Cindy Sheehan ist endgültig zur Pietà der Friedensbewegung geworden. Das Foto ihrer Verhaftung vor dem Weißen Haus soll jenen Hausherrn ins Unrecht setzen, dem Frau Sheehan erst ihren Sohn und nun ihre Freiheit opferte.

Vielleicht wäre das Bild der Märtyrerin noch wirkungsvoller, hätte Frau Sheehan ihre Verhaftung nicht gefeiert, indem sie beim Abtransport durch die Schergen der Macht so ausdauernd lächelte. Bei den Schergen handelte es sich übrigens um die Parkaufsicht, die Sheehan ihre Kundgebung vor dem Weißen Haus gestattete - nur eben nicht direkt am Gartenzaun. Als dort einer ihrer Freunde zu klettern begann, lief das ganze Ritual einer provozierten Verhaftung ab, der Washington Post zufolge choreografiert wie ein Wachwechsel am Grab des Unbekannten Soldaten.

Was Cindy Sheehan zu sagen hat, verschweigt besser, wer der Friedensbewegung nicht schaden will. Dass sie trotzdem zu deren Ikone aufsteigen konnte, hat zwei Gründe. Da ist zum einem die moralische Basis ihrer Anklage. Sie selbst ist als Mutter eines gefallenen Soldaten kaum angreifbar, während es dem Präsidenten zunehmend schwer fällt, weitere Opfer für einen vermaledeiten Krieg zu verlangen. Zum anderen hat die Friedensbewegung im Kongress keine Stimme. Die Opposition ist weitgehend führungslos, und die nächste Frontfrau der Demokraten, vermutlich Hillary Clinton, überholt den Amtsinhaber sicherheitspolitisch rechts. Drum enthält jede Rede von Cindy Sheehan neben Invektiven gegen den Präsidenten Attacken auf Clinton.

Sheehan muss sich übrigens jetzt entscheiden, ob sie 50 Dollar Strafe zahlt oder für ihre Ordnungswidrigkeit am Weißen Haus ins Gefängnis geht.