Der SpielerSeite 3/3

Sieg oder Viktoria? Nein, sagt er, Sieg und Viktoria

Irgendwann wird er darüber einmal schreiben. Wie’s war und wie es gekommen ist, auch darüber, wie er und Franz Müntefering sich für Neuwahlen entschieden haben. Aber Schröder sagt dazu jetzt kein Wort. Zu niemandem. »Irgendwann schreibe ich darüber.« Basta.

Anzeige

Wie’s jetzt weitergeht, weiß auch er nicht. Nur was er will, weiß er: noch einmal ans Steuer. Und wenn nicht? Als Sieger fühlt er sich jetzt schon: weil er die Zweifler in den eigenen Reihen besiegt hat, auch die eigenen Zweifel. Und die Zweifellosigkeit, mit der die andere Seite seit Wochen als Sieger gefeiert und hofiert worden war.

Vor einiger Zeit, noch vor dem Wahljahr, als es ebenfalls um Schröders Fähigkeit ging, in der Krise ruhig zu bleiben, da hieß es, der Kanzler habe im Fall einer Niederlage ja immer die Möglichkeit vor Augen, sich nach Hause zurückzuziehen, wo nicht zuletzt seine Adoptivtochter Viktoria auf ihn warte. »Sieg oder Viktoria«, fasste die ZEIT seinen damaligen Seelenzustand zusammen. Das hat ihm gefallen. Gern erinnert er sich an dieses Bild (»wäre als Wortspiel auf Englisch noch schöner: Victory or Victoria«). Dann sagt er: »Jetzt heißt es: Sieg und Viktoria.«

Draußen ist es dunkel geworden. Die Krähen sind weg.

 
Leser-Kommentare
  1. Schöner Hintergrundartikel. Danke.

    • kaubri
    • 23.09.2005 um 9:34 Uhr

    Diejenigen, deren Namen mit der Agenda 2010 verknüpft seien, hätten "das Recht erworben, diesen Reformprozess weiterzuführen". Weshalb musste dann Deutschland überhaupt wählen? Hier lebt jemand "in seiner eigenen Welt". Man schämt sich Deutscher zu sein und womöglich noch von diesem Mann weiter regiert zu werden.

  2. wir brauchen eine demokratisch gewählte Kanzlerin. Bitte nie wieder jemand mit innerem Führungsauftrag.

  3. Wie erbärmlich ist diese Diskussion. Die Deutschen sind in der überwiegenden Mehrheit dankbar, einen Kanzler von Format zu haben und dieses auch im Wähler-Votum deutlich gemacht. Sehr wohl ist die SPD stärkste Partei am Wahltag geworden. Die CDU und CSU sind ZWEI Parteien im Geld-UND Machtanspruch. Mit Verlaub, die "dümmlichen" Gesichter der Personen auf der Oppositionsbank bei der "Berliner Runde" haben mich richtig aufgebaut. Denn diese Personen für ihre Parteien handelnd, die Deutschland auf ein Niveau von 1949 in vaterlandsverrätischer Art und Weise schlechtgeredet haben und mit ihrer machtbesessenen von der Wirtschaft gesteuerten Blockadepolitik sind die Ursache für den bisher schleppenden Erfolg bei der Reformierung unseres Landes. Gottseidank hat das Volk beschieden, NEIN-KEINE REGIERUNGSVERANTWORTUNG FÜR SCHWARZ-GELB! Auch ein Bundeskanzler darf Emotionen zeigen und er hatte mit jeder Äußerung recht. Diese Brenders, Jörges, Markworts und wie sie alle heißen mögen, müssen in die Schranken gewiesen werden. Das Deckmäntelchen Aufklärungspflicht des Bürgers ist kein Freibrief eine Hetzjagd auf Politiker und Parteien im Sinne des Kapitals zu betreiben. Diese Jacke paßt derzeit so ziemlich jeden, der in diesem Bereich sein "Unwesen" treibt. Es ist unbedingt der moralische Anstand und Manipulation des Bürgers durch Journalismus zu hinterfragen. Wer haftet für die Folgen?

    • MHase
    • 21.09.2005 um 9:55 Uhr
    5. Moses

    Ja der Vergleich mit Moses ist schon treffend, aber leider vergißt der Autor wie es in der Geschichte ausguing. Denn Moses betrat niemals das gelobte Land, sondern sa es nur. Ich denke, dass es schon Kalkül ist, was Schröder macht. ER möchte sich und seine SPD soviel Einfluß geben, wie er kann, wenn er schon nicht mehr Kanzler wird. Man könnte sich vorstellen das der Kompromiss so aussieht, dass keine Mehrwertsteuererhöhung erstmal kommt, die Pendlerpauschale und Steuerfreiheit für Nachtzuschläge bleibt und die Tarifautonomie unangetastet bleibt.
    Dafür wird es eine ERprobungsphase beim Kündigungsschutz geben, mit einer Verfallsklausel und einer Verlängerungsklausel, wenn nach 3 Jahren die Zahl X weniger Arbeitslose gibt, sonst muss neu verhandelt werden.
    Die Parteien werden sich um das Steuersystem kümmern und endlich einige der Ausnahmevorschriften und Subventionen abschaffen. Dies drängt wirklich mehr. Man könnte sich auch vorsetllen, dass das Krankengeld aus der Krankenversicherung herasugenommen wird, und durch Mehreinnahmen bei den Steuer finanziert werden könnte. Das würde dem CDU Plan der Lohnkostensenkung entsprechen, aber auch den Rentner zugute kommen, da die Versicherungsbeiträge auhc für sie sinken.
    Ich finde nur komisch, dass die Presse eine Entschuldigung von Herr Schröder fordert. Hat sie sich jemals bei den Bewohnern von Sebnitz entschuldigt oder bei anderen Politikern, die durch falsche Nachrichten, von den Medien verbreitet, zurücktreten mussten. Um biblisch zu bleiben, die Medien ernten nun auch mal den Wind, denn sie gesät haben. Aber das ist ein anderes Thema.

