KriegsverbrechenDer unrichtbare Dritte

Während die Alliierten nach 1945 mit den Regimen Deutschlands und Japans in zahlreichen Prozessen abrechneten, blieben die Kriegsverbrechen des faschistischen Italien ungesühnt, wie das Beispiel Äthiopien zeigt von Aram Mattioli

Dies ist kein Krieg, es ist nicht einmal ein Gemetzel, sondern die Folterung von Zehntausenden wehrloser Männer, Frauen und Kinder durch Bomben und Giftgas« – mit diesen Worten beschrieb der Rote-Kreuz-Arzt John Melly das Grauen des italienischen Abessinienfeldzugs. Tatsächlich begann der Zweite Weltkrieg für Äthiopien bereits am 3.Oktober 1935. Die faschistische Aggression hatte wenig mit einem Kolonialkrieg traditionellen Stils gemein. Gezielt flog die Regia Aeronautica schwere Angriffe auf unverteidigte Städte und Dörfer, auf Feldspitäler des Roten Kreuzes, selbst auf Viehherden. Fürchterlich wirkte sich der massive Einsatz von Senfgas aus, dem Tausende von Soldaten und unbeteiligten Bauern zum Opfer fielen. An einigen Frontabschnitten machten Mussolinis Legionen grundsätzlich keine Gefangenen. Immer wieder brannten sie Dörfer und Felder nieder; Massaker an der Zivilbevölkerung waren Kriegsnormalität.

Das organisierte Morden hörte auch nach der Ausrufung des Impero nicht auf. Der vom »Duce« eingesetzte Vizekönig Rodolfo Graziani errichtete eine Schreckensherrschaft. In einem Ukas von beispielloser Radikalität wies Benito Mussolini seinen Mann in Addis Abeba am 8. Juli 1936 an: »Ich autorisiere Ihre Exzellenz noch einmal, systematisch mit einer Politik des Terrors und der Ausrottung gegen die Rebellen und die mitschuldige Bevölkerung zu beginnen und eine solche zu führen. Ohne das Gesetz der zehnfachen Wiedervergeltung kann man die Plage nicht in angemessener Frist heilen.«

Dieser verbrecherische Befehl öffnete der Willkür Tür und Tor. Allein bis Ende 1937 kamen durch den entfesselten Terror der Italiener Zehntausende Äthiopier gewaltsam ums Leben – mehr als in der heißen Phase des Krieges. Nicht zuletzt das faschistische Wüten gegen die abessinischen Führungseliten erinnert stark an das Vorgehen der deutschen Besatzer, zum Beispiel in Polen. Nach der Kriegswende von Stalingrad stellte sich der zivilisierten Welt deshalb auch die Frage, wie mit diesen Gewalttaten zu verfahren sei.

Auf ihren Gipfeltreffen in Moskau (1942), Teheran (1943) und Jalta (1945) bekräftigten die Führer der alliierten Mächte ihren Willen, Kriegsverbrecher bis in den hintersten Winkel der Erde zu verfolgen und an ihre Ankläger auszuliefern, damit die im Zweiten Weltkrieg begangenen Untaten nicht ungesühnt blieben. Schon 1943 richtete man eine Internationale Kommission zur Untersuchung von Kriegsverbrechen ein. Diese von den Regierungen der besetzten Länder Europas initiierte Organisation erhielt den Auftrag, auf der Grundlage von gerichtsverwertbarem Belastungsmaterial eine Liste mutmaßlicher Kriegsverbrecher anzulegen. Nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands schufen die Siegermächte überdies ein neues juristisches Instrumentarium zur Ahndung völkerrechtswidriger Staatsverbrechen. Neben Verbrechen, die schon unter Bezug auf die Haager Landkriegsordnung von 1907 strafbar waren, führte das Londoner Abkommen vom 8. August 1945 den Begriff des »Verbrechens gegen den Frieden« und des »Verbrechens gegen die Menschlichkeit« in das Völkerrecht ein. Weltweite Verbindlichkeit erlangten die im Londoner Statut formulierten Straftatbestände dadurch, dass die Vollversammlung der UN sie sich im Dezember 1946 zu Eigen machte.

