Nersingen/Bayern

Monika Merkle hat getan, was Politiker vor Wahlen gerne versprechen: Sie hat einen neuen Wirtschaftszweig nach Deutschland geholt, mit einem Produkt erster Güte, millionenfach produziert, angefragt aus aller Welt. Der ersehnte Fortschritt, der erhoffte Aufschwung, er ist - eine Schnecke!

Auch Frau Merkles Schützling Helix pomatia, die Weinbergschnecke, kann ein Vorbild sein für die Menschen in diesen Tagen. Ernährt sich gesund, vermehrt sich eifrig, und ziehen sich düstere Wolken über ihr zusammen, dann drängt es das Tier erst recht nach oben. Schnecken kriechen aufwärts, wenn sie merken, dass das Wetter schlecht wird, sagt Deutschlands erste Schneckenzüchterin.

Vor drei Jahren hatte sie angefangen, mit einem Züchterkurs in Italien, 35 000 Euro und 36 000 Importschnecken. Nun kriechen zwischen Mangold und Raps eine Million Schnecken herum, und sie kriechen alle nach oben, denn es fängt an zu regnen. Bald werden sie in Knoblauchsauce schwimmen.

Frau Merkle, was braucht man für eine Zucht? Ein Stück Land, gute Nachbarn und viel Geld.

Vor allem aber Ausdauer. Schnecken kann man erst nach drei Jahren ernten. Und dann der Kampf mit den Behörden! Was musste sie sich da alles anhören!

Schnecken? Die können Sie bei mir im Garten holen, hat einer gesagt. Seit dem Mittelalter wird Helix pomatia in Deutschland gesammelt und nach Frankreich verkauft, in freier Natur steht sie unter Artenschutz.