So blendend gelaunt wie am Montag dieser Woche haben seine Kollegen VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder selten erlebt. "Der schwebt den ganzen Tag schon auf Wolke sieben", witzelte ein Mitarbeiter aus dem VW-Hochhaus. Kein Wunder, die von Porsche-Chef Wiedeking angekündigte Übernahme von bis zu 20 Prozent des stimmberechtigten Kapitals nimmt dem Konzernchef eine Sorge ab: Eine feindliche Übernahme dürfte vom Tisch sein. Die war angesichts der schlechten Bewertung der VW-Aktie immer wahrscheinlicher geworden.

Hinzu kam die Vorfreude auf den nächsten Tag: Da wurde prompt die Einigung von IG Metall und Betriebsrat mit dem VW-Management im Poker über den Produktionsstandort des geplanten kompakten Geländewagens verkündet. Der "kleine Bruder des Touareg" wird zu den Konditionen der Auto 5000 GmbH im Wolfsburger Stammwerk gebaut. Die Löhne liegen damit etwa 20 Prozent unter dem VW-Haustarif – damit hat Pischetsrieder ein wichtiges Etappenziel bei der geplanten Kostensenkung erreicht.

Kaum weniger aufgeräumt war die Stimmung auf der Porsche-Chefetage in Stuttgart-Zuffenhausen. Zwar strafte die Börse den mutigen Großinvestor – die Rede ist von rund drei Milliarden Euro – erst mal mit einem Kurseinbruch von mehr als elf Prozent ab, aber Finanzchef Holger Härter hatte die Kollegen auf eine derartige Reaktion bereits vorbereitet. In wenigen Wochen, so das optimistische Kalkül in Zuffenhausen, werde diese Kursdelle ausgebügelt sein.

Ohne die Familien Piëch und Porsche wäre der Deal nicht denkbar

Die Urheberschaft für den Überraschungscoup reklamieren die Zuffenhausener für Vorstandschef Wendelin Wiedeking. Der habe die Idee erst mit seinem Aufsichtsratschef Helmut Sihler besprochen, dann hätten die beiden Ferdinand Piëch eingeweiht. Beim Enkel des Unternehmensgründers Ferdinand Porsche rannten sie offene Türen ein. Schließlich hatte der noch in seiner Zeit als VW-Vorstandsvorsitzender Ähnliches versucht, allerdings vergeblich. Piëch besitzt persönlich 13,2 Prozent der Porsche-Stammaktien und sitzt nicht nur im Porsche-Aufsichtsrat, sondern steht auch dem VW-Aufsichtsgremium vor.

Piëch kommt bei der weiteren Vorbereitung des Deals eine wichtige Rolle zu, denn diesmal konnte er seine Verwandtschaft von der Logik des Einstiegs bei VW überzeugen. Die Macht- und Besitzkonstellationen bei Porsche und VW hängen historisch eng mit den Familienclans der Piëchs und Porsches zusammen. Nur auf diesem Hintergrund wird die Initiative Wiedekings wirklich erklärbar.

Piëchs Großvater Ferdinand Porsche hatte einst im Auftrag von Adolf Hitler den ersten Volkswagen, den Ur-Käfer entwickelt. Der ging freilich erst nach dem Krieg in Serie. Und Piëchs Vater, Anton Piëch, hatte in der Nazizeit als Werksleiter in Wolfsburg die Produktion mit aufgebaut. Nach dem Krieg enstanden dann – unter Verwendung getunter Käfer-Motoren – die ersten Porsche Sportwagen, die Ausgangsbasis der heutigen Porsche AG in Stuttgart-Zuffenhausen.