon. All meine Bücher handeln ja davon, dass unsere humane Gesittung wie die Kruste über der ausgespienen Lava eines Vulkans ist. Sie sieht fest aus, aber wenn man den Fuß daraufsetzt, spürt man das Feuer. Die Geschehnisse in Louisiana erinnern uns daran, dass die Freiheit der Reichen immer noch auf der Unterdrückung der Armen beruht. Weil diese Tatsache aber verdrängt wird, sind wir schlecht vorbereitet, den Preis für das Funktionieren unserer Gesellschaft zu zahlen.

ZEIT: Haben die Folgen des Hurrikans Sie überrascht?

Ballard: Ich war schockiert wie jeder andere auch. Aber ich war nicht überrascht, als ich sah, dass die meisten in New Orleans Zurückgelassenen schwarz waren. Amerika gesteht sich seinen abgrundtiefen Rassismus nicht ein, obwohl die Schwarzen noch immer eine gigantische Unterschicht in der amerikanischen Gesellschaft bilden. Es ist kein Wunder, dass es so lange gedauert hat, bis die Nationalgarde mit den Rettungsaktionen begann. Wären die im Dreck steckenden Bürger Weiße gewesen, hätten sich die Helfer mehr beeilt.

ZEIT: In Ihrem Roman Karneval der Alligatoren beschrieben Sie 1962 die Welt nach dem Klimawandel: Überschwemmungen, Morast, eine subtropische Hölle. Welche Symbolik sehen Sie in den Szenarien aus New Orleans? Sind die harten Worte des Rappers Kanye West gerechtfertigt?

Ballard: Was am Mississippi geschah, war eine Art ethnische Säuberung, wobei der Hurrikan die Rolle spielte, die etwa der Bürgerkrieg im früheren Jugoslawien hatte. Katrina bot den Vorwand, die unterprivilegierten Schwarzen zu attackieren. Katrina sorgte dafür, dass eine bestimmte Bevölkerungsgruppe plötzlich aus ihren Häusern vertrieben und entwurzelt wurde. Jetzt fliegen bewaffnete Weiße ein, die Polizei- und Armee-Uniformen tragen und ihre Gewehre schussbereit halten. Sie werden dafür sorgen, dass die entwurzelten Schwarzen in alle Himmelsrichtungen zerstreut und für lange Zeit nicht zurückkommen werden. Man wird es ihnen ganz sicher verbieten.

ZEIT: Warum sollten weiße US-Amerikaner ein Interesse am Unglück der Schwarzen haben?

Ballard: Aus Angst. Wenn man durch die Vereinigten Staaten reist, trifft man unzählige intelligente Mittelklasseamerikaner, die sich vor ihren schwarzen Mitbürgern fürchten. Sie sind nervös ihren ehemaligen Sklaven gegenüber, sie wollen keine Schulen mit ihnen teilen, sie wollen ihnen nicht im eigenen Wohnviertel begegnen. Gleichzeitig leugnen sie ihre Angst jedoch. Sie behaupten, jeder sei vor dem Gesetz gleich. Aber das ist nicht wahr. Wenn es etwas Gutes an diesem Hurrikan gibt, dann die Tatsache, dass er die Rassendiskriminierung zutage treten lässt. Die schwarzen Flüchtlinge sind sich dessen übrigens vollkommen bewusst. Man kann es in jedem Fernsehinterview spüren.

ZEIT: Die meisten Ihrer Bücher spielen in einem westlichen Nirgendwo. Rassenkonflikte kommen nicht vor. Warum?

Ballard: Meine Plots sind international. Sie handeln von den Neurosen, den Manien der Postmoderne. Das amerikanische Rassenproblem ist zu speziell. In Europa haben wir zwar auch viele Immigranten, in Deutschland die Türken, in Großbritannien die Asiaten, in Frankreich die nordafrikanischen Muslime – aber trotz Spannungen und Ausbrüchen rassistischer Gewalt kommen die westeuropäischen Länder mit ihren Einwanderern aus.

ZEIT: Was ist mit der Idee des kulturellen Schmelztiegels?

Ballard: Die Idee hat nie funktioniert. Es ist ja noch nicht lange her, dass Amerika die Sklaverei abgeschafft hat. Und erst nach dem Zweiten Weltkrieg, während der Präsidentschaften von Kennedy und Johnson, wurden die Bürgerrechte für alle etabliert. Bis in die Sechziger gab es die Segregation im Süden: getrennte Plätze im Bus, getrennte Tische im Restaurant. Die Erinnerung daran ist noch zu frisch. Es wird lange dauern, das zu vergessen.

