Technik Globales GeschäftSeite 3/3

Sein Blick schweift über den Mälarensee, der bis an die Altstadt reicht. Er ist so sauber, dass die Stockholmer im Sommer darin schwimmen. »Gehst du heute Nachmittag zum Seminar, Xiao Jun?«, fragt Winblad. Gerade findet die Stockholm Water Week statt, eine Konferenz zur Wasserversorgung. »Seit ich 1963 mit der Entwicklungshilfe angefangen habe, höre ich immer vom Ausbreitungseffekt: Man macht etwas vor, und das findet vor Ort Nachahmer. Nur konnte ich das nie beobachten! Jetzt endlich sehe ich den Ausbreitungseffekt.« Xiao Jun ist lebendiger Beweis dafür. Die Chinesin arbeitet für das Stockholmer Umwelt-Institut in Dongsheng, einer Stadt in der Inneren Mongolei. Dort herrscht Wassermangel.

Winblad hat Projekte in Mittel- und Südamerika betreut, in Afrika, im Nahen Osten, in Vietnam und Indien. Nirgends war der Ausbreitungseffekt stärker als in China. »Mitte der Neunziger haben wir mit drei kleinen Projekten begonnen. Mittlerweile gibt es Versuche in der Hälfte aller chinesischen Provinzen. 800000 EcoSan-Toiletten sind im Gebrauch.« Ende der neunziger Jahre begann endlich ein EcoSan-Projekt im urbanen Raum.

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Klos, die Humus und Flüssigdünger produzieren, vermutet man eher auf dem Land. Aber wie klappt das in Städten, wo Menschen weder Bedarf an Dünger noch Erfahrung mit dessen Handhabung haben? »Wir brauchten ein Labor mit echten Menschen.« Das entsteht nun in Dongsheng: vierstöckige Wohnblocks mit gehobenem Komfort, inklusive wasserloser Urinale und Trenntoiletten. Um deren Entsorgung kümmert sich ein staatseigenes Unternehmen, das auch den Dünger vermarktet. Jetzt, im September, ziehen die ersten ein, fast 3000 Menschen. Ende des Monats wird Winblad den Fortschritt selbst prüfen. Xiao Jun und ihre chinesischen Mitarbeiter werden die Nutzer befragen: Funktioniert die Technik? Gibt es Belästigungen? 2007 wird es in Dongsheng eine große Konferenz geben, um der Fachwelt die Ergebnisse vorzustellen – und Kreislaufsysteme auch für Städte hoffähig zu machen. Und dann?

»Ich habe noch Material für ein Buch im Kopf«, sagt Winblad. »Das würde ich gerne ohne Zeitdruck schreiben.« Vielleicht zieht er sich dafür in sein Haus nahe der Küstenstadt Kalmar in Südostschweden zurück. Dort hat er sich ein altbewährtes Plumpsklo eingebaut, aber mit Trennung, Kompostierung, Entlüftung – und hübsch bearbeitetem Naturholz.

Das Magazin ZEITWissen berichtet in seiner aktuellen Ausgabe über EcoSan, den Wassermangel in der Welt und eine High-Tech-Lösung aus der Oberpfalz

 
Leser-Kommentare
  1. Klasse Idee! Kleine Anmerkung: ich hab in Asien erlebt, dass die Leute auf den Dörfern, die noch über offenen Strohfeuern kochen, die Asche nach jedem "Gang" in ihre Plumsklos kippen. Das scheint gut zu sein gegen Gerüche und gefährliche Keime. Villeicht lässt sich die Sägemehlspühlung an der Stelle noch verbessern?

    • Anonym
    • 02.02.2006 um 12:54 Uhr
    2. \N

    Klingt ja nach einer guten Alternative, um Wasser zu sparen, aber trotzdem frage ich mich, wo diese Technik letztendlich genau eingesetzt werden kann.
    Mich würde nämlich interessieren, woher das Sägemehl kommen soll. Es kann ja schließlich nicht Sinn der Sache sein, dass in Afrika oder anderswo deswegen noch mehr Bäume gefällt werden. Und reichen die ohnehin schon anfallenden Abfallprodukte des Holzes wirklich aus, den entstehenden Bedarf zu decken?

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