Der Werbeblock

Ein Publikum macht Reklame für Lotto

Wenn Kaiserslautern in der Bundesliga gewinnt, schaue ich sonntags manchmal eine bestimmte Sendung in einem Nischensender. Das Senderkürzel heißt RP, die rheinland-pfälzische Unterabteilung des SWR, die Sendung eine Sendung, in der der 1. FC Kaiserslautern »der FCK« heißt, in der sich Reporter und Moderatoren noch trauen, die eher groben Fußballmetaphern zu verwenden.

In der Sendung nach dem vorletzten Bundesliga-Spieltag (Köln – Kaiserslautern 2:3) sah man ein Publikum, welches in großer Zahl schwarze TShirts trug, mit einer auch aus der Ferne erkennbaren Aufschrift: »Lotto«. Eigentlich dürfen Dritte ja keine Reklame machen. Man sorgte sich ein wenig um die Werbungseinschleichungsfähigkeiten des Senders. Geht es nicht ein wenig dezenter? Zwei Zuschauer mit »Lotto« auf der Brust waren groß zu sehen, der Moderator stand vor Lotto-Shirt-Trägern, und wenig später veranstaltete der Mann ein Quiz: »Gewinnen Sie mit Oddset eine Reise nach Istanbul.« Genau: Oddset ist die Sportwette von Lotto.

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Ein anderes Drittes Programm, der MDR, hat gerade Ärger wegen Oddset. Der Sender musste neulich zugeben, Schleichwerbung für Oddset ausgestrahlt zu haben. Wie also kommt in diesen Tagen ein Lotto-T-Shirt-Publikum ins Fernsehen? Anruf bei Lotto Rheinland-Pfalz. Dort erzählt Christel Colljung, sie habe die Sendung auch gesehen. Sie weiß aber nicht, wie es dazu kam – vielleicht eine Tipp-Gemeinschaft, vielleicht Kollegen von Lotto, vielleicht eine private Gruppe –, sie weiß nur: Sponsoring war es nicht. Sie wolle sich schlau machen. Und vor allem solle man den SWR fragen, es sei doch dessen Sache, wer da wie im Publikum sitze.

Das ist eine gute Idee. Der Leiter der Sendung Flutlicht, Claus-Dieter Gerke, erinnert sich daran, dass es sich bei den T-Shirt-Trägern um eine Gymnastikgruppe handelte, die so ins Studio kam. »Bisher gibt es für unser Studiopublikum keine Kleiderordnung. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass wir wegen der derzeitigen allgemeinen Hysterie unseren Besuchern vorschreiben müssen, was sie anzuziehen haben.« Ob das nicht komisch wirke: erst ein Lotto-Publikum, dann ein Oddset-Quiz. »Es besteht keinerlei Zusammenhang zwischen dem WM-Quiz und der Kleidung des Publikums.«

Die Frau von Lotto ruft zurück: Ja, es war eine Gymnastikgruppe! Fragt man beim SWR, ob man den Namen der Gymnastikriege erfahren dürfe, um mit ihr über ihre Lotto-Begeisterung zu reden, heißt es, das gehe nicht. Datenschutz. Man könne ja nicht die Identität seines Publikums preisgeben.

Der Moderator verrät, stellt man bei nochmaliger Sichtung des Bandes fest, am Ende der Sendung die Herkunft seiner Gäste: Er bedankte sich bei der Gymnastikriege Dedenbach für ihren Besuch. Anruf in Dedenbach. Die Vorsitzende des Vereins sagt, dass sie dazu nichts sagen will. Und legt auf.

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