kino Fünfzig mal drei Minuten Orlando BloomSeite 2/2

Ja, warum eigentlich?

Mag sein, dass es etwas Altmodisches hat, sich im Zeitalter von DVDs und Internet nach stundenlangen Flügen mit dreitausend anderen Menschen zu treffen, um gemeinsam auf eine Leinwand zu starren. Aber vielleicht sind Festivals irgendwann die Orte, an denen sich das Kino noch seiner selbst versichern kann. Gerade weil der Zuschauer hier keine imaginäre Größe ist, wird das Gemeinschaftserlebnis Kino auf Festivals womöglich noch am längsten überdauern. Man fährt nach Venedig, nach Cannes und Berlin, solange die großen Filmfestivals immer noch beides bieten: große Konfektion und persönliche Blicke aus den Winkeln der Welt, den Blockbuster der Saison und den so genannten kleinen Film, der erst bei der Vorführung entdeckt wird. Wenn ein Film bei seiner Festivalpremiere vor internationalem Publikum in einem bis auf den letzten Platz besetzten Kinosaal gesehen wird, dann erwacht er gewissermaßen zum Leben – findet Käufer und Verleiher und kann weltweit ins Kino kommen.

Natürlich gibt es auch das manchmal etwas abfällig betrachtete Genre des Festivalfilms. Seit Jahren schon kommen etwa die Arbeiten des inzwischen 96-jährigen Portugiesen Manoel de Oliveira selten oder nie bei uns ins Kino. In Venedig lief sein neuer Film Espelho mágico, die Geschichte einer schönen Frau, die ihr Leben verpasst, weil sie auf eine Marienerscheinung wartet. Es ist eine wunderbar heiter erzählte, licht fotografierte Abhandlung über den Sinn und die Absurdität der Religion, das vergebliche Hoffen auf die Offenbarung und die Tatsache, dass man genug Geld und Zeit haben muss, um sich die Frage nach dem Sinn des Lebens überhaupt stellen zu können. De Oliveiras Bilder prägen den Kinodiskurs, beeinflussen andere Regisseure, sind Bestandteil einer Kunstform, die sich auf Festivals nicht nur über Verkaufserfolge, sondern mit dem Publikum auch über sich selbst verständigt. Espelho mágico ist ein Festivalfilm, na und?

Man muss nach Venedig fahren, nicht zuletzt um Menschen wie Wei Wei zu sehen, die einstige Filmdiva aus Hongkong. Sie kam zur Vorführung von Fei Mus Klassiker Frühling in einer kleinen Stadt, aus dem Jahre 1947, den das Festival restauriert in seiner Retrospektive zeigte. Eine schlanke alte Dame, schon ein wenig wacklig, aber mit Haltung und Noblesse. Sie schaute sich einen Film an, den sie seit der Premiere nicht mehr gesehen hatte. Sie sah Bilder, in denen sie Mitte zwanzig ist, eine Schönheit, die gerade ihre Filmkarriere beginnt. Während der Vorführung hörte man Wei Wei immer wieder leise lachen. Eine 80-jährige Schauspielerin, die ihrem eigenen Bild begegnet, die dabei nicht über das eigene Altern erschrickt, sondern mit großer Heiterkeit auf ihre Leinwandjugend blickt. Das ist dann wohl auch ein definitiver Festivalmoment.

 
Leser-Kommentare
    • sbm66
    • 22.09.2005 um 16:40 Uhr

    Orlando Bloom was born in Canterbury, Kent, England

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