ZEIT: Sie haben einmal geschrieben, dass früher oder später alle Science-Fiction wahr wird. Haben Sie, wenn Sie die Bilder hilfloser Hurrikan-Opfer sehen, Angst, Recht zu behalten?

Ballard: Natürlich habe ich Angst, vor allem um meine Kinder und Enkel. Dieser Planet dreht sich gefährlichen Zeiten entgegen. Es gibt viele Arten von Krieg und Terror, aber das Schlimmste ist, dass Gewalt einen unterschwelligen Reiz auf uns ausübt. Wenn wir sie erfolgreich bekämpfen wollen, müssen wir endlich zugeben, dass der Mensch nicht komplett zivilisierbar ist. Bedauerlich, aber wahr.

ZEIT: David Cronenberg verfilmte 1996 Ihren Roman Crash, einen Highway-Thriller über Todestrieb und Selbstzerstörungssehnsüchte. Die meisten Opfer von New Orleans sehen allerdings nicht aus, als würden sie das Desaster genießen.

Ballard: Aber wir Zuschauer. Wir leben in masochistischen Zeiten. Unsere Gesellschaften sind getrieben von widerstreitenden psychopathologischen Impulsen. Und große Naturkatastrophen wie Katrina passen perfekt zu unserer apokalyptischen Grundstimmung. Man muss sich klarmachen, dass wir in weitgehend säkularen Gesellschaften leben: Gott ist tot. Und diese großen Kataklysmen wie Katrina oder der Tsunami im Fernen Osten übernehmen nun die Aufgabe Gottes. Sie sind die gewaltige Kraft, die uns bestraft für unser unmoralisches Leben. Das kann sehr befriedigend sein, solange man nicht selbst betroffen ist.

ZEIT: In Ihrem jüngsten Roman Millennium People sagt der Anführer einer Revolte: »Es gibt ein tiefes Bedürfnis nach sinnloser Action.«

Ballard: Nach sinnloser Gewalt! Leider. Wir leben in bürgerlichen Verhältnissen, doch wir sind keine rationalen Kreaturen. Die deutsche Geschichte beweist das. Oder nehmen Sie Sowjetrussland, ein albtraumartiges Dystopia, basierend auf einer brillanten Idee. Die europäische Aufklärung, die mit Newton und Voltaire begann, die erfolgreich den Glauben an den menschlichen Verstand predigte und unsere Philosophie, unsere Politik dominierte, ist wohl doch gescheitert. Der Mensch, man sieht es in New Orleans, handelt nicht notwendigerweise zu seinem Besten.

ZEIT: Wenn die Lage so aussichtslos ist, war es dann nicht vernünftig von Präsident Bush, so lange wie möglich auf ein Eingreifen zu verzichten?

Ballard: Nein. Denn man muss sich, unvernünftigerweise und trotz alledem, um Mitmenschlichkeit bemühen. Europa ist derzeit gespalten zwischen den Verfechtern des angelsächsischen Gesellschaftsmodells, wie Reagan und Thatcher es repräsentierten, und dem sozialdemokratischen Modell, wie es in Deutschland und Frankreich verwirklicht wurde. Einerseits: ökonomische Freiheit, unbegrenzter Handel, Entstaatlichung. Das Geschäft muss laufen! Andererseits: Wohlfahrtsstaat, hohe Steuern, staatliche Kontrolle über fast alles. Manche Leute empfinden das als beengend. Aber dieses Modell war sehr erfolgreich, denn es hat der Idee des friedlichen Miteinanders zum Durchbruch verholfen. Undenkbar, dass Frankreich und Deutschland noch einmal Krieg gegeneinander führen. Das haben starke Regierungen durchgesetzt.

ZEIT: Glauben Sie, dass ein starker Staat, womöglich sogar eine starke Armee, uns vor uns selbst und unseren irrationalen Sehnsüchten schützen kann?

Ballard: Ja. Notfalls. Aber dieser Staat muss auf einem Gemeinschaftssinn fußen. Nach dem Tsunami in Indonesien gab es kaum Ausschreitungen. Auch nicht nach dem schrecklichen Erdbeben vor zehn Jahren in Japan oder vor zwei Jahren in der Türkei. Da wirkte offenbar ein starker sozialer Zusammenhalt. Den gibt es in Amerika nicht.

ZEIT: Weil die Amerikaner finstere Egozentriker sind?

Ballard: Nein. Aber in Amerika wird alles ökonomischen Notwendigkeiten untergeordnet. Wenn deine Firma sagt, verlasse dein Haus in Los Angeles, und geh nach New York, dann tust du es. Die Amerikaner zeigen gern Flagge. Aber dieser demonstrative Patriotismus ersetzt kein echtes Zusammengehörigkeitsgefühl.

ZEIT: Kann man sich auf die Apokalypse vorbereiten?

