Die Strom- und Gasunternehmen gehören zu den mächtigsten Konzernen Deutschlands. Von Konkurrenz fast unbehelligt und ausgestattet mit besten Drähten in die Politik, klingeln bei ihnen die Kassen wie selten zuvor. E.on steigerte im ersten Halbjahr 2005 seinen Gewinn auf drei Milliarden Euro. Knapp die Hälfte davon vermeldete RWE. Vattenfall Europe steuerte mehr als 700 Millionen zum Gewinn seines schwedischen Mutterkonzerns bei. Und EnBW legte das beste Halbjahresergebnis seiner Firmengeschichte vor.

Nun allerdings braut sich Unheil über den Vorstandsetagen der Energieriesen zusammen – der hässliche Verdacht nämlich, die Konzerne bereicherten sich auf Kosten ihrer Kundschaft. Die Gewinne, sagt Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher, seien "kein redlich verdientes Geld".

In der Tat sind Strom und Gas so teuer wie nie zuvor – vom Sprit an der Tankstelle ganz zu schweigen. Elektrische Energie kostet die Haushalte pro Kilowattstunde ein Viertel mehr als noch im Jahr 2000. Für Erdgas, mit dem jede zweite deutsche Stube geheizt wird, verlangen die Versorger sogar ein Drittel mehr. Dagegen wehren sich nicht nur immer mehr Verbraucher. Argwöhnisch beobachten auch deutsche und europäische Wettbewerbshüter, was sich auf dem hiesigen Energiemarkt tut.

Einen ersten Schlag versetzte vergangene Woche die Hamburger Richterin Helga Langenberg dem Gasversorger E.on Hanse aus Quickborn, mit mehr als einer halben Million Kunden einer der größten regionalen Gasversorger Deutschlands. Das Unternehmen, zu 73,82 Prozent im Besitz des Strom- und Gasriesen E.on-Energie, soll beweisen, dass die von ihm verhängten Preiserhöhungen "angemessen" sind. Pikant daran ist, dass die Firma der Öffentlichkeit einen Blick in ihr Allerheiligstes gewähren müsste: in ihre Geschäftskalkulation.

Drei Mal in den vergangenen elf Monaten hatte der Versorger seiner Kundschaft mehr Geld abverlangt – insgesamt 25 Prozent. Damit habe das Unternehmen "zu doll zugegriffen", meint die Verbraucherzentrale Hamburg und unterstützt nun 52 E.on-Hanse-Kunden, die den geforderten Preis partout nicht akzeptieren wollen. Vor dem Hamburger Landgericht errangen sie einen Etappensieg: Weil ihr Gaslieferant "eine faktische Monopolstellung" innehabe, so das Gericht, verlange es das Gebot der "Billigkeit", dass E.on Hanse die Angemessenheit seiner Preise nachweise – es sei denn, dem Unternehmen gelinge es noch, das Ansinnen mit neuen, schlagkräftigen Argumenten zurückzuweisen.

Der Streit hat weit über die Hansestadt hinaus Bedeutung. Er wirft nicht nur ein Schlaglicht auf eine unschöne Hinterlassenschaft der rot-grünen Bundesregierung: den fehlenden Wettbewerb im Energiemarkt. Darüber hinaus stellt er die jahrzehntelang geübte Praxis infrage, den Gaspreis zeitverzögert dem Ölpreis folgen zu lassen. Genau mit dieser Kopplung begründet nämlich E.on Hanse seinen Griff in die Taschen der Verbraucher – ebenso wie viele andere Gasversorger, die derzeit mit der Ankündigung saftiger Preiserhöhungen für Schlagzeilen sorgen: Wegen der steigenden Ölpreise, wie es unisono heißt.

Diese Begründung lässt einige Fragen offen: Der reine Gaspreis, der seit dem Jahr 2000 um gut 50 Prozent gestiegen ist, macht nämlich nur etwa ein Drittel dessen aus, was der Kunde am Ende zu zahlen hat. Der steigende "Grenzübergangspreis" für das zu vier Fünftel importierte Gas hätte den Endkundenpreis demnach nur um rund 15 Prozent steigen lassen dürfen; er stieg indes um mehr als 30 Prozent. Für Debatten sorgt zudem der Verdacht, die Kopplung des Gaspreises an den Ölpreis sei ohnehin nicht mehr zeitgemäß.