Schweizer Gesichter Die Türken der Schweiz
Deutsche kommen nicht nur als Touristen und Manager in die Schweiz – neuerdings sind sie auch als Billigkräfte willkommen
Das hat die Schweiz noch nie gesehen. Und dabei hat sie doch weiß Gott genügend Erfahrung mit ihren vorlauten, arroganten und bewunderten Nachbarn. Den Deutschen. »Sie kommen in Scharen, sprechen laut und trinken viel.« Das hat eben erst die linke geschrieben. Tatsächlich, die Deutschen erobern die Schweiz. 11992 Republikflüchtige strömten allein im vergangenen Jahr über den Rhein, sechsmal mehr als zehn Jahre zuvor. Knapp 200000 Deutsche leben im Land, in der Stadt Zürich haben sie Italiener und Portugiesen als größte Einwanderergruppe abgelöst – im Unterschied zu denen wohnen sie allerdings in den teuersten Vierteln der Stadt, denn hier ist der durchschnittliche Deutsche jung, hoch gebildet und unverheiratet.
Aber es gibt auch andere Deutsche. Einen wie Olaf, zum Beispiel. Nur schon, wie er sich vorstellt! So leise und diskret, als wäre er bereits bestens integriert.
»Also mein Name ist Olaf, und den Nachnamen sag ich mal nicht, weil man ja nicht so hundertprozent weiß, watt dabei rauskommt. Ich arbeite hier in der Schweiz als Maler für ein Temporärbüro, und den Namen lass ich mal auch lieber fort, weil, wie gesagt, es ist hier alles risikovoll, und ansonsten sind wa ja ganz legal rübergekommen, aber man möchte ja das nächste Jahr wieder hier sein, und da ist man ein bisschen vorsichtig.«
Dass die Gutbetuchten und Überqualifizierten kommen, ist bekannt. Ohne Deutsche wäre die Liste der hiesigen Superreichen wesentlich kürzer und das Steueraufkommen vieler Gemeinden geringer. 892 »Direktoren und Unternehmer« wanderten 2003 aus Deutschland in die Schweiz, und einige erschrecken ihre eingeborenen Untergebenen auch mit diesem zackigen Kasernenton, der hierzulande zum Klischee des hässlichen Deutschen gehört. Aber ohne deutsche Ärzte könnten viele Krankenhäuser ihren Betrieb nicht mehr aufrechterhalten. Und an den Universitäten sähe es düster aus ohne kräftige Verstärkung aus dem Norden; in den Sozial- und Geisteswissenschaften stammen von fünf Professoren zwei aus Deutschland.
Aber Olaf! Auch er ein Mann fürs Grobe, aber eher auf unterer Stufe. Dort, wo die Schweizer schon gar nicht mehr anpacken wollen.
Nur schon, wo er wohnt. Zusammen mit Thomas. Und einem Dutzend anderen. In einem engen Zimmer in der Dependance eines Landgasthofes, zwanzig Kilometer außerhalb von Luzern. Wo er seinen eigenen Kocher mitbringen konnte, seine Kaffeemaschine, seine Herdplatte. Und den Fertig-Linseneintopf, den Fertig-Erbseneintopf, die Fünf-Minuten-Terrine, die kostet zu Hause einen Euro, in der Schweiz 2,40 Franken, also fast einen Franken mehr. »Und überhaupt was die für Speisen hier haben, Mistchratzerli für Broiler, das muss man sich alles erst reinfuchsen, aber sonst, alles einwandfrei, man ist schon per du mit der Wirtin, man wundert sich und geht auf die Straße, und da sagt dir einer: ›Grützi‹, das würde es in Deutschland nich’ geben, dass einer kommt und dir ›Guten Tag‹ sagt.«
Am 1. Juli 2004 trat in der Schweiz die Personenfreizügigkeit für Arbeitnehmer aus den alten EU-Ländern in Kraft. Seither sind die Deutschen auf dem Arbeitsmarkt den Schweizern gleichgestellt; sie brauchen bloß einen Arbeitsvertrag, der die Mindestnormen der bestehenden Tarifverträge einhält. Jetzt lösen auf Baustellen und in Gaststätten immer mehr deutsche Bedienstete südländische Billigarbeiter ab. Selbst in den Puffs ist ein Überhang an nördlichem Import zu verzeichnen, unter dem Titel »Erbringen einer persönlichen Dienstleistung« werden auf den Arbeitsämtern immer mehr Damen aus dem Nachbarland erfasst.
- Datum 21.12.2007 - 13:23 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 22.09.2005 Nr.39
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Koennen wir mal damit aufhoeren immer zu schreiben, dass die Krankenhaeuser dort nur wegen deutschem Personal ueberstehen? Das ist naemlich ABSOLUT NICHTS NEUES. Ich habe Anfang der 80er dort als Krankenschwester gearbeitet: Unser Chefarzt war Deutscher, Oberarzt auch, etliche Assistenzaerzte ebenso, von den Schwestern war 1 Jugoslawin, 2 Schweizerinnen (eine davon "Paperlischweizerin" = eingeheiratete Deutsche)der Rest war deutsch. Die Helferinnen Spanierinnen. Auf den anderen Stationen sah es auch nicht anders aus, da gab es dann noch einige Hollaenderinnen.
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