Wenn auf dem neogotischen Märchenschloss Marienburg bei Hildesheim das Auktionsereignis des Jahres steigt, darf man das mit gemischten Gefühlen betrachten. Vom 5. bis 15. Oktober versteigert Sotheby's, was die königlichen Speicher, Keller und Tresore des Hauses Hannover hergeben. 20 000 Objekte aus dem Geschlecht der Welfen kommen zum Aufruf, darunter jede Menge Waffen, Harnische, Gemälde, Silbersachen und selbst der Mantel mit verkürztem Arm, der Kaiser Wilhelm einst gehörte.

Mehr als tausend Jahre lang herrschte dies Königshaus und immer wieder gab es Verwerfungen und komplizierte Erbfolgen. Seine Geschichte ist höchst wechselvoll, so kämpfte es nach dem so genannten deutsch-deutschen Krieg gegen die siegreichen Preußen für Österreich und suchte dort am Ufer des Traunsees in Gmunden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Zuflucht.

Von keinem anderen königlichen Haus, sagt der Berater der Familie, Christoph Graf Douglas, finden sich so viele Objekte auf dem Gesamtverzeichnis national wertvollen Kulturgutes. Er betont, dass keines dieser Güter nun zur Auktion komme - eigens waren zuvor vom Land noch drei Gemälde in das Verzeichnis aufgenommen worden. Auch möglicher Kritik durch die Museen von Braunschweig, Celle und Hannover wurde klug der Boden entzogen. Mit Stiftungsgeldern in Höhe von rund 500 000 Euro durften sie an die 50 Objekte in einer Vorauswahl erwerben, um kulturgeschichtliche Lücken ihrer Häuser zu füllen.

So kann die Auktion nun friedlich ablaufen, und für jeden Geldbeutel dürfte etwas dabei sein. Manches kostet hundert, anderes hunderttausend Euro.

Versteigert werden goldbestickte Lakaienuniformen, wie sie sonst nur noch im Hause Windsor vorhanden sind, ebenso wie nicht gerade erstklassige Gemälde der Könige und Königinnen, viel zu niedrig taxierte silberne Tafelaufsätze oder nie benutzte Pferdedecken und Tischleinen.

Die Welfen trennen sich von alldem, um mit dem Auktionserlös eine Familienstiftung zu gründen und so die diversen Immobilien erhalten zu können. Die Marienburg soll mit den Zinsen der erwarteten rund 24 Millionen Euro aus dem Dornröschenschlaf erwachen und zum Neuschwanstein des Nordens aufblühen.

Um die silbernen Kesselpauken (Schätzpreis 100 000 bis 200 000 Euro), die auf bis zu 50 000 taxierte entzückende Porzellanbüste der schlafenden Königin Luise von Christian Daniel Rauch aus dem Jahr 1823, einen Kinderwagen mit mottenzerfressenem Futter, aber königlicher Provenienz ins rechte Licht zu setzen, bietet das Auktionshaus Sotheby's alle Kräfte auf. Das ist das größte logistische Unternehmen des Hauses bisher, sagt ein Pressesprecher.