Greenpeace leistet dem Stromversorger RWE unentgeltlich Planungshilfe. Die Umweltorganisation will dem Konzernchef Harry Roels an diesem Donnerstag eine Studie mit dem Titel 2000 Megawatt sauber zustellen und zugleich der Öffentlichkeit präsentieren. Darin kommen die Umweltschützer zu einem überraschenden Fazit: Investitionen in einen Mix aus erneuerbaren Energien, effizienten Kraftwerken und neuen Dienstleistungen, die Industrie und privaten Haushalten Energieeinsparungen schmackhaft machen, versprechen langfristig bessere Renditen als Investitionen in eine klimaschädliche Verstromung von Braunkohle. Roels hatte kurz vor der Bundestagswahl bestätigt, dass der Konzern 2006 mit dem Bau des 2,2 Milliarden Euro teuren Braunkohlenkraftwerkes im nordrhein-westfälischen Neurath beginnen wolle.

Wir zeigen RWE Wege, exakt diese Summe in effiziente Energieträger zu investieren, dabei die ursprünglich geplante Menge Strom zu erzeugen und schließlich auch noch Geld zu verdienen, sagt Stefan Schurig, Leiter der Energie- und Klimaabteilung von Greenpeace. Das 173 Seiten lange Alternativkonzept stammt ursprünglich aus der Feder der Aachener Beratungsfirma EUtech. Dort wurde berechnet, dass ein aufeinander abgestimmter Kraftwerkspark aus Erdwärme-, Biomasse-, Biogas-, Wind-, Wasser- und Fotovoltaik-Anlagen etwa die Hälfte der von RWE avisierten 16 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr liefern könnte. Weitere sechs Milliarden Kilowattstunden Strom sollen in hoch effizienten Erdgaskraftwerken erzeugt und der Rest durch höhere Effizienz eingespart werden. In den Anlagen würden mehr als 2000 Menschen arbeiten - im Braunkohlenkraftwerk nur 220. Zudem ließen sich jährlich gut 13 Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid vermeiden. Schurig sieht den Essener Konzern unter Zugzwang: Neurath ist ein Präzedenzfall, an dem sich entscheidet, ob RWE umdenken kann und in nachhaltige Energiesysteme investiert.