Auf dieser Grundlage wurde im späterhin so berühmten Nürnberger Schwurgerichtssaal 600 seit dem 20. November 1945 gegen die überlebenden Protagonisten des »Dritten Reiches« verhandelt; angeklagt waren 22 führende Männer des NS-Regimes. Seit Mai 1946 mussten sich vor einem internationalen Tribunal in Tokyo 28Angeklagte aus der obersten militärischen und politischen Führung Japans verantworten. Im Zentrum des Tokyoter Prozesses stand der Vorwurf, die Kriegführung in grausamster Weise pervertiert zu haben. Sieben Angeklagte, darunter der frühere Ministerpräsident Hideki Tojo und einige ehemalige Militärbefehlshaber in den besetzten Gebieten Ostasiens, wurden zum Tode verurteilt, während 17 andere lebenslange Freiheitsstrafen erhielten. Im Übrigen gab es in beiden Staaten (und den von ihnen während des Krieges besetzten Ländern) etliche weitere Prozesse gegen ihre Militärs und Beamten.

Schon früh hatte sich das Kaiserreich Äthiopien dazu entschlossen, ein internationales Verfahren gegen die italienischen Kriegsverbrecher anzustrengen. Schließlich waren zwischen 1935 und 1941 insgesamt bis zu 380000 Menschen dem Besatzungsregime zum Opfer gefallen. Bereits nach damaliger Rechtslage handelte es sich bei vielen der Verbrechen um gravierende Verletzungen des Völkerrechts.

Als die alliierten Siegermächte und ihre Verbündeten im August 1945 den Londoner Vertrag unterzeichneten, wähnte sich die Regierung von Kaiser Haile Selassie nahe am Ziel. Zum 10. Jahrestag des italienischen Überfalls erklärte sie den Beitritt des Landes zu diesem Abkommen. Nur wenige Monate später setzte Äthiopiens Außenminister den UN-Generalsekretär und Großbritannien in Kenntnis darüber, dass sich das Land das Recht vorbehalte, Kriegsverbrecherprozesse notfalls im Alleingang durchzuführen. So versuchte Addis Abeba, Druck auf die nun im Auftrag der Vereinten Nationen tätige War Crimes Commission (UNWCC) auszuüben, damit diese auch die im besetzten Äthiopien begangenen Kriegsverbrechen in ihr Mandat einschließe.

Doch nichts dergleichen geschah. London winkte ab, die Kommission tat nichts. Sie fühlte sich nur für Gewaltverbrechen zuständig, die in den Jahren zwischen 1939 und 1945 verübt worden waren. Damit bestritt sie, dass es irgendeinen Zusammenhang zwischen den italienischen Untaten während der Invasion und Besetzung Äthiopiens und den von den Deutschen seit Herbst 1939 begangenen Großverbrechen gäbe. Die Argumentation war wenig überzeugend, weil im Tokyoter Prozess gegen die japanische Militärführung Verbrechen verhandelt wurden, die bis ins Jahr 1928 zurückreichten.

Doch die Äthiopier gaben nicht auf. Durch den Pariser Friedensvertrag vom 10. Februar 1947 erhielt ihr Anliegen neue Nahrung. In diesem Vertrag versprach Italien nicht nur die Restitution aller geraubten Kulturgüter von historischem Wert. In Artikel 45 ging die Regierung von Alcide De Gasperi auch die Verpflichtung ein, die nötigen Schritte zu unternehmen, um Personen italienischer oder ausländischer Herkunft vor Gericht stellen zu lassen, die im Verdacht standen, Straftaten nach Maßgabe des Nürnberger Prozesses verübt, befohlen oder Beihilfe zu ihnen geleistet zu haben. Zweifelsfrei hielt der Vertrag fest, dass der Krieg für Äthiopien am 3. Oktober 1935 begonnen hatte und italienische Staatsbürger für alle Verbrechen seit diesem Zeitpunkt zur Verantwortung gezogen werden konnten. Als Sühne für die angerichteten Kriegsschäden musste Italien überdies Reparationen in Höhe von 25 Millionen US-Dollar an Äthiopien leisten.

