Einfacher, als es scheint
Bisher haben die Deutschen stets klug gewählt. Auch diesmal könnte es noch gut ausgehen
Mit etwas Abstand muss man sagen: Die Deutschen haben bei allen Bundestagswahlen richtig abgestimmt. Die Adenauer-Zeit, Brandt, die Schmidt-Ära, die Wahl nach der Einheit, all das hatte Sinn. Sogar 1994, als Helmut Kohl nichts mehr vorhatte, wurde gegen die SPD entschieden, die nicht regierungsreif war. 2002 gegen den unklaren Stoiber zu votieren und Rot-Grün eine zweite Chance zu geben war ebenfalls plausibel. Es gibt sie offenbar, die Klugheit der Mehrheit.
Und diesmal? Dieser Kladderadatsch soll Sinn haben? Das ist zunächst
eine Frage nach den Angeboten, die dem Wähler vorlagen. Der Wahlkampf
hatte gut angefangen. Rot-Grün verteidigte die Agenda 2010,
Schwarz-Gelb vertrat eine Agenda plus – bis zur Nominierung von Paul
Kirchhof und bis zum SPD-Parteitag. Da verlor die Union die Kontrolle
über den eigenen Reformismus, woraufhin der Kanzler eine Kampagne
entfachte, mit der er die Union so dämonisierte, dass er nebenbei den
Geist seiner eigenen Reformpolitik beschädigte.
Am Schluss hatten die Bürger nur noch die Wahl zwischen einer Agenda minus (SPD) und einer Agenda im Quadrat (Union), zwei irrealen Alternativen also. Folgerichtig gaben sie keinem eine Mehrheit. Folgerichtig? Bis zum vorigen Samstag waren sich die meisten Demoskopen, Politiker und Journalisten einig, dass der Abstand zwischen Union und SPD beträchtlich sein würde. Dann aber sackte die Union plötzlich um fünf Prozentpunkte ab. Warum? Und warum hat keiner es geahnt?
Wer es sich einfach macht, könnte sagen: Was passiert, wenn die vier begabtesten Volkstribunen der Republik – Schröder, Fischer, Gysi und Lafontaine – den Leuten Angst machen? Antwort: Die Leute kriegen Angst. Doch ist damit wenig geklärt. Denn es wäre die Aufgabe der Union gewesen, den Menschen die Angst vor Reformen zu nehmen.
Es ist leicht, die Fehler der Kandidatin aufzuführen. Doch würde dabei einiges verloren gehen, was noch gebraucht wird. Die Kandidatin zum Beispiel. Vor allem aber die relative Ehrlichkeit. Natürlich waren Mehrwertsteuererhöhung und Besteuerung von Nachtarbeitszuschlägen Zumutungen. Aber wie soll sich Politik ohne etwas Ehrlichkeit heute ein Mandat holen, mit dem sich dann auch regieren lässt?
Kurzsichtig wäre auch der Schluss, eine Frau habe eben keine Chance. Trotz Merkels Schwäche war ihre Kandidatur zumindest gesellschaftlich ein Fortschritt. So weit wie sie war noch keine. Zudem erleben wir nun die furiose Endphase des Politik-Machismo à la Schröder und Fischer. Mit ihrer Virilität und Virtuosität gelang es ihnen, Schwarz-Gelb zu verhindern. Sich selbst einen belastbaren politischen Auftrag etwa durch eine neue Reformagenda zu holen, haben sie nur unzureichend versucht. Fischer hat daraus die Konsequenz gezogen. Schröder noch nicht.
Wenn weder die Frau noch die Ehrlichkeit den Ausschlag gegeben haben, was dann? Es war das Paradoxon des Jahres: Rot-Grün wurde für Reformen bestraft, für deren Verschärfung Schwarz-Gelb belohnt werden wollte. Merkel versuchte, diesen Widerspruch zu lösen, indem sie versprach, mit besserem Handwerk würde die Lage besser. Sonst boten die Union und ihre Kandidatin den Leuten nichts, keine Philosophie, keine Feindbilder, keine Sicherheiten, kein Charisma.
Und kein gutes Beispiel. Unablässig sprach die Union von »Schicksalswahl«. Doch kein einziger Ministerpräsident (außer Peter Müller aus dem kleinen Saarland) war bereit, das eigene politische Schicksal mit in die Waagschale zu werfen. Dadurch wurde das »Kompetenzteam« zum Misstrauensvotum gegen Merkel und zum Dementi der dramatischen Botschaft. Nur Kirchhof glänzte – zunächst. Doch wusste Merkel ihn nicht zu führen. Als er dann zur Zielscheibe wurde, beförderte sie ihn sogar noch zum neuen Ludwig Erhard. Damit verlor der Reformanspruch jedes Maß.
