Alles Ansichtssache Eigentlich macht man das ja nicht, soll es in der Politik doch auf Inhalte ankommen. Recherchen im (noch) aktuellen Bundestagshandbuch, das Porträts aller derzeitigen Abgeordneten versammelt, haben allerdings ergeben: Innen und außen hängen doch zusammen, das Parlament teilt sich in sechs Phänotypen, signifikant gehäuft in bestimmten politischen Lagern, entweder bei Rot-Grün oder Schwarz-Gelb. Doch einer tanzt immer aus der Reihe. Sehen Sie, wer?
Sehr vertraut – weil eigentlich unverändert seit den Abiturklassen der achtziger und der Zeit im Schülersprecher-Gremium: der Typ alternativbewegte Rot-Grüne mit Stachelhaar und asymmetrischem Ohrring. Manche haben sogar noch den Zopf von damals. Bestimmt gibt’s Früchtetee im Abgeordnetenbüro.

Wer tanzt hier aus der Reihe? Die Lösung »

Dazu: "Alles Ansichtssache" von Henning Sußebach

Alles Ansichtssache Inzwischen auch in die Politik gegangen: der Typ Barbie , in der Schule politisch eher unauffällig, dafür von den Jungs umworben, jetzt geborgen in der CDU/CSU-Fraktion. Ob’s Zufall ist?

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Alles Ansichtssache Die Damen (Typ Barbie ) finden ihr Pendant in einer Herrenrunde, die auftritt wie die Hugo-Boss-Partei , schlank, rank, rechts. Früher dachte man ja eher, CDU/CSU sei tendenziell dicklich. Vielleicht lag das an Kohl und Strauß.
Das überrascht dann doch: Auf den hinteren Bänken der Konservativen finden sich heute – allerdings nur nach Arztroman-Kriterien – die attraktiveren Menschen. Woran liegt das? Kann es sein, dass sich in den Gesichtern der jungen Christdemokraten kein Existenzkampf eingefurcht hat, kein Verzweifeln an den Übeln dieser Welt? Dass da eher die perlweiße Selbstgewissheit jener strahlt, denen die Gesellschaft, so wie sie ist, nur logisch erscheint – wie das nun mal ist, wenn man sie von oben betrachtet? Ist das Aussehen der Rechten Ausdruck bloßen Seins, das der Linken puren Wollens?

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Alles Ansichtssache Der wie ein rotes Tuch drapierte Seidenschal beim Typ SPD-Frauenbeauftragte mit Doppelnamen sieht sehr nach Statement aus, noch mehr aber das Brillengestell. Es ist zu vermuten, dass sich nicht als stromlinienförmig versteht, wer solche Querbalken trägt.

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Alles Ansichtssache Schon früher gut in Mathe und eher zurückhaltend in Sozialkunde war der Phänotyp Buchhalter mit Schnäuzer (damals noch Flaum), heute in der CDU und insbesondere in der FDP vertreten. »Die absolute Härte sind Oberlippenbärte!«, skandiert der autonome Block auf jeder Demo, weil Oberlippenbärten stets etwas Systemstabilisierendes nachgesagt wird, ob bei der deutschen Polizei oder unter Saddam im Irak.

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Alles Ansichtssache Politisch etwas anders gelagert ist der Phänotyp Sachbearbeiterbart , der direkt aus dem Gewerkschaftsmilieu in die SPD-Fraktion gewechselt ist und das derzeitige Profilierungsproblem der Sozialdemokraten symbolisiert: Der mit den Jahren gezügelte Revoluzzerbart ist längst zu brav für jeden umstürzlerischen Gedanken, zu borstig aber für die Agenda 2010. Dieser Bart, das ist die SPD.

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