Unter Wissenschaftlern gilt der Mond als ausgesprochen langweiliger Himmelskörper. Längst ist seine Oberfläche kartografiert, sein Gestein ist der Erde recht ähnlich, eine Atmosphäre oder gar Leben gab es dort nie. Deshalb widmete sich die Forschung lieber den geheimnisvollen Ringen des Saturn, den stürmischen Monden des Jupiter oder exotischen Asteroiden und Kometen. BILD In acht Schritten zurück auf den Mond:
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Doch nun wird der Erdtrabant von der Raumfahrtpolitik wiederentdeckt – wegen seiner Nähe und Erreichbarkeit. Nirgendwo sonst lässt sich besser demonstrieren, dass man zum prestigeträchtigen Club der Raumfahrtnationen gehört. Ein Dutzend unbemannte Mondmissionen sind allein in den nächsten fünf Jahren geplant. China, Indien, Japan und Europa wollen Erkundungssatelliten schicken und später mit Robotern landen. Klare Sieger des Wettrennens möchten aber wieder die USA werden.

Noch vor Ende des nächsten Jahrzehnts kommen wir zurück auf den Mond. Und diesmal werden wir bleiben." Dieses Ziel hatte US-Präsident Bush Anfang 2004 vorgegeben. In der vergangenen Woche präzisierte Nasa-Chef Michael Griffin, wie er sich die "Ausweitung menschlicher Präsenz auf Mond, Mars und darüber hinaus" vorstellt. Zunächst werden 2010 die Space Shuttles endgültig eingemottet. Zwei Jahre später soll als Nachfolger das Crew Exploration Vehicle (CEV) starten. Das Vehikel ist technisch unspektakulär, mit ihm verabschiedet sich die Nasa endgültig vom aufwändigen Bau eines Raumgleiters, der wie ein Flugzeug landen kann.

Stattdessen starten die Astronauten nach alter Väter Sitte in einer Kapsel auf der Spitze einer vom Shuttle-Programm übernommenen Rakete. Herabfallende Teile der Tankisolierung können kein empfindliches Hitzeschild mehr treffen. Bei Problemen während des Starts kann sich die Crew mit einer zusätzlichen Minirakete in Sicherheit katapultieren. Katastrophen wie bei den Raumfähren Challen ger und Columbia sollen sich nicht wiederholen können. "Zehnmal sicherer als der Shuttle" werde das CEV, sagt Griffin.

Auch für die Landung auf dem Mond folgt die Nasa dem bewährten Konzept der sechziger Jahre (siehe Grafik). Neu sind nur einige Details. So sollen die Crew und der größte Teil ihres schweren Raumvehikels in getrennten Raketen starten und sich erst in der Erdumlaufbahn zusammenkoppeln. Das meiste Gewicht lässt sich so ohne die teuren Sicherheitsanforderungen der bemannten Raumfahrt hochschießen.

Alle vier Astronauten sollen auf dem Mond landen und eine Woche lang bleiben, ihre Rückkehrkapsel wird automatisch auf der richtigen Mondumlaufbahn gehalten. Bei der Rückkehr zur Erde wird sie nicht ins Meer platschen, sondern an drei Fallschirmen und von Luftkissen gefedert sanft auf der kalifornischen Luftwaffenbasis Edwards niedergehen. Das Hitzeschild lässt sich auswechseln. Jede Kapsel sei bis zu zehnmal wiederverwendbar, sagt Nasa-Chef Griffin. Keineswegs sei dies eine Wiederholung der fünf Mondlandungen von 1969 bis 1972. Es zeige sich lediglich, "wie viel die Apollo-Leute damals schon richtig gemacht haben".

Die Rückkehr zum Mond sei nur der Auftakt zu weit größeren Plänen. Mit mindestens zwei bemannten Landungen pro Jahr soll es weitergehen, unbemannte Landegeräte sollen gleichzeitig Material für den Aufbau einer kleinen Mondsiedlung heranschaffen. Dort sollen Astronauten erproben, wie sich Wasser, Atemluft, Treibstoff und Nahrungsmittel außerirdisch erzeugen lassen. Sobald das klappt, dient die Mondbasis als Startrampe für einen dreijährigen bemannten Ausflug zum Mars. Dort hofft die Nasa Treibstoff nachtanken zu können. In der Marsatmosphäre sind nämlich Spuren von Methan gemessen worden. Von Anfang an werden deshalb das CEV und das Mondlandegerät mit flüssigem Methan betrieben.

104 Milliarden Dollar werde die Rückkehr zum Mond kosten, sagt Griffin. Die Finanzierung erfolge weitgehend durch Umschichtungen im Nasa-Haushalt. Das allerdings glaubt kaum jemand. Die amerikanische Raumfahrt-Bürokratie ist für Kostenüberschreitungen berüchtigt, vor allem in der bemannten Raumfahrt. "Die haben doch nicht einmal genug Geld für das Space-Shuttle-Programm", monierte Sherwood Boehlert, der Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses im Kongress. Derzeit verfügt die Nasa über 16 Milliarden Dollar pro Jahr, das sind 0,7 Prozent des US-Haushalts. Zur Zeit der Apollo-Mondlandungen lag der Raumfahrtanteil bei vier Prozent. Angesichts der Milliardenlöcher, die der Irak-Krieg und die Hurrikane gerissen haben, erscheint die Wiederholung eines gigantischen Mondprogramms unmöglich.