Der Pariser Vertrag blieb nicht ohne Wirkung. Am 27. Oktober 1947 erklärte die UNWCC endlich, sich auch um die italienischen Kriegsverbrechen zu kümmern. Gleichzeitig forderte sie die äthiopische Regierung auf, ihre Fälle der Kommission bis zum 31. März 1948 zu unterbreiten.

Für eine hieb- und stichfeste Dokumentation blieb kaum Zeit. Um die gesetzte Frist einhalten zu können, entschloss sich Äthiopien, aus Dutzenden von Fällen nur zehn Anklagen gegen mutmaßliche Hauptkriegsverbrecher zu unterbreiten. Damit war klar, dass alle Täter auf der mittleren und untersten Kommandoebene (wie die Bomberpiloten, die Teilnehmer an Exekutionskommandos, die Lagerkommandanten oder die Mitglieder der Todesschwadrone, die in Addis Abeba im Februar 1937 Tausende massakriert hatten) nicht belangt würden.

Allerdings konnten selbst auf der höchsten Ebene längst nicht mehr alle möglichen Schuldigen angeklagt werden. Natürlich hätte Äthiopien Benito Mussolini gerne vor Gericht gesehen. Doch dieser war tot, auf der Flucht in die Schweiz von italienischen Widerstandskämpfern aufgegriffen und am 28. April 1945 erschossen worden. Ebenfalls tot war der ehemalige Kolonialminister und erste Oberkommandierende Emilio De Bono, einer der Hauptkriegstreiber – Mussolini selbst hatte ihn 1944 wegen Hochverrats hinrichten lassen.

Schon einige Wochen vor Ablauf der Frist übergab Äthiopien der UNWCC das gewünschte Material. Auf der Kriegsverbrecherliste standen sieben hochrangige Militärs, zwei Politiker und ein Parteiexponent, darunter Marschall Pietro Badoglio, der ehemalige Vizekönig Graziani und der frühere Kolonialminister Alessandro Lessona. Äthiopien bezichtigte jeden der zehn Haupttäter des Massenmords. Badoglio etwa wurden der systematische Einsatz von Giftgas und das gezielte Bombardement von Spitälern zur Last gelegt. Graziani warf man »systematischen Terrorismus« vor und die Deportation und Internierung von Zivilisten. Lessona, der einzige hochrangige Vertreter aus der ehemaligen politischen Führung neben Enrico Cerulli, dem früheren Chef der Ostafrika-Abteilung im Kolonialministerium, wurde der Beihilfe zu den schweren Besatzungsverbrechen angeklagt.

Die UNWCC würdigte das von Äthiopien vorgelegte Belastungsmaterial am 4. März 1948. Trotz britischer Bedenken erklärte sich die Kommission bereit, die Militärs und den faschistischen Parteiexponenten auf die Liste der Kriegsverbrecher zu setzen. Einzig Alessandro Lessona und Enrico Cerulli sollten, da sie nicht persönlich an Verbrechen teilgenommen hatten, von der Anklage ausgenommen bleiben. Für einen kurzen Augenblick schienen alle Hindernisse auf dem Weg zu einem Prozess nach Nürnberger Vorbild beseitigt.

Schnell stellten sich jedoch neue Schwierigkeiten ein. Die verbliebenen Beschuldigten befanden sich nicht in äthiopischem Gewahrsam, sondern lebten als mehr oder minder geachtete Bürger in der Republik Italien. Bis auf Graziani, der dem »Duce« loyal bis in den Untergang gefolgt war: Im Oktober 1948 hatte ihn ein italienisches Militärgericht wegen Kollaboration mit den deutschen Besatzern zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt – eine Strafe, von der er nicht einmal zwei Jahre absitzen musste.

