Die abgewählte rot-grüne Regierung war in eine irrwitzige Idee verliebt. In die nämlich, nationale Champions seien gut für Deutschland. Deshalb genehmigte sie im Jahr 2002 - gegen das Veto des Bundeskartellamtes, gegen das Votum der Monopolkommission und gegen den erbitterten Widerstand des Konkurrenten RWE - die Fusion des Stromriesen E.on mit dem Gasriesen Ruhrgas.

Jetzt erweist sich, dass der mit politischer Hilfe entstandene Konzern schlecht ist für Deutschland. Schlecht für den Wettbewerb, schlecht für die Verbraucher, schlecht für die Sicherheit des Erdgasnachschubs.

Ulf Böge, der Präsident des Bundeskartellamtes, hat Macht und Kraft des Konzerns gerade zu spüren bekommen. Korrekt hatte der Wettbewerbshüter erkannt, dass Langfristverträge zwischen den Gasimporteuren und den Stadtwerken Wettbewerb auf dem de jure längst liberalisierten Markt ersticken. Doch Böges Drängen, auf diese Praxis zu verzichten, wollte sich Ruhrgas nicht beugen, anders als die Konkurrenten, die ebenso wie die Verbraucher unter der Übermacht des E.on-Ablegers leiden.

Weil sich Böge und die Branche nicht einigen konnten, ist ein Nachspiel vor Gericht wohl unvermeidbar. Die Botschaft, die von dem Konflikt ausgeht, ist allerdings schon jetzt verheerend. Sie lautet, dass Deutschland nicht bereit ist, seinen Gasmarkt zu öffnen. Das aber schreckt neue Anbieter ab - der Rohstoff bewegt sich schließlich dorthin, wo er willkommen ist. In Deutschland ist er es offenbar nicht - obwohl der Gaspreis laut EU-Statistik für Endkunden 15 Prozent höher ist als im europäischen Durchschnitt. Vor Steuern.