Dieser Fehler der Kandidatin zeigt ein mangelndes Gespür fürs Volk. Die Veränderungsbereitschaft zu überschätzen und die Ängste nicht ernst genug zu nehmen – dieses Defizit teilt Angela Merkel jedoch mit vielen Meinungsmachern. Hier ist mediale Selbstkritik angebracht. Bei vielen Anwürfen von Schröder und Fischer nicht. Es gab für Journalisten zum Beispiel nicht den geringsten Grund, der Parole der beiden, Rot-Grün habe weiterhin eine Chance, auch noch einen Resonanzboden zu geben. Ein Bluff ist ein Bluff. Und der Kanzler wurde und wird weithin mit Respekt bedacht. Er sollte die Kirche im Dorf lassen.
- Datum 22.09.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 22.09.2005 Nr.39
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Warum sollte Frau Merkel Bundeskanzlerin werden und warum sollte es Schröder bleiben, wenn sie beide nicht in der Lage sind das Vertrauen der Mehrheit der Abgeordneten des Bundestages dauerhaft auf sich zu vereinen?
Ausflüchte der jeweiligen Parteigänger zählen nicht allzu viel. Weder besteht ein Anspruch auf die Kanzlerschaft aus Tradition für die Partei mit den meisten Stimmen, noch existiert ein Recht, die hervorragende Wahlkampfleistung und
offensichtlich bessere Kommunikations- und Sprachfähigkeit des Amtsinhabers als neue Kriterien für die Kanzlerschaft anzuführen.
Wenn Mr. Bean die Mehrheit der Abgeordneten hinter sich brächte und einen deutschen Pass hätte, wäre er Kanzler.
Was jedoch immer deutlicher wird. Es geht grundsätzlich um
die Durchsetzung eines Machtanspruchs. Zunächst von seiten
der SPD mit Schröder, jetzt aber vor allem CDU/CSU mit Merkel. Die will ja nun in Sondierungsgesprächen erst einmal
"blanco" als zukünftige Regierungschefin geführt werden. Den Anspruch lässt sie in geschickter Form von ihren Sekundanten
vortragen.
Mir gehen die beiden Alphatiere unterschiedlichen Naturells
mittlerweile auf den Nerv. Ehrlich sind sie beide nicht.
Frau Merkel enttäuscht beständig mit mangelndem Hintergrund ihrer Argumente und allzu flacher Rhetorik und Herr Schröder verwechselt in letzter Zeit Poltik mit einem Spieltisch im Casino.
Beide bräuchten dringend wenigstens einen ehrlichen Sklaven der beständig ruft: Respice post te, hominem te esse memento.
Herr Schröder hat die Neuwahl initiiert, da er unter diesen Umständen nicht weiterregieren konnte (oder wollte).
Warum sollte man ihm nochmals das Land für 4 Jahre anvertrauen?
Durch die schwarze Blockadepolitik im Bundesrat war jedem klar, dass der CDU/CSU jedes Mittel recht ist, um die Macht zu bekommen. Und wenn Deutschland dabei beschädigt wird, dann ist das halt so, Hauptsache der politische Gegner kann keine Erfolge vorweisen. Kann man diese Haltung mit einer gewonnenen Wahl belohnen?
Ich hatte den Eindruck, dass ich vor folgender Wahl stehe:
Das Gewürge der letzten Jahre unter Rot/Grün nochmals eine Legislaturperiode lang (oder zumindest so lang, bis es wieder einen roten Bundesrat gibt)
oder
ich wähle CDU/CSU/FDP damit wir wieder eine handlungsfähige Regierung haben, die allerdings dann mit Volldampf in die falsche Richtung marschiert.
Die Umstände waren so, dass die Wähler, die mehrheitlich Links stehen, dazu gedrängt wurden, rechts zu wählen. Ansonsten (große Peitsche)würde schwarz/gelb für Stillstand im Land sorgen.
Dieses Wahlergebnis ist das einzige Wahlergebnis, das zu einer großen Koaltion führt. Es wird also weitergehen in Deutschland (durch Blockade würden sich die Parteien selbst schaden), und es wird nicht nur "rechts" weitergehen.
Erstaunlich, wie treffsicher eine Wahl sein kann.
Anstatt über die Entscheidung des Wählers zu schimpfen, exotische Koalitionswünsche zu äussern und den jeweils andern politischen Gegner zu verunglimpfen sollten die Politiker nun endlich das tun, wofür sie gewählt wurden: Regieren und Deutschland aus dem Reformstau herausholen.
