»Nennen Sie mich einen Chauvinisten«
Ein Gespräch mit dem amerikanischen Schriftsteller Tom Wolfe über Sex in seinem neuen Roman, Rassismus in New Orleans – und darüber, dass Karl Marx doch Recht hatte
DIE ZEIT: Mister Wolfe, uns fällt auf, dass in Ihrer Wohnung mehrere Drucke der Satirezeitschrift Simplicissimus hängen.
Tom Wolfe: Ich bin ein Fan des Simplicissimus der zwanziger und dreißiger Jahre, die Zeichner waren großartig, dieser Strich, dieser messerscharfe Humor, besonders von Olaf Gulbransson, einem Schweden, der am Tegernsee lebte. Sehen Sie mal, ich habe ein Buch über die Arbeiten der Künstler im Regal, Sie können am abgegriffenen Umschlag erkennen, wie oft ich darin gelesen habe. Der Simplicissimus wurde nach dem Zweiten Weltkrieg erneut gegründet, aber das hatte nichts mehr mit der alten Qualität zu tun.
ZEIT: Uns überrascht auch, dass auf Ihrem Couchtisch eine bronzene Mao-Figur steht, ausgerechnet bei einem Konservativen wie Ihnen?
Wolfe: Ich weiß nicht, ob sie bronzen ist, aber sie ist jedenfalls schwer. Eine Assistentin brachte sie aus China mit. Vielleicht glaubt sie, dass mir ein wenig von Maos Einfluss gut tun würde.
Tom Wolfes Stadtwohnung in New York liegt in der 79.Straße, nur ein paar Schritte vom Central Park entfernt, beste Lage, im 14. Stock. Unten ein Doorman, oben empfängt uns eine Haushälterin und bietet Wasser an. Dann Auftritt Tom Wolfe: der berühmte cremefarbene Anzug, schwarz-weiße Schuhe, hellblaues Hemd mit weißer Krawatte, unter den Hosen weiße Kniestrümpfe.
- Datum 22.09.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 22.09.2005 Nr.39
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