Die Natur gibt uns den Hinweis: "Beides kommt aus verschiedenen Körperöffnungen, in unterschiedlicher Richtung." Schelmisch blinzelt Uno Winblad über die kleinen Gläser seiner vergoldeten Nickelbrille und sagt diese drei Worte: "Fäkalien und Urin." Mehr als einmal.

Sein Forschungsgegenstand, das Thema seines Arbeitslebens als Entwickler und kritischer Entwicklungshelfer, erfordert das. "Im Jahr produziert jeder Mensch nur rund 50 Liter Fäkalien, daneben aber 500 Liter Urin. Das spülen wir mit 15000 bis 30000 Liter Trinkwasser in die Kanalisation." Eine Kunstpause, dann geht es umgangssprachlicher weiter: "Wenn wir über Abwasser sprechen, meinen wir tatsächlich wasserverdünnte Scheiße." Und mit Ingenieurblick: "Dabei blieben von den jährlichen 50 Litern getrocknet gerade mal 12 bis 13 Kilogramm übrig." Nicht mehr als ein Eimer voll. Das ist ein wichtiges Argument. "Unser Körper produziert kein Abwasser, nur eine bestimmte Technik tut das."

Uno Winblad, 73, weltläufig und agil, spricht seit Jahrzehnten über das, was beim großen und kleinen Geschäft herauskommt – und in die Umwelt hinein. Mit dieser Argumentationskette erklärt Winblad jedem Westler, woran er arbeitet. Dass die wertvolle Ressource Trinkwasser immer knapper wird, hat jeder schon einmal gehört. Dass rund 1,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu Wasser, etwa 2,7 Milliarden keinen zu Sanitärversorgung haben, auch das ist vielen bekannt. Und gerade verbreitet sich auch die Erkenntnis, dass wir einen kostbaren Nährstoff vergeuden, Phosphat (ZEIT Nr. 23/05, S. 37). Gärtner und Gebildete wissen: Phosphat steckt im Urin. Zurückgelehnt in einem Lederohrensessel in der Bibliothek des Stockholmer Umwelt-Instituts (SEI), spricht Winblad von Ressourcen, Reinhaltung, Schutz und Schmutz und erklärt, warum er die armen Länder mit Klos ohne Wasserspülung ausrüsten will, warum Kanalrohre und Kläranlagen verzichtbar und Spültoiletten nicht einfach globalisierbar sind.

Er schrieb die Bibel für Trockentoiletten, viele Experten fanden das "bäh"

Das ist die Version für die Westler. Winblad hat sie tausendfach erzählt, jedes Beispiel sitzt. Sein Englisch mit schwedischem Akzent ist elegant und präzise. Es stammt aus London, wo er nach zwei Abschlüssen in Schweden (Bauingenieur und Stadtarchitektur) beim deutschen Emigranten Otto von Königsberg Tropenarchitektur studierte. "Eine inspirierende Zeit, da war das britische Empire noch groß. In London studierten die führenden Köpfe aus aller Welt. Und in der Tropenarchitektur war plötzlich alles anders. Bei uns baut man Häuser, um die Kälte draußen zu halten, dort die Hitze." Daher das Interesse am Süden. Doch woher kommt die Klo-Connection?

Bei einem zweijährigen Aufenthalt von 1963 an in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba studiert Winblad einen untypischen, eigentlich sympathischen Stadtplan: "Die Hütte des Armen stand gleich neben dem Palast des Reichen, vollkommen gemischt." Und beide hatten keine Sanitärversorgung. "Nur Grubenlatrinen im Garten." Da die Stadt auf Hügeln liegt, schwemmte jeder Wolkenbruch den Inhalt dieser Plumpsklos in niedriger gelegene Gärten oder gar Häuser – viel Arbeit für einen Stadtplaner. "Es gab keine Kanalisation, nichts. Dabei müssen Rohre ja als Erstes verlegt werden." Mangels Infrastruktur schied die europäische Lösung aus, die traditionelle aber war gefährlich unhygienisch. Zwei Ideen reiften: das Volumen klein halten, zwecks einfacher Handhabung, und die Ausscheidungen von vornherein trennen, um den Geruch einzuschränken und die Entsorgung zu erleichtern. "Das Wort Ökologie war damals noch nicht erfunden", sagt Winblad. In seinem äthiopischen Pilotprojekt sollten die Menschen nicht mehr bei Regen durch ihre Gülle waten. Das ist die Version für die Betroffenen.

Anfang der siebziger Jahre baute er mit kanadischem Geld für die Entwicklungshilfe Trockentrenntoiletten. Dann schrieb er mit dem Parasitologen Wen Kilama Sanitation without water, das erste praktische Wissenschaftswerk zur wasserlosen Sanitärversorgung in Entwicklungsländern. Eine Bibel, aber ziemlich bäh in den Augen der meisten Experten. "Damals bestimmten wenige Leute in Washington die großen Linien der Entwicklungshilfe. Bei der Sanitärversorgung gab es eine Marschrichtung", sagt er und betont ironisch " eine ". "Das war die Spültoilette mit zentraler Kanalisation." Den Entwicklungspolitikern passten seine Bastelklos nicht. "Sie hätten zugeben müssen, dass sie sich geirrt und viel Geld verschwendet haben." Bis heute zahlten "arme Länder Geld für Kläranlagen zurück, die nie richtig funktioniert haben".