Schröder hat - auch wenn es weh getan hat - die richtige Entscheidung getroffen, als er die Neuwahlen initiiert hat. Am Bundesrat kam er nicht vorbei - Reformen waren nicht möglich.
Im vergangenen Wahlkampf hat die CDU/CSU ihren Reformwillen zum Ausdruck gebracht. Es ist an der Zeit, dass sie nun daran mitwirkt, dass Reformen auf den Weg gebracht werden. Alleiniges Opponieren und Ausbremsen genügt da nicht mehr, politische Tagesarbeit ist nötig.
Das Votum des Wählers ist eine grosse Koalition, in der die politischen Parteien sich zusammenfinden und eine tragfähige Neuausrichtung gestalten.
Insofern kann das Wahlergebnis eigentlich nicht verwundern. Ich verstehe es als Aufruf der Wähler zur grossen Koalition. Ohne Merkel und ohne Schröder.
Grossbritannien ist nicht die Antwort. Die 'League Tables' sind gefaelscht wie in der UdSSR und in der DDR.............die Staatsschulen in England sind nichts Besonderes........die Examen sind mit 3% Durchfallsquote bezeichnet und die Faecher sind inhaltslos.............New Labour hat Schaum ueberall gesprueht.
In Deutschland ist Steuer zu hoch fuer Service-Business. In der Industrie hat man Abschreibungsmoeglichkeiten solange man Maschinen statt Menschen im Betrieb hat; aber wer Menschen statt Maschinen hat - wie im Dienstleistungssektor wird bestraft mit Steiermodailitaeten die Cashflow besteuern statt Gewinn.
Man sollte Krankenversicherung durch MWSt bezahlen und die Hunderte Krankenkassen auf 5 konsolidieren und die ganzen Lohnnebenkosten fuer Gesundheit abschaffen. Kohl hat die Einheit durch Lohnnebenkosten finanziert und dadurch Faktor Arbeit ueberteuert.
Das Beste waere weniger Staat - ganz einfach Verordnungen stilllegen und jedes Formular soll eine Zeitverschwendungserfassung seitens des Buergers dabei haben und die Behoerden sollten dann die Gesamtstunden ausrechnen die der Buerger verbrauchte um Auskunft an den Staat zu liefern.
Die ganze Reisekostenerstattungsverordnungen sollte man vereinfachen und der Buerger sollte nicht mehr den Staat bedienen, sonder bedient werden.Max Grundig hat Radioempfaenger als Bausatz verkauft weil die Allierten es veroten hatten, Radios herzustellen und zu verkaufen. In Deutschland heutzutage waere auch der Bausatz verboten.
Es gibt in Deutschland Beamten auch in der Wirtschaft - Versicherungsbeamten, Bankbeamten, Siemens-Beamten, BMW-Beamten, Daimler-Beamten, VW-Beamten...............die Wirtschaft ist ein Machtspiel und wer die meisten MA in der Abteilung hat ist am wichtigsten.
Es ist nicht Leistung sondern Besitz, den man in Grossunternehmen feiert und die Leute die was aufbauen moechten sind als Ameisen betrachtet - klein zu zerquetschen statt als fleissig und aktiv zu befoerdern.
Deutschland macht alles fuer sich selbst so schwierig - und die jungen Guten wereden nach Australien und Kanada auswandern; und die Deutschen die auswandern sind die die was bewegen. Wieviele sind nach 1848 nach England ausgewandert und Geschaefte in England aufbauten - Tausende - und die Deutschen sind im Ausland besonders erfolgreich weil - genau wie vor dem Preussischen Staat - sind die im Ausland frei Fehler zu machen und Ideen durchzusetzen ohne Paragraphen und Sondergenehmigungen der Staatsdiener erst zu holen.
Die FDP meint, die Union habe nach der Bundestagswahl vom 18.9.05 einen "Regierungsauftrag", weil CDU und CSU zusammen die stärkste Fraktion im Bundestag stellten. Deshalb könne die FDP grundsätzlich nicht mit der SPD, sondern nur mit der Union Koalitionsgespräche führen.
An dieses willkürliche Prinzip hat sich die FDP anlässlich der Bildung der Bonner sozialliberalen Koalition 1969 nicht gehalten; auch damals stellte die Union mit 46 % der Wählerstimmen die stärkste Fraktion (SPD 43 %).
Bei der Bildung der ersten Hamburger Regierung von Beust fand sich sich die FDP 2001 sogar bereit, zusammen mit der Schill-Partei in die CDU-geführte Koalition einzutreten, obwohl die CDU mit nur 26 % eine katastrophale Schlappe erlitten hatte, während die SPD zwar auch Verluste erlitten, aber immerhin 36,5 % erreicht hatte.