Marschall a. D. Pietro Badoglio indes genoss in seiner Heimat trotz seiner massiven Verwicklung in die faschistische Diktatur hohes Ansehen. Nach Mussolinis Sturz hatte er als Ministerpräsident Italien einen Allianzwechsel verordnet; im Oktober 1943 war Rom an die Seite der Alliierten getreten. Gleichzeitig hatte er die ersten Schritte in die nachfaschistische Zeit organisiert und am 22. April 1944 die Parteien des Nationalen Befreiungskomitees, darunter die Kommunisten, in seine Regierung aufgenommen. Als Garant der staatlichen Kontinuität und right wing ruler wurde der Marschall vom konservativen Establishment im westlichen Europa hoch geschätzt, besonders von Winston Churchill. Selbst nach seiner Zeit als Ministerpräsident ließen die Briten den alten Marschall nicht fallen und nahmen ihn immer wieder gegen Vorwürfe wegen der wichtigen Rolle in Schutz, die er unter dem »Duce« gespielt hatte.

Nicht leichter wurde die Auslieferung der acht Beschuldigten dadurch, dass zwischen Äthiopien und Italien keine diplomatischen Beziehungen bestanden. Den entsprechenden politischen Willen vorausgesetzt, hätte man für dieses Problem allerdings schnell eine Lösung finden können.

Doch dieser Wille fehlte in der Republik Italien. Die ersten Nachkriegsregierungen zeigten sich nicht bereit, wirklich Abschied von den Kolonien zu nehmen; von den dort begangenen Verbrechen wollte erst recht niemand etwas hören. So hoffte die Koalition des christdemokratischen Regierungschefs De Gaspari noch jahrelang, wenigstens den vorfaschistischen Überseebesitz zurückzuerhalten. Bezeichnenderweise bestand das Afrika-Ministerium in Rom bis 1953 fort, obwohl bereits der Vertrag von Paris einen Schlussstrich unter die 60-jährige mörderische Kolonialherrschaft Italiens gezogen hatte.

Besonders bei der Strafverfolgung von ehemaligen Spitzenmilitärs, die krimineller Handlungen während des Krieges verdächtigt wurden, zeigte sich die Republik Italien wenig kooperationsbereit. Historiker haben erst unlängst entdeckt, dass die Regierungen nach der vom kommunistischen Justizminister Palmiro Togliatti schon am 22. Juni 1946 verfügten Amnestie alles unternahmen, um Prozesse gegen eigene Kriegsverbrecher – ob in Abessinien, Lybien oder auf dem Balkan – zu verhindern. Es sollte der Eindruck erweckt werden, dass die italienische Armee selbst als Bündnispartner des »Dritten Reiches« einen sauberen Krieg geführt und sich in den besetzten Gebieten nie etwas habe zuschulden kommen lassen. Aus diesem Grund verhinderten die De Gasperi-Regierungen auch die Strafverfolgung von Wehrmachtsoldaten und SS-Männern, die zwischen 1943 und 1945 auf italienischem Boden Massaker an Zivilisten verübt hatten.

Diese Schwierigkeiten vor Augen, entschied sich die äthiopische Regierung, Italien entgegenzukommen. In einem Schreiben an das Foreign Office in London erklärte sie sich am 23. November 1948 bereit, auf einen Großteil der Verfahren zu verzichten und nur die beiden ehemaligen Marschälle Badoglio und Graziani zur Verantwortung zu ziehen. Um den Angeklagten einen fairen Prozess zu garantieren, schlug sie vor, ein internationales Tribunal mit einer Mehrheit nichtäthiopischer Richter einzusetzen, das nach dem Nürnberger Modell arbeiten sollte. Überdies bat die kaiserliche Regierung Großbritannien um Vermittlung in Rom.

Labour-Außenminister Ernest Bevin zeigte Äthiopien jedoch die kalte Schulter. Er verwies das Land am 31. Januar 1949 auf den direkten Verhandlungsweg mit Italien. Nicht genug damit unternahmen hohe Beamte des Foreign Office in dieser Zeit mehrere Versuche, Äthiopien von seinem Ansinnen abzubringen. Denn dieses kam für die ehemalige Weltmacht zur Unzeit.

