Arbeit Sozialhilfe für alleSeite 2/2

Das Problem: Ein hohes Bürgergeld verleitet so manchen zum Nichtstun

Die Ideen sind verschieden, doch der Haken an der Sache ist immer der gleiche. Berechnungen, die belegen sollen, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen finanzierbar sei, knüpfen am Status quo an. Über die Dynamik, die so eine radikale Reform entwickelt, lässt sich aber nur spekulieren: Wie viele Menschen werden weniger oder gar nicht mehr arbeiten wollen, wenn es ein großzügiges Grundeinkommen gäbe? Daraus folgt ein Zielkonflikt: Wird das Grundeinkommen so niedrig angesetzt, dass es nur die nackte Existenz sichert, würden die meisten Beschäftigten an ihrem Job festhalten. Das Bürgergeld wäre ja nicht mehr als eine Art Hartz IV für alle. Dann wäre die Entkopplung von Arbeit und Einkommen aber nicht gelungen. Armut, die heute oft als relative Armut im Vergleich zum Durchschnittseinkommen definiert wird, wäre nicht beseitigt und die soziale Lage der Arbeitslosen kaum besser als heute.

Legt man aber ein deutlich höheres Minimaleinkommen fest und wertet damit auch den sozialen Status des Lebens ohne Job auf, dann würde wohl ein größerer Teil der Menschen ihren Arbeitseinsatz reduzieren. Wahrscheinlich würde auch der eine oder andere Schüler schon kürzer treten – es geht ja auch anders. Und Lehrlinge brächen wohl noch öfter als heute ihre Ausbildung ab. Hätten die U-Bahn-Plakatierer damit ihr Ziel erreicht, herrschte dann Freiheit statt Vollbeschäftigung?

Vorsicht. Je mehr Menschen sich tatsächlich ganz oder teilweise aus der Arbeitswelt zurückziehen, desto stärker schrumpft das volkswirtschaftliche Einkommen, das zur Finanzierung eines großzügigen Grundeinkommens nötig wäre. Hinzu kommt: Viele einfache, unattraktive Arbeiten müssten wesentlich teurer bezahlt werden als heute – was den realen Wert des Grundeinkommens verringerte. So landete man am Ende doch wieder nur bei einer Art Sozialhilfe zu erleichterten Bedingungen.

 
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