Ballard: Natürlich. Katrina ist eine Warnung. Den Hurrikan selbst können wir zwar nicht verhindern, aber wir können vorher planen, was hinterher zu tun ist. Die amerikanische Regierung hat viel zu wenig unternommen.

ZEIT: Hätte George Bush Ihre Bücher lesen sollen?

Ballard: Komischer Gedanke. Aber ehrlich gesagt, es hätte nicht geschadet. Allerdings bin ich erstaunt, dass in Deutschland meine Bücher gelesen werden, obwohl sie dort nicht mehr erscheinen. Ich wurde ein paar Jahrzehnte lang verlegt, aber plötzlich war Schluss.

ZEIT: Ja, das ist unbegreiflich.

Ballard: Nein, ich verstehe es gut. Die Deutschen sind empfindlich. Und der Schriftsteller James Graham Ballard scheint die Gewalt zu verherrlichen. Er scheint das Chaos gutzuheißen.

ZEIT: Wenn es stimmt, dass alle Science-Fiction irgendwann wahr wird – welche Ihrer vielen Endzeitvisionen stehen uns noch bevor? Das demolierte Hochhaus aus High-Rise , das geisterhafte New York aus Hello America! oder die Autorennen aus Crash? Was kommt als Nächstes?

Ballard: Tückische Frage. Ich fürchte, Szenarien wie in Crash und High-Rise sind beinahe schon gegenwärtig. Zwar nicht als offensichtliche Gewaltausbrüche wie in der Literatur, aber als unterschwellige Aggression. Die Leute werden weiterhin morgens aufstehen, ins Auto steigen und ins Büro fahren – aber in ihren Köpfen geht etwas Gefährliches vor sich. Denn sie leiden unter der bürgerlichen Langeweile. Nichts passiert. Die Politik kann man nicht ernst nehmen. Unsere Monarchie hier in England ist ein Witz. Woran sollen die Leute noch glauben? Alles Aufregende geschieht in ihren Köpfen. Das ist ein gefährlicher Ort.

ZEIT: Waren die Menschen etwa menschlicher, als sie noch regelmäßig zur Kirche gingen?

Ballard: Nein. Die Religionen der Vergangenheit versuchten, die menschliche Psyche zu kontrollieren, den Menschen zu domestizieren wie ein Pferd, um es zu reiten. Die Religionen wollten den Menschen ihre Wildheit austreiben. Aber wer tut das heute? Das ist unser Problem.

ZEIT: In High-Rise verfallen gutbürgerliche Mieter grundlos der Barbarei, sie hausen wie Primaten in ihren Luxusapartments. Beim Hurrikan Katrina hatte das Desaster einen konkreten Anlass.

Ballard: Die Katastrophe in New Orleans war eine Heimsuchung. Es scheint heute zwar mehr Naturkatastrophen zu geben als vor 50 Jahren, und wir haben uns angewöhnt, zu denken, das liege an der globalen Erwärmung. Aber vielleicht ist es weniger der Globus, der sich erwärmt hat, sondern es brodelt in unserem Innern. Es ist wie im Zoo mit den Schimpansen. Wenn man ihnen den Tisch deckt, sitzen sie eine Weile still und trinken eine Tasse Tee. Aber urplötzlich fangen sie an, alles zu zertrümmern, weil sie die Langeweile, die Ereignislosigkeit nicht ertragen. Da greifen sie lieber zur Gewalt. Ich fürchte, wir sind noch immer sehr eng mit den Schimpansen verwandt.

ZEIT: Aber wie entgehen wir einerseits der Langeweile, andererseits dem Untergang? Am Ende Ihres Romans Der Sturm aus dem Nichts legt sich der Hurrikan.

Ballard: Ich will nicht pessimistisch klingen. Aber ich glaube, die echten Hurrikane fangen an, stärker zu blasen. Und auch der Wind in unseren Köpfen wird von Tag zu Tag stärker. Ich kann Ihnen nur raten: Passen Sie auf sich auf!

Das Gespräch führte Evelyn Finger

Auf Deutsch sind die Bücher von James Graham Ballard nur noch antiquarisch erhältlich. Auf Englisch erschienen zuletzt »Interviews« (2005) und »Quotes« (2004), beide bei RE/Search Publishers, San Francisco, sowie »Millennium People«(2003), bei Flamingo, London

Anzeige
Leser-Kommentare

    • 09.09.2005 um 19:47 Uhr
    • Lorn

    >>>>>>>Die europäische Aufklärung, die mit Newton und Voltaire begann, die erfolgreich den Glauben an den menschlichen Verstand predigte und unsere Philosophie, unsere Politik dominierte, ist wohl doch gescheitert. Der Mensch, man sieht es in New Orleans, handelt nicht notwendigerweise zu seinem Besten.

