Unaufhaltsam wirbelte Rita auf die Küste der Vereinigten Staaten zu. Dann jedoch schwächte sich der Hurrikan aus unerfindlichen Gründen ab und drehte nach Osten. Die Metropole Houston und die Küstenstadt Galveston blieben so vom Schlimmsten verschont. Kann man solch hilfreiche Bremsmanöver und Kursänderungen auch gezielt herbeiführen?

Erste Versuche gab es bereits in den sechziger Jahren. Das Projekt Stormfury der US-Regierung zielte darauf, den Hurrikan künstlich abzubremsen. Dazu impften die Forscher dessen Wolken mit Silberjodid, das sie aus Flugzeugen abwarfen. Die feinen Kristalle des Salzes sollten als Kondensationskeime in dem unterkühlten Wasserdampf Eispartikel entstehen lassen. Auf diese Weise sollten die Wolken schneller abregnen. Das kühlt die Meeresoberfläche und mindert die Wucht des Hurrikans.

Bei vier Wirbelstürmen wurde das Verfahren getestet, die Ergebnisse waren ernüchternd, die Versuche wurden schließlich eingestellt. Einen wichtigen Grund für das Versagen kennt man erst heute: Hurrikane enthalten entgegen früheren Annahmen kaum unterkühlten Wasserdampf, in dem das Silberjodid wirken könnte.

Die Hoffnung, die Wirbel eines Tages zum Besseren wenden zu können, haben dennoch nicht alle Wissenschaftler aufgegeben. Ross Hoffman, US-Fachmann für numerische Wettervorhersagen, setzt auf den chaotischen Charakter von Hurrikanen: Kleine Veränderungen in den Ausgangsbedingungen haben große Auswirkungen - wie der von Chaosforschern gern zitierte Flügelschlag eines Schmetterlings. Im Computermodell konnte Hoffman zeigen, dass bereits kleinste Temperaturänderungen zu Beginn eines Wirbelsturms dessen späteren Verlauf beeinflussen.

Dazu wären allerdings enorme Energiemengen erforderlich, noch dazu präzise platziert. Wie also soll das Ablenkungsmanöver funktionieren? Hoffman hofft auf Solarkraftwerke im Weltall, die ohnehin schon geplant seien. Deren große Spiegel sollen Sonnenlicht auf Solarzellen bündeln, die Energie wird dann mit Mikrowellen auf die Erde geschickt. Mit leicht geänderten Frequenzen könnte man gezielt die gewünschten Bereiche der Atmosphäre aufheizen, meint der Forscher. Zurzeit sind um die Erde schwirrende Sonnenkraftwerke allerdings nicht in Sicht.

Prinzipiell wäre es einfacher, dem Hurrikan die Energiezufuhr abzudrehen.

Einige Forscher propagierten Olivenöl als das Mittel der Wahl. Ein Film aus dem biologisch abbaubaren Stoff könne die Verdunstung über dem Meer verlangsamen und so den Wirbelsturm aushungern, behaupteten sie. Man müsste nur noch wissen, wo genau der Olivenölteppich auszulegen wäre.