energie Der neue SozialismusSeite 2/2
Zu den Hauptanteilseignern der von Gasprom anvisierten Ölfirma Sibneft gehört der reichste Mann Russlands, Roman Abramowitsch. Er erkaufte dem Londoner Fußballclub Chelsea mit 400 Millionen Euro für neue Spieler die englische Meisterschaft und sammelt Motoryachten mit Segelboot, Hubschrauberlandeplatz und Raketenabwehrsystem an Bord. Abramowitsch könnte beim Verkauf an den Staatskonzern acht bis neun Milliarden Dollar verdienen. Bei der Mauschelprivati-sierung Mitte der neunziger Jahre hatte die Ölfirma gerade 100 Millionen gekostet.
Zu Beginn seiner Amtszeit kündigte Putin an, alle Oligarchen gleich weit von der Macht zu entfernen. Das Sibneft-Geschäft unterstreicht, dass ihm in Wahrheit einige deutlich näher stehen als andere. Den loyalen Abramowitsch zum Beispiel möchte der Kreml für eine zweite Amtszeit zum Gouverneur der verarmten Republik Tschukotka im äußersten Nordosten an der Beringstraße ernennen. Angeblich hat Abramowitsch für die dort lebenden 50000 Menschen, die in Russland, ähnlich wie in Deutschland die Ostfriesen, vor allem als Protagonisten einschlägiger Witze bekannt sind, mehr als 1,5 Milliarden Dollar aus seinem Privatvermögen investiert – in den Bau von Krankenhäusern, Schulen und Straßen.
Eigentlich wollte »Onkel Roman«, wie die Tschuktschen Abramowitsch liebevoll nennen, das Staatsamt niederlegen. Doch nun sieht es so aus, als könne der Kreml ihn umstimmen. Der sozial mildtätige Büßerdienst der Milliardäre in Russlands Problemregionen könnte zur Staatspolitik werden, wenn sich Putins Bevollmächtigter für den Fernen Osten mit dem Vorschlag durchsetzt, Russlands drittreichsten Mann, Wiktor Wekselberg, als Gouverneur nach Kamtschatka zu schicken.
Abramowitschs früherer Partner Michail Chodorkowskij hingegen wurde am vergangenen Freitag in einer fragwürdigen Revisionsverhandlung endgültig zu acht Jahren Straflager verurteilt. Zuvor hatten die Steuerbehörden das Yukos-Ölimperium des Oligarchen mit einer kompromisslosen Nachforderung von über 28 Milliarden Dollar niedergerungen. Während Abramowitschs Sibneft eine Steuerschuld in Höhe von einer Milliarde Dollar auf weniger als ein Drittel dieses Betrages herunterhandeln konnte.
Chodorkowskijs kanadischer Anwalt Robert Amsterdam berichtete am vergangenen Wochenende, dass ihn Stunden nach dem Urteilsspruch Moskauer Beamte der Migrationsbehörde aufgesucht und sein russisches Visum ungültig gestempelt hätten. Die Generalstaatsanwaltschaft beantragte beim Justizministerium, den russischen Rechtsanwälten Chodorkowskijs die Lizenz zu entziehen. Der Staatsanwalt des Verfahrens hat dagegen bereits den russischen Ehrenorden erhalten. Drei der Richter sollen bald mit Orden und Medaillen ausgezeichnet werden.
- Datum 29.09.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 29.09.2005 Nr.40
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Was sagte Schröder noch nach Fragen zur eingeschränkten Pressefreiheit in Rußland: "Putin ist der Demokratischste unter allen Demokraten".
Da lacht wahrhaft die ganze Welt. Das ist mit russisch-deutschen Beziehungen nicht zu rechtfertigen.
Ich bin mir sicher, daß Schröder einen gut dotierten Beratervertrag im russischen Gasmarkt finden kann. Da genügt schon ein Gespräch mit Putin.
Ex-Wirtschaftminister Müller bei Ruhrkohle AG und Ex-Staatssekretär Tacke bei Steag, einer Tochter der Rohrkohle lassen grüssen. Genossen helfen einander, oder nicht?
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