    • 09.09.2005 um 19:49 Uhr
    • Lorn

    1) Ich vermisse bei der Aufzählung von Newton und Voltaire den deutschen Philosophen (und Naturwissenschaftler) Immanuel Kant neben dem französisschen Philosophen und Rationalisten Voltaire und dem englischen Naturwissenschaftler und Alchemisten Isaac Newton.

    2) Die Aufklärung ist nicht gescheitert.

    Sie muss nur um historisch unterdrückte Aspekte ergänzt werden!

    Hingewiesen sei noch auf folgende Bücher bezüglich Immanuel Kant, dem grossen Philosophen der Aufklärung:

    Carl du Prel »Ein verschollenes Buch von Kant.« München, 1888. »Kant als Mystiker.« Gera, 1888. »Immanuel Kants Vorlesungen über Psychologie.« Leipzig, 1889.

    Tatsache ist: Er ging bereits von einem transzendentalen, sich stetig wieder inkarnierenden Subjekt aus.
    Er war also sehr viel weniger säkular und anti-metaphysisch gesonnen als viele meinen würden.
    Die vermeintliche "metaphysische Leere", ist nichts als ein Irrtum der Geschichte bezüglich der europäischen Aufklärung.
    Diese Erkenntnisse Immanuel Kants und seines Neu-Herausgebers Carl Du Prel wurden systematisch unterdrückt.

    Kant, Immanuel / Prel, Carl du (Hg) (1889): Kant's Vorlesungen über Psychologie. Mit einer Einleitung: Kant's mystische Weltanschauung (Leipzig)

    Dieses Buch wurde systematisch verschwiegen und unterdrückt.
    ´
    Die europäische Geschichte geht weiter!
    Nix Apokalypse!
    Es lebe das Wassermann-Zeitalter! :-)

  1. einfach ein intelligenter und umfassend gebildeter mensch.
    und kein verbohrter spezialist.

  2. Es ist schon bedauerlich, das der Grund für die zunehmende Gewalt in unserer Gesellschaft in der Langenweile zu suchen ist. Das ist wirklich dekadent. Überfluss und Reichtum, gleichzeitig Depression und Langeweile auf der einen Seite und Armut, ebenfalls Depression, vielleicht weniger Langeweile, weil man ständig mit der "Überlebensfrage" beschäftigt ist auf der anderen Seite. Man könnte daher vermuten ein bisschen mehr Armut und die Leute wären friedlicher, aber nein, so stimmt dies auch nicht. Es ist immer wieder das alte Lied von dem Auseinanderdriften von Arm und Reich, das die Gesellschaft in Stimmung kommen läst. Die Lösung ist ebenfalls bekannt: Ungleichheiten abbauen ect. Aber die Frage bleibt. Ist das denn wirklich gewollt?, Oder ist das nicht doch eher ein Psydoargument zum Wahlstimmen sammeln?
    Abschließend bleibt die Frage zu klären, wie man Langeweile abbauen kann. Ist es wirklich notwendig ständig die Kaufkraft zu stärken, damit die Leute sich nicht langweilen? Gibt es nicht noch andere Beschäftigungsfelder?

  3. Gewalt ist eine Reaktion auf erfahrene, gegenwärtige Gewalt.

    Wir vergessen immer wieder, daß der Vernichtungswille weniger Menschen diesen Planeten formte und formt. Oder verfügen beispielsweise heute 6 Milliarden Menschen über Atombomben, Bomber, Raketen und andere Mechanismen der Macht?

    Und der Vergleich Mensch Schimpanse enstammt der pathologischen Verdrängung der Wirklichkeit. Über den Zeitraum von Jarhrmillionen betrachtet, ist jede Tiergattung würdig der Erfindung "Friedensnobelpreis".

    eckardgoethe

  4. Ballards Begriff der "Zivilisation" hat etwas Doppeldeutiges.
    Zum einen versteht er darunter die technisierten, westlichen (kapitalistischen) Gesellschaften;
    zum anderen ein friedfertiges, rationales Verhalten der Menschen.
    Da aber die westliche Moderne oder besser der Kapitalismus per se irrational und auf dem Kampf jeder gegen jeden beruht, schließen sich die beiden Vorstellungen aus.

    Daher auch seine richtige Erkenntnis, dass Gesellschaften mit starken religiösen oder sozialen Traditionen besser in der Lage sind, mit solchen Katastrophen wie die in New Orleans fertig zu werden.

    Trotzdem macht er den Fehler, dass er Eigenschaften wie Grausamkeit und Vandalismus der menschlichen Natur unterstellt, die dem Mensch aber durch äußere Strukturen eincodiert worden sind.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service