dvd Von der ersten Silbe bis zur Bestsellerliste

Der Dokumentarfilmer Jörg Adolph zeigt die Entstehung und Vermarktung eines Romans – grandios!



Als Kostprobe aus "Houwelandt" finden Sie hier den
schönen Moment, da der Roman seinen Weg aus
dem Verlag in Handel findet. Vertreter suchen die
Buchhändler auf und versuchen sie für das Werk
zu gewinnen. Nicht jeder ist begeistert...

Nun wird sie im Fernsehen gezeigt (am Sonntag, dem 25. September, um 21.15 Uhr bei 3sat), tags darauf erscheint sie als DVD: Houwelandt – die sonderbarste Romanverfilmung, die es je gab. Der Münchner Dokumentarfilmer Jörg Adolph sieht dem Hamburger Autor John von Düffel beim Schreiben zu. Wie der Wort um Wort einer Familiensaga ins Laptop hackt, weglöscht, neu tippt, wie er Satz um Satz sich vorantastet, gegen die Kälte seiner Stube in eine Decke gehüllt, im Zug sitzend, beim Joggen schwitzend, durchs Schwimmbecken pflügend, bis er am Ende eine halbe Million Zeichen zusammenhat.

Fünfzehn Monate lang formulieren und verwerfen, lesen und wieder lesen, besprechen, verhandeln, korrigieren, anpreisen, herumreisen, signieren, Lob genießen, Häme einstecken. Von der ersten Silbe bis zum letzten Punkt, vom Lektorat bis zur Umschlaggestaltung, von der Vertreterversammlung bis zur Frankfurter Buchmesse, vom Fernsehauftritt bei Elke Heidenreich bis in die Bestsellerliste, von der Lesereise durch deutsche Lande bis zum Kurztrip ins quirlige New York, dem Gegenbild zur Einsamkeit in der Schreibkammer.

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Es treten auf: der ringende Autor; der dröhnende Verleger; der durch eine gewaltige Hornbrille jede Nuance abschmeckende Lektor; die Frau des Autors: Bärin in der Wohnhöhle; zwei unablässig entwerfende Grafiker; die Korrektorin und ihre das Manuskript umschnurrende Katze; der Vertriebsleiter mit dem Rollkoffer; die bunte Schar der Vertreter; die Jaja- und die Neinnein-Buchhändler; die Literaturagentin, die dem guten Autor zum guten Hotel rät; Vater und Mutter des Autors; sein amerikanischer Freund, der sich geduldig anhört, how difficult it was to write this book.

Es tritt nicht auf: der Filmer. Seine Kamera bleibt in ihrer Allgegenwart unsichtbar. Jörg Adolph stellt nicht eine Frage, eindreiviertel Stunden lang erzählt er ohne ein eigenes Wort. Hintergründig, erhellend, auch auf unterhaltsamste Weise peinlich: Denn John von Düffel erweist sich als koketter Schreibschelm, der ständig das eigene Unvermögen beschwört, um sich dann in einem Atemzug mit Thomas Mann zu nennen. Selbst wer Düffel nicht mag, wird dieses Video mögen, die erste Literaturbetriebsverfilmung überhaupt.

John von Düffel/Jörg Adolph: Houwelandt Roman und DVD, 316 S., 103 Min., Dumont 2005, 14,90 €

Übrigens hat nicht der Dumont Buchverlag den Film in Auftrag gegeben und bezahlt, sondern die 3sat-Dokumentarfilmredaktion um Inge Classen, deren Produktionen aus dem seichten Fernseheinerlei angenehm herausragen. Ausstahlung am Sonntag, dem 25. September, um 21.15 Uhr bei 3sat.

 
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