Schwer erträglich, immer schon. Und nie verstanden, wie man Bilder von Francis Bacon ersteigern, besitzen, sammeln mag. Was hat Isabel Rawsthorne gedacht, als sie sich dreimal auf weißem Grund gesehen hat? Wange zerdrückt, Nase verbogen, Mund zerknetet, Augen verkratert. Fließfleisch. Alles soft. Und Haare, als sei Kampf gewesen, vergebliche Wehr.

Es gibt die wunderlichsten Professionen, Gerichtsmediziner, Maler, Pathologen. Hängen sich Pathologen ihre ausgekernten Menschenreste an die Wand? Drei Studien zu einem Porträt von Isabel Rawsthorne (auf weißem Grund), 1965, Privatsammlung. Wenn die Bilder nicht in der Privatsammlung hängen, hängen sie in einer Ausstellung, hängen im Museum, und die Bilderbeschreiber beschreiben wie die Gerichtsmediziner den "kenternden Kopf" von Isabel Rawsthorne, die die Geliebte von Derain gewesen sei und die Freundin von Giacometti und die Freundin von Bataille. "Einstmals", also bevor der Maler über sie hergefallen ist.

Immer ist Schrecken. Flut, Sturm, Krieg, Krankheit. Zerstörte Liebe, zerstörtes Leben. Der größte Schrecken vielleicht ist der Schrecken des zerstörten Gesichts. Am Gesicht haben wir sehen gelernt. Als die Augen aufgingen, sahen sie ein Gesicht. Noch bevor sich die Welt mit Dingen füllte, waren Gesichter da. Der Schrecken über das zerstörte Gesicht ist der Schrecken über den Verlust des Sehgrunds, der Schrecken über die Verletzung, die dem Sehen angetan wird, das, bevor es Erkenntnis wurde, eine Weise des Lebens war.

Malerei als Vergewaltigung – diese Idee hat dem Künstler gefallen

Dafür gibt es ein schönes Wort: Antlitz. Antlitz ist das sehbegabte Gesicht, das zurücksieht, wenn wir es ansehen. Jemandem in die Augen sehen, jemandem auf den Mund sehen, das sind, wo die Erlaubnis der Intimität nicht gegeben ist, immer auch Grenzverletzungen. Bacon zwingt, in zerquetschte Augen, auf offene Münder zu sehen. Manchmal ist der aufgerissene Mund Schrei, manchmal ist er starrendes Loch wie bei der Sexpuppe.

Eigentlich wirft uns doch nichts mehr um. Kein Kettensägen-Massaker, kein Terminator-Amok. Wir haben Popcorn und andere Kulturtechniken, und alle Bildergräuel und -grusel bleiben, wenn man sich nur einen Rest Realitätstüchtigkeit bewahrt hat, scheindurchsichtig, lösen sich in ihren bösen Konstruktionen auch wieder auf. Seltsam, bei Francis Bacon löst sich nie etwas auf. Und die Gewissheit, dass der Isabel Rawsthorne kein Leids geschehen, dass sie nur als kleines Foto auf dem Ateliertisch lag, weil der Maler nie jemanden in seinem Atelier geduldet hat, ist kein Trost über das Trauma ihres Bildes und die traumatische Beständigkeit ihres Bildes. Die Anthropologen haben Computerprogramme, mit denen sie von Schädelfragmenten auf Gesichtsformen schließen können. Keine Software machte aus Bacons Malopfern wieder menschliche Wesen. Keinem Gesichtschirurgen gelänge die Schließung der Münder, die Auferweckung der Augen. Irreversible Schäden.