Großbritannien war erstaunlich früh an einer vollständigen Normalisierung seiner Beziehungen zum ehemaligen Kriegsgegner interessiert. Alle britischen Regierungen wollten Italien, den Verbündeten der letzten Stunde, nicht für Verbrechen im fernen Afrika zur Verantwortung ziehen, die in den Jahren der unglücklichen Appeasement-Politik begangen worden waren. Das von Äthiopien verlangte Tribunal hätte viele unangenehme Fragen zur britischen Politik jener Jahre aufgeworfen: Schließlich hatte die nachgiebige Haltung Londons gegenüber Mussolini dessen aggressive Politik wesentlich erleichtert. Zudem besaßen die Briten als jahrhundertealte Kolinialmacht selber keine reine Weste.

Im übrigen sollte, nachdem der Kalte Krieg ausgebrochen war, alles unterbleiben, was die ohnehin schon starke Linke in Italien noch stärker gemacht hätte. Wie ihre westlichen Partner befürchteten die Briten, dass eine juristische Ahndung der Kriegs- und Besatzungsverbrechen in Afrika einen weit umfangreicheren Säuberungsprozess in Gang bringen könnte, der die antikommunistische Front in Italien geschwächt und die Linksdrift weiter beschleunigt hätte. Ganz in der Logik des Kalten Krieges wollten Großbritannien, Frankreich und die USA das Land im westlichen Lager halten und waren für dieses Ziel bereit, das von Äthiopien angestrebte Tribunal stillschweigend von der Agenda zu streichen.

Endgültig auf den zwischenstaatlichen Weg verwiesen, unternahm man in Addis Abeba im September 1949 einen letzten Versuch, Badoglio und Graziani zur Verantwortung zu ziehen. Der äthiopische Botschafter in London wurde bei seinem italienischen Amtskollegen mit einem entsprechenden Anliegen vorstellig. Noch einmal berief er sich auf Italiens Verpflichtung aus dem Friedensvertrag von 1947. Noch einmal sicherte er den beiden ehemaligen Marschällen ein faires Verfahren zu. Doch der italienische Botschafter weigerte sich, auf das Begehren einzugehen, weil zwischen den beiden Ländern keine diplomatischen Beziehungen bestünden. Nach dieser Antwort bat der äthiopische Botschafter das Foreign Office um Rat.

Das britische Außenministerium lavierte. Es stellte die Berechtigung der Auslieferungsbegehren nicht grundsätzlich infrage, hielt aber fest, dass der Zeitpunkt dafür unpassend sei. Äthiopien tue gut daran, die Frage des Prozesses nicht zu forcieren, wenn es an einer Föderation mit Eritrea interessiert sei.

Faktisch bedeutete diese Demarche das Aus für die äthiopischen Bemühungen. Jahrelang war Addis Abeba in der Kriegsverbrecherfrage hingehalten, getäuscht und auf später vertröstet worden. In der Folge musste sich keiner der großen und vielen kleinen italienischen Täter für seine Verbrechen in Afrika je vor irgendeinem Gericht verantworten.

Dieser stille »Generalpardon« für Mussolinis blutige Veteranen prägte die Erinnerung an die Ereignisse entscheidend. Sie verhinderte nicht nur, dass den vielen tausend afrikanischen Opfern der faschistischen Gewaltherrschaft Gerechtigkeit und Genugtuung widerfuhr. Die Sabotage eines »afrikanischen Nürnberg« trug überdies dazu bei, dass Mussolinis Diktatur nie als jenes brutale Massentötungsregime ins kollektive Gedächtnis der Europäer einging, das sie war.

Der Autor ist Professor für Zeitgeschichte an der Universität Luzern. Mehr zum Thema in seinem Buch »Experimentierfeld der Gewalt. Der Abessinienkrieg und seine internationale Bedeutung 1935–1941«, das dieser Tage im Orell Füssli Verlag, Zürich, erscheint (256 S., 32,80 €)

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