kino Fünfzig mal drei Minuten Orlando Bloom

Die diesjährigen Filmfestspiele von Venedig boten nur wenige interessante Filme, trotzdem muss man nicht gleich den Untergang des Festivals prophezeien

Es hilft ja nichts, sie auch noch schönzureden: Die 62. Filmfestspiele von Venedig waren schlichtweg enttäuschend. Bösartige Beobachter behaupteten sogar, das Festival sei eigentlich schon nach zwei Tagen zu Ende gewesen.

Am Anfang war noch alles gut. Ang Lees Brokeback Mountain, Gewinner des Goldenen Löwen, und George Clooneys Good Night, and Good Luck, der die Preise für den besten Darsteller und das beste Drehbuch gewann (beide ZEIT Nr. 37/05) bliesen zum großen Tusch. Aber dann versammelten sich 18 weitere Wettbewerbsfilme zu einem langen asthmatischen Fiepen.

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Nun kann der Wettbewerb eines großen Festivals sehr unterschiedlich ausfallen, je nachdem, welche Filme gerade vorführungsbereit im Erntekorb des Direktors landen. In Venedig aber schien es, als wollte jede Filmnation mit aller Kraft ihre schlimmsten Leinwandklischees ausstellen. Das asiatische Kino (Tsui Hark, Takeshi Kitano) bot souverän stilisierte Gewaltbilder mit wenig oder keinem Inhalt. Frankreich erzählte die Liebe mal als Ehedrama (Patrice Chéreaus Gabrielle), mal als politischen Bildungsroman über die 68er (Philippe Garrels Les amants regulier s ), aber gleichermaßen selbstgefällig. Aus Russland kam mit Aleksej Germans Garpastum eine melancholisch überdehnte Adoleszenzgeschichte über die Tage vor dem Ersten Weltkrieg, und die drei fernsehformatigen Wettbewerbsfilme aus Italien bestätigten wieder einmal die alte Regel, dass man sie getrost verpassen kann.

Gegen Ende der Filmfestspiele stellte sich in Venedig zu allem Überfluss auch noch das neue, mit immerhin acht Millionen Euro budgetierte römische Konkurrenz-Filmfest Cinema – la festa internationale di Roma vor, das vom nächsten Jahr an auf prominente Gäste und nationale Produktionen setzen will. Die Postfestivaldepression schien perfekt. Und doch wirkte sie auch ein wenig albern. Das römische »Eventfestival«, diese große giftige Glamourpraline am Horizont, soll im Oktober liegen, also zu spät, um Venedig die großen amerikanischen Produktionen des kommenden Kinoherbstes abspenstig zu machen. Zudem muss man nicht besonders hellseherisch zu sein, um zu behaupten, dass eine Veranstaltung, die sich vor allem über ihren Populismus definiert, international wenig Anziehungskraft entwickeln wird.

Auch besteht das Problem von Venedig nicht in zu wenig Glamour, sondern in der Tatsache, dass der auch in diesem Jahr beeindruckende Star-Auftrieb die Schwächen des Festivals – schlechter Wettbewerb, unprofilierte Nebenreihen – nur notdürftig überkleistert. Nach wie vor verschaffen die großen US-Produktionen den Festivals zwar ihr Lebenselixier, das Medieninteresse – machen sie aber auch immer austauschbarer. Ob sie nun die Adria oder die Côte d’Azur im Rücken haben – wenn amerikanische Schauspieler wie Orlando Bloom an einem einzigen Nachmittag fünfzig Fernsehinterviews im Drei-Minuten-Takt geben, dann reduziert sich auch ein Festival zur Turbo-Marketingmaschine.

So hatte die italienische Tageszeitung La Repubblica bereits zu Beginn des Filmfestivals den Boykott von Venedig herbeipolemisiert. Warum solle man horrende Hotelpreise und schlechtes Essen in Kauf nehmen für US-Filme, die man sowieso ein paar Tage später im Kino um die Ecke sehen könne?

Leser-Kommentare
    • sbm66
    • 22.09.2005 um 16:40 Uhr

    Orlando Bloom was born in Canterbury, Kent, England

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