Artikel über Christopher Buchholz beginnen meistens bei den Augen. Sie sind braun, streng, stehen eng beieinander, sind vom Vater. Das ist das Stichwort, der Vater: Horst Buchholz, Schauspieler, Deutschlands Antwort auf James Dean, ein Ostberliner in Hollywood. Der war mit 23 Jahren ganz oben, so weit, dass es nur noch eine Richtung gab. Seine Rollen wurden kleiner, erst kamen die Depressionen, dann der Alkohol. 2003 starb Horst Buchholz mit 69 Jahren an einer Lungenentzündung.

Nun steht sein Name wieder auf Filmplakaten: Horst Buchholz … mein Papa, vom 22. September an in den Kinos. Es sind Gespräche des Sohnes mit dem Vater in den Monaten vor dessen Tod. Der Film sei so etwas wie ein Ersatz für die Autobiografie, die sein Vater nie habe schreiben wollen, sagt der Sohn.

Buchholz, 43, ist Schauspieler und Kurzfilmregisseur. Mit übereinander geschlagenen Beinen sitzt er in einem Berliner Café und bestellt in akzentfreiem Italienisch einen Milchkaffee. In Italien sei er oft, drehe Filme, liebe die Menschen dort und deren Offenheit. Geboren wurde er in Los Angeles, danach zog die Familie in die Schweiz, später nach London, Paris, Berlin. "Ich bin Zigeuner", sagt er, mit leicht französischem Akzent. Den hat er von der Mutter, Myriam, auch ein Filmstar der Fünfziger.

Buchholz, der Sohn, will seinen Vater auf der Leinwand zeigen, "wie er war": sprachlos, scheu, alkoholkrank, wie ihn niemand kennt. Im Film scheint der Vater oft müde, bricht ab, wenn es um Bisexualität und Trinksucht geht, und schweigt. Das seien die stärksten Momente, so der Sohn: "Momente wie Juwelen, in denen die Zeit stoppt." Nach dem Tod des Vaters drehte er weiter, befragte seine Mutter, Tante, Schwester. Warum? "Ich will zeigen, wie tief man fallen kann." Es habe keinen anderen deutschen Weltstar vom Format seines Vaters gegeben, "nur Romy Schneider und ihn". Mario Adorf, Til Schweiger? Er zeigt mit der Handkante an den Fußknöchel: "Die gehen ihm bis hier." Dann dieser Niedergang. Der Film klagt sanft die Sprachlosigkeit an, die Lethargie der späten Jahre.

Er hoffe, sein Film könne Familien motivieren, Dinge auszusprechen. Schlimmes geschehe, das Leben gehe dennoch weiter, wichtig sei das Gespräch. Und dann ist er wieder in Italien. Ein Land, in dem die Familie zählt, wo man sich Zeit füreinander nehme. Er liebe das Temperament italienischer Frauen. "Man brüllt sich an, man explodiert", sagt er, "und dann ist es wieder gut."

Justus Bender