Jim Jarmuschs neuer Film trägt die meisten Erkennungszeichen seines Stils, und doch ist irgendetwas anders. Zwar ist alles da – die langen Einstellungen, die reduzierten Dialoge, das Erzählen in Episoden, ein trockener Humor, den man nur mit dem unübersetzbaren Wort deadpan beschreiben kann, und natürlich irgendwie coole, aus der Bahn geratene Hauptfiguren, durch die wir uns wieder einmal Amerika von der Seite her nähern. Jarmusch hat diesmal sogar den coolsten lebenden Schauspieler ins Zentrum gestellt: Broken Flowers dreht sich ganz um Bill Murray, der sich hier nach Lost in Translation abermals auf der Höhe seines Könnens zeigt. Murray ist bewundernswert, er kann einfach alles, vom albernsten Slapstick (Ghostbusters!) bis zum minimalistischen Drama unterdrückter Gefühle.

So sehr dieser Film jedoch an Jarmuschs Werke der achtziger Jahre erinnert – in seiner Grundstimmung markiert er einen Bruch. Jarmuschs legendäre Filme – von Stranger Than Paradise und Down by Law über Night on Earth bis Dead Man – waren immer auch Exerzitien in Coolness. Broken Flowers verabschiedet sich von dieser Obsession. Zum Glück – denn der leerlaufende Stilwille drohte Jarmuschs Kreativität zu ersticken. Der ewige Neoexistenzialismus seiner zu viel rauchenden und Kaffee trinkenden Protagonisten war am Ende zur Pose erstarrt. Coffee and Cigarettes, sein letzter Film, war über weite Strecken kaum mehr als ein Dokument der Erschöpfung, schlimmer noch: eine unfreiwillige Selbstparodie. Es zeigte sich, dass der unbedingte Wille zur Hipness vor Banalität und Langeweile nicht schützt.

Broken Flowers handelt vom menschlichen Preis der Coolness. Man darf diesen traurigen, weisen, witzigen und anrührenden Film darum auch als eine Art Selbstrevision Jim Jarmuschs sehen. Ein Mann in den Fünfzigern – Bill Murray als Don Johnston –, der von seiner Freundin verlassen wird, erhält einen rosafarbenen Brief. Darin verkündet ihm eine anonyme frühere Geliebte, dass er einen 19-jährigen Sohn habe. Dieser sei bereits auf dem Weg, seinen Vater zu finden. Don scheint zunächst völlig unbewegt von dieser umstürzenden Neuigkeit. Wir sehen ihn einsam vor seinem Flachbildfernseher dahindämmern, eine Flasche Champagner vor sich.

Wie Bill Murray mit seinem Buster-Keaton-Gesicht die Duldungsstarre fühlbar macht, in die Don angesichts der Nachricht verfällt, die ihn eigentlich aufwühlen sollte, ist einfach großartig. Er tut nichts, er sitzt nur auf dem Sofa, aber dies macht er auf eine hoch expressive Weise. Wir sehen einen Mann, der zwar weiß, er sollte jetzt irgendetwas fühlen – Vaterstolz, Erwartungsangst oder eine Mischung von beidem. Aber er traut sich nicht, aus Furcht vor Enttäuschung und wegen der Herzensträgheit, die der Dauerverdacht gegen die eigenen Emotionen mit sich bringt. Das Drama des Films entspringt aus der zugleich komischen und abgrundtief traurigen Situation dieses Mannes, der vor lauter Angst vor seinen eigenen Gefühlen nicht einmal mehr weiß, ob er noch hoffen soll, aus seinem depressiven Stupor herausgelockt zu werden.

Genau das geschieht aber. Dons Nachbar Winston (Jeffrey Wright), der seine quirlige Familie mit mehreren Jobs über Wasser hält und eine Vorliebe für Mystery-Romane hat, macht sich daran, das Rätsel des rosa Briefs zu lösen. Er bringt Don dazu, eine Liste seiner Verflossenen anzufertigen. Dann plant er Dons Erkundungsreise zu den vier noch lebenden Liebschaften. Er versorgt den unwilligen Detektiv in eigener Sache mit Flugtickets, Mietwagen und sogar mit Musik für die Reise. Immer noch weigert sich Don und winkt ab. Aber wir ahnen längst, er wird es doch tun. Er muss nur, wie wir alle gelegentlich, bei der Verfolgung seines Glücks ein wenig angeschubst werden.

Broken Flowers ist auch ein Vehikel für eine Reihe großartiger Schauspielerinnen jenseits der vierzig. Die Reise in die eigene Liebesvergangenheit führt Don zu Laura (Sharon Stone), Dora (Frances Conroy – die großartige Ruth aus Six Feet Under endlich in einer großen Kinorolle!), Carmen (Jessica Lange) und Penny (Tilda Swinton). Während er vorgibt, einfach mal vorbeischauen zu wollen, sucht Don – und wir mit ihm – nach Indizien für jenen Sohn, der sich auf dem gegenläufigen Suchweg befinden soll.

Dons Reise zu den Geliebten wird zu einer Reise durch Jarmuschs ziemlich finstere Vision des suburbanen Amerika. Die Frauen kommen zwar irgendwie zurecht, aber auch sie haben ihre Träume und Hoffnungen aufgegeben. Bestenfalls sind sie Lebenskünstlerinnen wie Laura oder Carmen, die von Tätigkeiten wie Imageberatung oder "Tierkommunikation" (eine Art New-Age-Psychoanalyse für Hunde und Katzen) leben, die sie selbst nicht ernst nehmen können. Schlimmstenfalls stecken sie in einem Leben fest, das sie zum Verrat an ihren Idealen zwingt, wie Dora, die vom Hippiemädchen zur Immobilienmaklerin geworden ist. Die Biker-Braut Penny schließlich ist so voller Wut, dass sie Don nur anschreien kann, bevor einer ihrer Motorradkumpel ihn k. o. schlägt.