Wenn die Kritiker des Vatikankritikers Hans Küng andeuten wollten, dass in der Konfrontation zwischen Rom und dem Rebellen nicht nur seriöse dogmatische Fragen eine Rolle spielten, dann machten sie einen Jux. Küng habe nämlich auf den Vorhalt, er sei doch nur deshalb so aufsässig, weil er selbst nie Papst geworden ist, mit der Replik geantwortet: Wieso, dann wäre ich doch wieder nur Stellvertreter!

Jetzt hat sich der Stellvertreter Christi mit einem der schärfsten Kritiker seines Amtes zum Gespräch getroffen. Um einen solchen Ansatz zum Ausgleich hatten sich hochrangige Vermittler schon seit Jahren bemüht. Dass es bisher dazu nicht kam, lag nicht nur am Vorgänger Benedikts, den Küng, als jener sich zum Sterben legte, noch einmal einer ganz kalten Kritik unterzog. Doch bevor man den auffallenden Stil überbewertet, bleibe man nüchtern. Der Papst hat auch Unterstützer des Rebellen von der ganz anderen Seite, des Bischofs Lefebvre, eines Empfangs gewürdigt. Zudem ist der sachliche Disput weder geklärt noch gar zu überbrücken. Und die Jahre, in denen Küng mit einer etwa erneuerten Lehrbefugnis noch hätte etwas anfangen können, liegen lange zurück.

So bleibt es bei einem neuen Stil, der Erinnerung an den alten Respekt und die Erfahrung: Allein der Amtsinhaber kann - in dieser Institution - gewähren, was der Unterworfene, was selbst ein Küng nur erhoffen kann: Anerkennung.