Auf die Frage, wie sie sich ihren kometenhaften Erfolg erklären könne, soll sie bei einer Pressekonferenz geantwortet haben: "Kann der Wind sagen, warum er zum Sturm wird?"

Die Metapher passte perfekt zu dem Image, das sie umgab, zu ihrer Person, ihrem Leben. Hatte es darin doch einige stürmische Momente gegeben, weshalb ihre Vita auch gleich mehrmals als Filmstoff adaptiert wurde. Die wohl gelungenste Verfilmung stammte von jenem jung gestorbenen Regisseur, bei dem Leben und Schaffen derart ineinander verflochten waren, dass das eine ohne das andere nicht denkbar ist. Und natürlich hatte er, der selbst zur Legende wurde, die Hauptrolle mit seinem weiblichen Lieblingsstar besetzt, ein Glücksgriff. Aber das ist eigentlich schon fast der Stoff für eine zweite Lebensgeschichte…

Zurück zu ihr und dem Vergleich von Wind und Sturm, passend auch zu ihrer Herkunft. Sie kam aus einer Hafenstadt, die Mutter, die aus Skandinavien gebürtig war, starb früh. Der Vater trug die Vornamen Friedrich Adolf Nikolaus und heuerte auf Passagierdampfern an, die von hier aus ins Blaue starteten. Das Leben an der Küste muss die Kleine von Geburt an geprägt haben: Selbst als sie später dem Geruch von Muscheln und Tang entkommen war und in der Nähe der Berge lebte, haftete er ihr weiter an. Ein Journalist, der sie in ihrer Stadtwohnung besuchte, vermerkte verwundert, dass es dort nach teurem Parfüm roch, er hatte eher eine Meeresbrise erwartet. Ganz zum Schluss sollte sie tatsächlich zu ihren Wurzeln zurückkehren: Ihre letzte Ruhe fand sie auf einer kleinen Insel.

Dort hatte sie oft ihre Ferien verlebt, in einem reetgedeckten Haus in den Dünen, versorgt von einer Haushälterin, deren gedeckter Apfelkuchen angeblich das Nonplusultra war.

Solche und andere Details erfuhr man aus ihrer Autobiografie, die in ihrem Todesjahr erschien. Ein Kritiker attestierte der über Sechzigjährigen in seiner Rezension für die ZEIT das Gemüt eines Backfischs. Ihr Ton sei nett, quirlig, trotzköpfig, aber auch etwas naiv und burschikos, stand da zu lesen. Und auch, dass ihr Ruhm sich wohl mehr einem großen Zufall zu verdanken habe als ihren Talenten. "Man klappt das Buch zu und denkt, sie müsse das Wesentliche verschwiegen haben. Aber vielleicht hatte sie gar nichts zu verschweigen?"

Immerhin, mehr als einmal war sie in ihrem Leben bedrohlichen Situationen entkommen, weil sie – zu naiv? – ihre politischen Neigungen nicht verleugnete. Eine Mitläuferin war sie also nicht gewesen, auch wenn der Verdacht später an ihr hing. Vielleicht tatsächlich eher ein lebenslanger Backfisch, um noch einmal den Begriff zu benutzen, der – und das ist fast schon wieder komisch – durchaus eine maritime Note hat.