Fußballweltmeisterschaft Das Jobwunder
50.000 Arbeitsplätze soll die WM schaffen. Das glaubt zumindest die Bundesagentur für Arbeit
Rund eine Million ausländischer Gäste und Fans werden im Juni und Juli 2006 die zwölf Austragungsorte der WM bevölkern. Sie wollen verpflegt, informiert, unterhalten und transportiert werden. Dafür legen sich Baubranche und Sicherheitsdienste, Hotellerie und Gastronomie sowie zahlreiche nationale und internationale Unternehmen und Sponsoren bereits kräftig ins Zeug: Straßen, Plätze und Bahnhöfe müssen umgebaut werden, ganze Stadien entstehen. Die Polizei hat ein umfangreiches Sicherheitskonzept erarbeitet, die Tourismus GmbH startet Kampagnen, und die WM-Städte bereiten zahlreiche kulturelle Aktionen vor.
Das geht nicht ohne zusätzliche Arbeitskräfte – und könnte demzufolge ein kleines Jobwunder bedeuten. Nach Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) werden durch das sportliche Großereignis zumindest kurzfristig 50000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Um dieses Beschäftigungspotenzial zu nutzen, haben der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die BA eine »Beschäftigungsoffensive WM 2006« auf den Plan gerufen: Diese sieht vor, dass der DFB bei Fifa-Partnern, nationalen Förderern und weiteren Dienstleistern für die Jobvermittlung der Arbeitsagentur wirbt. Vom Herbst an soll es eine Hotline geben, unter der Arbeitgeber freie Stellen melden können. Jobsuchende werden dann bei den WM-Stellenangeboten unter www.arbeitsagentur.de fündig – zumindest vorübergehend. Denn Erfahrungen mit ähnlichen Großprojekten wie der Expo 2000 in Hannover haben gezeigt, dass hierbei hauptsächlich befristete und eher unsichere Beschäftigungsverhältnisse entstehen. Eine Studie der Postbank zu den Beschäftigungseffekten der WM geht demzufolge von höchstens 10000 Arbeitsplätzen aus, die auf Dauer bestehen bleiben. Auch den Gesamteffekt schätzt sie auf nur 40000 freie Stellen ein.
Der Sportökonom Markus Kurscheidt von der Ruhr-Universität Bochum geht von noch weniger aus: Der Volkswirt rechnet bundesweit mit 27000 WM-Arbeitsplätzen. Insgesamt sieht der Sportökonom das Sportereignis aber durchaus als Konjunkturmotor. Die rund eine Million ausländische Besucher wird etwa 850 Millionen Euro für Hotels und Restaurants, Sport- und Fanartikel sowie für andere Produkte ausgeben. Damit dürfte das Wirtschaftswachstum im Jahr 2006 um etwa 0,3 Prozentpunkte höher liegen als ohne WM. Deutsche Firmen könnten demnach mit 3,5 Milliarden Euro zusätzlichem Umsatz rechnen.
Für wichtiger als den Schub in einzelnen Branchen hält Kurscheidt jedoch die Chance für einen Stimmungswandel in Deutschland. Gelänge es, die Binnennachfrage wieder längerfristig anzukurbeln, könnte sich das Bruttoinlandsprodukt seinen Prognosen zufolge bis zum Jahr 2010 um acht Milliarden Euro erhöhen.
Noch dazu könnte es einen erheblichen Imagegewinn für Deutschland geben, sofern alles gut geht. Um auf diesem Feld zu punkten, hat die Bundesregierung eine Service- und Freundlichkeitskampagne initiiert, um den Gästen der Fifa WM 2006 den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.
Das von Franz Beckenbauer geleitete Fifa-Organisationskomitee in Frankfurt ist daher momentan auf der Suche nach Tausenden von freiwilligen Helfern. Sie sollen während der Austragungswochen mit anpacken und für eine entspannte und gute Stimmung sorgen. Vom Fahrdienst übers Catering bis zu IT-Dienstleistungen und der Mannschaftsbetreuung sind alle Einsatzorte denkbar. Bis zu tausend freiwillige Helfer pro Spiel werden benötigt. Unter www.fifaworldcup.com können sich Interessierte ab 18 Jahren noch bis Ende September und dann wieder von Januar bis Februar 2006 bewerben.
- Datum
- Quelle (c) DIE ZEIT 29.09.2005 Nr.40
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