Zwischenstopp Berlin
KLAUS TÖPFER beendet seine Arbeit als Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen. Und jetzt? Er hat ein großes Ziel: Das Bruttoglücksprodukt des Landes steigern
Per Nachtflug von Nairobi nach London, den ganzen Tag Gespräche, abends knapp die Maschine nach Berlin erwischt, und dort wartet schon wieder eine Journalistin: So ist das Leben der UN-Nomaden.
Klaus Töpfer wirkt dennoch entspannt. Offenbar ist es für den Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) fast wie nach Hause kommen, wenn ihm die Kellner, kaum ist er ins Restaurant seines Stammhotels am Spreekanal geschlendert, seine Lieblings-Minibuletten hinstellen. Zudem hat der CDU-Politiker einen schweren Entschluss hinter sich: Anfang nächsten Jahres hört er beim Unep auf.
Dabei ist es dem political animal vermutlich nicht unangenehm, wenn ihn die Berliner CDU als Spitzenkandidat umwirbt. Als Verkörperung von global denken, lokal handeln sozusagen. Zum Weggang sagt er nur, dass er mit 67 lieber selbst habe entscheiden wollen, wann er geht, ehe man seiner überdrüssig werde: Aus zwei geplanten Jahren wurden ja schon acht.
Klaus Töpfer ist ein bisschen weniger niedersächsischer Kumpel und viel mehr weltläufiger Gentleman geworden in Kenia, wo das Unep seinen Sitz hat. Und seine Züge sind markanter nach einer Zeit, in der er gelernt hat, wie er sagt, dass Umwelt nicht nur schön anzusehen, sondern für Arme unmittelbar existenziell ist - in der er zudem laufend mit Dramen zu tun hatte. Mit dem Verschwinden: der Artenvielfalt, des Wassers, des Öls. Den aufbrausenden Folgen des Klimawandels - die er seit Jahren prophezeit.
Der Satz Ich hab's immer gewusst fiele Töpfer angesichts der Katastrophe von New Orleans als letzter ein. Doch in der Vehemenz dieses Hurrikans, der weltweiten Häufung von Stürmen und Fluten, sieht er die Realisierung des Vorhergesagten. Dass darauf noch immer nicht angemessen reagiert werde - dass die Menschen weiter zu billig zu viel flögen und ihre Umwelt ingenieursmäßig gestalten - etwa Flüsse ins Bett zwängen, statt ihrem Lauf und Feuchtgebieten Raum zu geben - das mache ihn traurig.
Dann erzählt er von einer Schiffsreise in die Arktis, mit einer Mischung aus Faszination über die Schönheit der Landschaft und Erschrecken: Wenn man sieht, wie dort das Eis zurückgeht ... und die Eigendymanik des Wandels ist unberechenbar, niemand weiß, ob es nicht einen Seeroseneffekt geben könnte.
Er sagt das nüchtern - oder? Klaus Töpfer zögert nicht: Mit Angst hab ich's nicht so. Genauso wenig wie mit großem Mut. Auch von allzu großer Schwarzmalerei halte er wenig, man müsse verhindern, dass die Menschen sagen: Wenn es so schlimm ist, dann gehen wir halt schnell noch 'n paar Champagner trinken.
- Datum 15.09.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 38/2005
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