Nach der Neubildung des Landes Baden-Württemberg im Jahre 1952 wurde sogar Reinhold Maier als Vorsitzender der DVP, die damals den dortigen Landesverband der FDP darstellte, in einer Koalition mit SPD und BHE der erste Ministerpräsident dieses Landes. Die CDU bildete zwar die stärkste Fraktion, musste aber in die Opposition gehen.
Das alles war legitim und politisch vertretbar. Denn durch ein blosses Bundes- oder Landtagswahlergebnis erhält noch niemand einen "Regierungsauftrag". Erst durch die erfolgte Wahl eines wie auch immer aufgestellten Kandidaten für das Amt des Regierungschefs durch das neugewählte Parlament wird dieser beauftragt, eine Regierung zu bilden, die eine Einparteien- oder eine im Prinzip beliebige Koalitionsregierung sein kann, und mit dieser zu regieren.
Das sollte die FDP, die sich oft ihr besonderes Eintreten für Bürgerrechte, Recht und Gesetz zugute hält, bedenken, wenn sie von einer demokratischen Partei wie der SPD nach der Wahl zu Gesprächen über eine mögliche Koalition eingeladen wird.
Ausserdem würde die FDP einer von ihr selbst schon mehrfach und für sie erfolgreich erprobten Tradition folgen, wenn sie auch mit der SPD über eine mögliche Koalition sprechen würde.
Mit freundlichen Grüssen
W.Jahns
In allen Berichten, Kommentaren und Interviews in der veröffentlichten Meinung wird derzeit nur die Machtfrage erörtert, also die Frage, welche der herrschenden Netzwerke in den nächsten Jahren Zugang zu den großen und ganz großen Futtertrögen bekommt bzw. behält.
Obwohl nach der Wahl einige Meinungsforscher darauf hingewiesen haben, dass sich die Wähler, wie selten zuvor, bei ihrer Entscheidung von Sachfragen haben leiten lassen, wird dieser Punkt nur äußerst unzureichend kommentiert und im öffenlichen Diskurs erörtert.
Dabei war gerade dieses Votum der Wähler absolut klar:
Mehr als 50 Prozent der Wähler wünschen sich eine Politik, die die soziale Gerechtigkeit bei den erforderlichen Veränderungen der Spielregeln für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft beachtet. Mit anderen Worten: Mehr als 50 Prozent der Wählerinnen und Wähler haben sich für die skandinavische Variante der Reformen des Sozialstaates entschieden und nicht für die Angelsächsische.
Eine Mehrheit dieses Landes ist davon überzeugt, dass es besser ist, in einem Land zu leben, in dem es 80 Prozent der Bevölkerung gut geht, als in einem Land, in dem es 20 Prozent der Bevölkerung sehr gut geht und die anderen 80 Prozent ständig um ihre Existenz Angst haben müssen.
In diesen Zusammenhang sei auf den Ausspruch Herrn von Pierers hingewiesen, der auf die Frage, warum er sich im Kompetenzteam von Frau Merkel engagiere, antworte: "Weil ich möchte, dass es MEINEN Kindern morgen so gut geht, wie mir heute."
Die Wähler haben die seit gut 25 Jahren mehr oder weniger intensiv und erfolglos betriebene, neoliberale Wirtschaftspolitik satt.
Im übrigen hoffe ich sehr, dass die heute verantwortlichen Politiker, die die durch die Wahl ermöglichte Chance zum Paradigmenwechsel in der Politik auslassen, die Verschärfung der Verteilungskonflikte noch am eigenen Leib erfahren werden.
Warum ich diese Zeilen schreibe?
Weil ich hoffe, dass meine Kinder nicht das Erleben müssen, was ihre Großeltern schon erlebt haben: Die Vernichtung und Enteignung einer Bevölkerungsminderheit zur Lösung von Konflikten um die Verteilung von gesellschaftlichen Reichtum.
Ganz zu schweigen, von all den anderen historischen Katastrophen, die die Radikalisierung der Verteilungskonflikte in der ersten Hälfte des vergangen Jahrhunderts zur Folge hatte.
