Das Glück, jemandem zu begegnen, den wir lieben, der Schmerz, eine gute Freundin zu verlieren, die Fülle eines Traums, der uns noch lebhaft vor Augen steht, die friedliche Stimmung eines Frühlingstags, die tiefe Sammlung in der Meditation – all das ist die Wirklichkeit unserer Bewusstseinserfahrung. Ganz gleich, was der Inhalt dieser Erlebnisse im Einzelnen auch sein mag, niemand wird ihre Realität ernsthaft infrage stellen können. Trotz der unbezweifelbaren Wirklichkeit unserer Subjektivität und obwohl Philosophen sich seit Tausenden von Jahren Gedanken über dieses Phänomen gemacht haben, stehen wir vor dem Paradox, dass es nur sehr wenige Übereinstimmungen gibt, wenn wir das Bewusstsein theoretisch zu ergründen versuchen. Die Wissenschaft, die immer die Perspektive der dritten Person einnimmt – die objektive Sicht von außen – hat in diesem Fall erstaunlich wenige Fortschritte zu verzeichnen.

Viele Wissenschaftler begreifen das Bewusstsein als einen physiologischen Prozess, der aus der Struktur und Dynamik des Gehirns hervorgeht. Ich erinnere mich noch lebhaft an eine Diskussion, die ich vor mehreren Jahren mit angesehenen Neurobiologen der medizinischen Fakultät einer amerikanischen Universität geführt habe. Nachdem sie mir freundlicherweise die neuesten wissenschaftlichen Apparate vorgeführt hatten, mit deren Hilfe sie immer tiefer in die Struktur des Gehirns eindringen konnten – Magnetresonanztomografie und Elektroenzephalografie – und mir schließlich mit dem Einverständnis der Familie des Patienten auch noch erlaubt hatten, eine Gehirnoperation mitzuverfolgen, setzten wir uns zusammen und sprachen über die wissenschaftliche Auffassung vom Bewusstsein. Ich fragte einen der Wissenschaftler: "Offensichtlich hängen viele unserer subjektiven Erfahrungen – Wahrnehmungen und Empfindungen zum Beispiel – von Veränderungen der chemischen Prozesse im Gehirn ab. Ist die Umkehrung dieses Verhältnisses von Ursache und Wirkung denkbar? Ist es vorstellbar, dass das Denken selbst Veränderungen der chemischen Prozesse im Gehirn bewirken kann?" Mich interessierte dabei, ob die Umkehrung dieses kausalen Prozesses zumindest theoretisch vorstellbar ist.

Die Antwort des Wissenschaftlers war sehr überraschend für mich. Da alle mentalen Ereignisse aus physikalischen Prozessen entstünden, sagte er, sei eine solche Umkehrung nicht denkbar. Obwohl ich aus Höflichkeit nicht weiter darauf einging, dachte ich damals und denke auch heute noch, dass es keine wissenschaftliche Grundlage für eine solche Behauptung gibt.

Um das Bewusstsein vollständig zu erforschen, bedarf es einer Methode, die nicht nur neurologische und biochemische Prozesse beschreibt, sondern auch die subjektive Erfahrung des mentalen Geschehens. Selbst wenn Neurowissenschaften und Verhaltenspsychologie zusammenarbeiten, werfen sie nicht genügend Licht auf die subjektive Erfahrung, da beide Disziplinen überwiegend von der objektiven Perspektive der dritten Person ausgehen. Demgegenüber haben alle kontemplativen Traditionen im Laufe ihrer Geschichte die subjektive Erforschung der Natur und Funktionsweise des Bewusstseins aus der Sicht der ersten Person (Ich-Perspektive) betont, indem sie den Geist in einer sorgfältigen Weise darin übten, seine eigenen inneren Zustände zu betrachten.

In dieser Art von Untersuchung sind der Betrachter, das Objekt und die Mittel der Betrachtung Aspekte desselben Sachverhalts, nämlich des Bewusstseins eines individuellen Experimentierenden. Diese Art von Geistestraining bezeichnet der Buddhismus als bhavana, ein Begriff, der im Deutschen meist mit "Meditation" übersetzt wird. Im ursprünglichen Ausdruck aus dem Sanskrit klingt die Pflege einer Gewohnheit an, während der tibetische Begriff gom die wörtliche Bedeutung von "vertraut werden" hat. Es handelt sich also um eine disziplinierte Geistespraxis, in der man die Vertrautheit mit einem bestimmten Gegenstand pflegt, der sowohl ein äußeres Objekt als auch eine innere Erfahrung sein kann.

Immer wieder wird Meditation als ein Leerwerden des Geistes aufgefasst oder als eine Entspannungstechnik, doch darum geht es mir hier nicht. Die Praxis des Gom führt zu keinen mysteriösen oder gar mystischen Zuständen, die nur wenigen talentierten Einzelpersonen vorbehalten wären. Es geht dabei auch nicht um Nichtdenken oder die Abwesenheit mentaler Aktivität. Gom bezeichnet beides: ein Mittel oder einen Prozess sowie einen Zustand, der aus diesem Prozess entstehen kann. Im Zusammenhang unserer Betrachtungen möchte ich Gom vor allem als Mittel beschreiben, als einen Prozess der präzisen, konzentrierten und disziplinierten Introspektion und Achtsamkeit, der uns tief in die Natur eines Gegenstandes der Betrachtung vordringen lässt.

Wissenschaftliche Experimente mit Meditierenden, die mit Herbert Bensons Untersuchungen in Harvard in den 1980er Jahren ihren Anfang nahmen, blicken mittlerweile auf eine lange Tradition zurück. Benson kontrollierte die physiologischen Veränderungen der Körpertemperatur und des Sauerstoffverbrauchs bei Meditierenden, die sich in der tummo- Praxis übten, bei der es unter anderem um die Erzeugung von Hitze an einem bestimmten Punkt des Körpers geht. Wie Benson hat auch Richard Davidson, der an der University of Wisconsin in Madison arbeitet, Experimente mit Eremiten im Himalaja durchgeführt, unter anderem in den Bergen, die Dharamsala umgeben.