Freiheit statt Vollbeschäftigung" steht auf den Plakaten, die Aktivisten an Bahnhofswänden in Dortmund, Frankfurt und Berlin aufgehängt haben. "Arbeitslosigkeit ist kein Zeichen von Armut", sagt Sascha Liebermann, einer der Gründer der Gruppe. Arbeitslosigkeit sei vielmehr ein Ausdruck gesellschaftlichen Wohlstands und hoher wirtschaftlicher Produktivität. Rationalisierung und Arbeitsplatzabbau müssten daher nicht gestoppt, sondern weiter vorangetrieben werden. Und damit alle Bürger davon profitieren, sollten Arbeit und Einkommen entkoppelt werden. Liebermann und seine Mitstreiter fordern ein "bedingungsloses Grundeinkommen für alle".

Die kleine Initiative steht nicht allein. Es gibt sogar eine Vielfalt von Ideen, die alle darauf abzielen, den Zusammenhang zwischen Arbeit und Einkünften ganz oder zumindest teilweise zu lösen. Mal heißt die Lösung Bürgergeld, mal Sozialeinkommen, mal negative Einkommensteuer. Auch der Begriff der Sozialdividende wird verwendet – während früher die Bezieher von Aktiendividenden als "Kuponschneider" verachtet wurden, soll nun jeder das Recht zum mühelosen Geldeinsammeln bekommen. Doch trotz vieler Berührungspunkte und gemeinsam genutzter Begriffe unterscheiden sich die Konzepte erheblich.

Der wichtigste Unterschied: Wird das Geld vom Staat ohne Bedingungen gewährt oder an Voraussetzungen geknüpft? Letzteres ist zum Beispiel bei dem Bürgergeld der Fall, für das die FDP wirbt. Sämtliche Sozialleistungen – 138 verschiedene, vom Kindergeld bis zur Arbeitslosenunterstützung – sollen darin aufgehen. In den Genuss kommt aber nur, wer bedürftig ist und keine zumutbare Arbeit ablehnt. Für Geringverdiener soll es wie ein Zuschuss zum Lohn gezahlt werden. Das Ganze ist also so eine Art Sozialhilfe mit integriertem Kombilohn. Sie soll Bürokratie abbauen und Arbeitslose dazu bringen, auch gering entlohnte Jobs anzunehmen.

Die Idee: Jeder erhält mindestens 650 Euro, der Sozialstaat wird abgeschafft

Einen Schritt weiter gehen Vorschläge für ein Sozialeinkommen, wie es etwa Jeremy Rifkin in seinem Buch Das Ende der Arbeit propagiert. Danach soll für freiwillige, gemeinnützige Arbeit eine staatliche Leistung gewährt werden. Ähnlich fordert der Soziologe Ulrich Beck, bisher ehrenamtliche Tätigkeiten aufzuwerten und zu entlohnen. Im Kern geht es darum, neben der normalen Erwerbsarbeit einen gemeinnützigen Sektor zu etablieren, in dem die Gesellschaft Tätigkeiten finanziert, für die bisher niemand bereit ist, Geld zu zahlen.

Radikaler noch ist die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. Es wird von einigen linksalternativen Denkern ebenso wie von einigen liberalen Ökonomen gefordert – allerdings wiederum mit gravierenden Unterschieden. Für Wirtschaftswissenschaftler wie den Nobelpreisträger Milton Friedman oder Thomas Straubhaar, den Präsidenten des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts, heißt das: Alle Sozialleistungen würden abgeschafft, inklusive Renten-, Pflege- oder Arbeitslosenversicherung, die Löhne wären absolut frei, jeder Bürger erhielte aber ein Grundeinkommen, etwa auf dem Niveau des Existenzminimums. Das liegt gegenwärtig bei knapp 650 Euro. Der Vorteil aus ihrer Sicht: weniger Gängelung, keine Bürokratie, mehr Freiheit. Das garantierte Einkommen diene dazu, dass gesellschaftliche Konflikte vermieden würden und "der Gutverdienende und der Kapitalist in Ruhe ihre Arbeit machen können", sagt Straubhaar.

Andere Verfechter eines bedingungslos gewährten Grundeinkommens oder Bürgergelds haben ein großzügigeres Modell im Sinn. Götz Werner, Inhaber der Drogeriekette dm, plädiert für 1300 bis 1500 Euro. Bei 82 Millionen potenziellen Empfängern würde das etwa dem Doppelten aller heutigen Sozialausgaben entsprechen. Zur Finanzierung solle die Mehrwertsteuer auf bis zu 48 Prozent erhöht werden, alle anderen Steuern würden abgeschafft. Aktivisten der Anti-Globalisierungsbewegung Attac wollen ein idealerweise international abgestimmtes Grundeinkommen, das über Vermögen-, Erbschaft- und Grundsteuern sowie andere neue Abgaben finanziert wird. Gleichzeitig fordern sie Mindestlöhne für jene, die dann weiterhin arbeiten.