Der starke Führer gibt sich keine solchen Blößen. Er tritt als Solist, als Alleinherrscher auf und macht anschließend, was er will. Eine neue Stufe seiner Putinisierung erklomm Schröder an einem Wahlabend, der ihn zum ersten Mal nicht als Gewinner sah. Als er erkannte, daß das Ergebnis nicht zu den Maßstäben passen würde, an denen Sieger gemessen werden, warf er den Maßstab über Bord und klammerte sich an den Sieg. 2002 hatte er bei 6000 Stimmen Unterschied zugunsten der SPD triumphierend gerufen: Mehrheit ist Mehrheit. Jetzt, bei 450000 Stimmen Vorsprung für die Union, sollte das nicht mehr gelten. Der demokratische Führer neuen Typs läßt sich weder von Fakten noch von Institutionen, erst recht nicht von Medien beeindrucken. Wer hält ihn auf?
Diese Wahl einmal von ungedachter Perspektive betrachtet, haftet der politischen Situation,übrigens schon der letzten 1-2 Jahre, ein Bild an,das in dieser Wahlentscheidung seine Fortsetzung findet.
Rot-Grün hat fast sämtliche Landtagswahlen verloren,die Bundesratsmehrheit der Union ist eindeutig.Die Ursachen dieser Niederlagen wurden entscheidend durch Bundesthemen geprägt. Als dann in Schleswig-Holstein Frau Simonis durch eine Meuchelstimme im eigenen Lager verhindert wurde und die NRW-Wahl verloren ging durch den Unwillen der rotgrünen Wähler,ihre eigenen Politiker zu wählen,kamen immer mehr Politiker an die Macht,die eigentlich ohne Profil und Idee den Pragmatismus der internationalen Wirtschaftslobby predigten,ohne Sinn und Gespür für die spezielle Gemütsverfassung im Land Deutschland.
Was ist hier nicht alles in den zB letzten Jahren passiert,was nicht Anlaß genug gewesen wäre,die Stimmung des deutschen Wähler besser begreifen zu wollen.Das fängt bei der Wiedervereinigung an,geht über das Wagnis "Rotgrün",die europäische Union,die Globalisierung,die Währungsunion und all die vielen weltpolitischen Großereignisse und Kriege der letzten Jahre.Und alles erlebt der deutsche Wähler aus der Perspektive des Verlierens.Keiner dieser Ereignisse konnte eine Erfolgsidentität stiften,die dem Menschen in Deutschland das Gefühl geben hätte können,er könne Kraft aus seinem Tun und Mittun schöpfen (ausgenommen vielleicht die Beteiligung an dem unsäglichen Balkankrieg).Mittun mußte er aber den Umständen entsprechend immer,und wenn's auch nur mit dem Geldbeutel war und seiner wirtschaftlich verblassenden Prosperität.
Sämtliche Reformen,die von den Politikern in Angriff oder in Aussicht genommen wurden,waren Verschlimmverbesserungen,von denen die Menschen Folgen und nicht die Erfolge hatten.Und darauf wurde ein Wahlkampf angesetzt mit den Angstparolen auf einen tief verunsicherten Zustand im Lande.
So,und die wenigen Politiker,die eine positive kraftvolle Ausstrahlung haben im Moment sind eigentlich ein Sammelsurium von politischen Richtungen,die nicht zusammenpassen.Das ist das Wahlergebnis.Eine pure Emotionswahl an Personen,die gebunden an ihre politischen Lager keine Mehrheit und Sinn ergibt.
Aber erstens: Frau Merkel gehört diesen Politikerpersönlichkeiten nicht an. Sie stellt in ihrem poltischen Wirken keine Identität dar,sie ist dem Deutschen fremd.Ihre politische Karriere entstand aus der CDU-Krise,der Spendenaffäre, sie ist das Vorzeigeprodukt einer Partei-Struktur und man merkt auch deshalb,daß sie im direkten Vergleich nicht einmal bei dem eigenen Lager Sinn stiftet.Das tun andere,Stoiber,Koch,Müller etc.Und zweitens: das Wahlergebnis zeigt eindeutig (51%!),die Mehrheit im Lande ist links von der bürgerlichen schwarzgelben Koalition.Und drittens: diese linke Mehrheit ist unfähig,daraus zu regieren.Warum eigentlich?:es herrscht Angst!Angst vor der Berührung Lafontaine/Schröder,Angst vor Ostdeutschland (eine weitere Stigmatisierung),Fischer hat Angst,die nächsten 20 Jahre das zu tun,was er 20 Jahre gemacht hat (und wofür wir alle ihn eigentlich lieben...).So wird eine Koalition der Verlierer kommen,das entspricht dem Zustand im Moment.Und sie wird nichts fürs Land bringen können.Nur abschließend muß gesagt werden,wenn die Sozialdemokratie den Anspruch aufgibt,dieses Land regieren zu wollen,wird sich die Angst mit Agression paaren und das ist die große Gefahr,die man auch in der Geschichte nachlesen kann
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