  4. In der Tat ein amüsanter Artikel, ob real oder fiktiv, lesenswert. Doch dann kommt der Punkt, wo der Schreiber und/oder seine Informanten ins Irreale, ja glossenhafte abzurutschen drohen.

    Den Namen und die Person Schäuble überhaupt mit dem Posten des Kanzlers und dessen Besetzung durch ihn ernsthaft in Verbindung zu bringen, halte ich für ein Stück aus dem Tollhaus. Das wäre die personelle Bankrotterklärung dieser Republik.

    Wir wissen, Schäuble kann alles, weiss alles und auch immer besser als die Anderen, aber auch ihm sind intellektuelle, politische Grenzen gesetzt.

    War er nicht der Mann, der diesen Vereinigungsvertrag mit seinen noch heute spürbaren Folgen "zurechzimmerte"? War er nicht in der Parteispendenaffäre involviert? Galt er nicht als Stütze von Helmut Kohl? War er nicht zu feige, mit seinem Herren abzurechnen? Wurde er nicht als zu "leicht" oder nicht vermittelbar empfunden, als der Posten des Bundespräsidenten zu vergeben war? Usw. usf.

    Bei aller Distanz zur Union, glaube ich dennoch, dass sie geeignetere Personen in den Ring schicken könnte!

  5. Was hat sich die Republik nicht die Federn stumpf geschrieben, um die Kanzlerschaft von Gerhard Schröder immer wieder mal zwischendurch mit der von Helmut Kohl vergleichen zu können.

    Natürlich schimmert etwas davon durch, sollte da einer tatsächlich zum dritten Male in Amt und Würden gebracht werden, weil sich sechs Parteien nun mal einfach einen Kanzler suchen müssen!

    Der Versuch des Kanzler's, die Kommunikations-Rituale zu seinen Gunsten zu verändern war allerdings so authentisch, das es nun auch einmal an der Zeit wäre, diese Rituale in Frage zu stellen, nicht etwa per Jamaika-Beschlüssen, sondern per vernünftiger Abbitte.

    Gerhard Schröder hat seinen Teil dazu bereits getan und es muß ihm eigentlich nur endlich geglaubt werden. Das Einzige, was Gerhard Schröder und Helmut Kohl je gemein hatten, war, das sie beide schon früh in ihrem Leben darüber nachgedacht hatten, ins Kanzleramt einziehen zu wollen. Na und!

    Das das Land viel wichtiger als die Parteien ist, dieser neue Plural, der nichtsdestotrotz die Pluralismen unserer Gesellschaft berücksichtigt, die die alte Bundesrepublik und das "Neue Deutschland" zusammen ausmacht, kann nur von einer wirklich starken Persönlichkeit in die Realität übersetzt werden.

    Da sich die Menschen in Deutschland ganz eindeutig gegen die Friedmann'schen Thesen zur Gesundung der Weltwirtschaft ausgesprochen haben, wird es also keine Kanzlerin Merkel geben können.

    Deshalb ist das Gerede um die Abwahl und das Gefeilsche um die Sinnzusammenhänge des Geschehens seit dem 22. Mai in Wirklichkeit die Zeitverschwendung, die sich Deutschland nicht leisten kann, gegen die der Kanzler nun aber schon etliche Jahre anregieren mußte. Der Kanzler hat seinen Vertrauensbeweis erhalten, darf es selber nur nicht zu oft sagen.

    Hier soll ja kein Sieg auf ganzer Ebene errungen werden, wie die „Spieler-Hypothese“ glauben machen will, sondern nur der Durchbruch zu mehr Aufbruch für den sich in Deutschland schon immer in erster Linie die Sozialdemokraten zuständig gezeigt haben.

  6. Noch ein Satz zu Schröder am Sonntag. Ich habe seinen krawalligen Auftritt nicht gesehen, weil ich mir im Flieger über Marseille den eigenwilligen Kommentar eines Air Berlin Flugzeugführers anhören musste, der über Bordfunk Deutschland an den Rand des Untergangs redete, weil Merkel/Westerwelle es nicht die von ihm erwarteten Prozente erreicht hatten. Soll ich deshalb jetzt an Hunhold schreiben, dass er seinen Angestellten zur Rede stellt? Der war ganz einfach enttäuscht und hat das ins Mikro gequatscht. Und? Hauptsache er ist nachher ordentlich geflogen und sicher gelandet. Lasst einfach die Kirche im Dorf Leute. Am Sonntag haben noch mehr Leute Emotionen gezeigt, Schröder in der großen Runde vor laufender Kammera. Genau deshalb stehe ich auf den Typ.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service